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2007 Bj. Lamborghini Murciélago LP 640 Roadster

Geschrieben von: AWall
Read Time: 13 mins
Veröffentlicht: 18. November 2015
Zuletzt aktualisiert: 03. November 2023
Zugriffe: 6512
Lamborghini Murcielago LP 640 Roadster

Die Power von 640 PS unter freiem Himmel

Murciélago, der Name stammt von einem Stier dem, im Jahre 1879, das Leben nach einem langen und erbitterten Kampf in der Arena geschenkt wurde.
In Spanien gilt der "Kampfstier" immer noch als Inbegriff von Kraft, Mut, Wendigkeit und Schnelligkeit.

471 kW (640 PS) Leistung und kein Dach über den Kopf – eine Fahrt im Murciélago LP 640 Roadster ist wie eine Reise im Auge des Taifuns.
Der große offene Lamborghini ist das Gegenteil eines Boulevard-Cruisers – er ist ein Supersportwagen, der keine Kompromisse kennt.

Er beschleunigt in 3,4 Sekunden auf 100 km/h und erreicht 330 km/h Spitze.
Ein V12-Motor mit 6,5 Liter Hubraum, der Allradantrieb und ein Fahrwerk wie aus dem Rennsport verleihen dem Roadster fulminante Dynamik.

 

Karosserie und Verdeck

Der allererste offene Sportwagen von Lamborghini war ein Miura von 1968, der allerdings ein Einzelstück blieb. 1995 legte die Marke aus Sant’Agata Bolognese den Diablo auch als Roadster auf; er besaß ein Targadach, das sich auf der Motorhaube festrasten ließ. Im Gegensatz zu ihm ist der Murciélago LP 640 ein klassischer Roadster mit einem leichten Verdeck aus Stoff – er ist in erster Linie zum Offenfahren gedacht.

Die Lamborghini-Designer legten bei ihrer Arbeit allergrößtes Augenmerk darauf, die Silhouette des Murciélago nicht durch angebaute Karosserie-Elemente zu stören; allein die Motorhaube wurde neu gezeichnet. Auch der Roadster besitzt eine keilförmige Linie mit fließenden Konturen und kantigen, aggressiv wirkenden Geometrien an Bug und Heck. Er misst wie das Coupé 4,61 Meter in der Länge, 2,06 m in der Breite, 2,67 m im Radstand und 1,14 m in der Höhe mit geschlossenem Verdeck – offen sind es drei Millimeter weniger.

In echter Roadster-Tradition handelt es sich beim Verdeck des Murciélago um einen Verbund aus einlagigem schwarzem Stoff mit einem leichten Stahlrohr-Unterbau, seine Bezeichnung lautet R.top. Wenn Regen droht, kann man das Gestänge manuell an Befestigungspunkten in der Karosserie verankern, danach zieht man die Stoffhaut darüber und befestigt sie mit Druckknöpfen. Das R.top ist für Fahrgeschwindigkeiten bis 200 km/h vorgesehen.

Um die unerschütterliche Steifigkeit der Karosserie zu wahren, die die Grundlage für die überragenden Handlingeigenschaften des Murciélago bildet, integrierten die Lamborghini-Ingenieure eine Reihe neuer Strukturteile aus Stahl und Kohlefaser. Das wichtigste von ihnen ist ein schlanker Fachwerkrahmen aus gekreuzten Stahlrohren, der dem langen Motorabteil zusätzliche Stabilität verleiht. Der Rahmen, der optisch an den Käfig eines Rennwagens erinnert, ist auch in einer Ausführung aus Kohlefaser-Verbundmaterial lieferbar.

Den eigentlichen Kern der Karosserie bildet jedoch das Monocoque – bei ihm demonstriert Lamborghini seine über viele Jahre gewachsene Kompetenz im Umgang mit dem High-Tech-Material Kohlefaser. Die Zelle des Roadster besteht wie beim Murciélago Coupé aus Stahlprofilen und Carbon-Teilen, die miteinander verklebt und vernietet sind. Bei der Außenhaut kommen weitere Kohlefaser-Elemente sowie Stahlblech zum Einsatz.

Identisch sind bei beiden Karosserievarianten auch die Funktionsweise der Scherentüren und das Prinzip der zusätzlichen Ansaugöffnungen, die im Normalzustand bündig in den C-Säulen liegen. Wenn der Motor zusätzliche Kühlluft braucht, fahren sie, von einem Rechner gesteuert, zur Seite hin aus. Der Kofferraum im kurzen Vorderwagen nimmt 150 Liter Gepäck auf. Der Murciélago Roadster bringt trocken 1690 Kilogramm auf die Waage, lediglich 25 kg mehr als das Coupé.

 

Der Innenraum

Der Fahrer und der Beifahrer sitzen im Murciélago LP 640 Roadster sehr tief und sportlich weit zurückgelehnt. Dennoch – und trotz der extrem flachen A-Säulen – findet der Fahrtwind Zutritt zum Innenraum; der obere Rahmen der Frontscheibe steht weit genug von den Köpfen entfernt, um nicht zu stören. Offen fahren im Roadster von Lamborghini bedeutet das ungefilterte Erlebnis der Außenwelt mit dem ganzen Reichtum ihrer Atmosphäre – und es bringt den vollen Genuss des Fahrtwinds, der hier sehr, sehr schnell sein kann. Hinter den beiden Sitzen liegen, in Schächte versenkt, zwei Überrollbügel, die innerhalb weniger Hundertstelsekunden nach oben schießen, falls ein Überschlag drohen sollte.

Lamborghini Murcielago LP 640 Roadster

Ein weiteres Differenzierungsmerkmal gegenüber dem Coupé ist der asymmetrische Look des Interieurs – eine Idee, die vom Vorgängermodell Diablo stammt. Um die Herausforderung zu visualisieren, die der Murciélago LP 640 Roadster an seinen Piloten richtet, ist der ganze Innenraum optisch auf den Fahrer ausgelegt – auf seiner Seite sind die Sitzwangen, das Armaturenbrett, die Konsole des Mitteltunnels und die Türverkleidung mit perforiertem Leder bezogen.

In allen anderen Punkten gleicht der Murciélago LP 640 Roadster dem Coupé. Sein Cockpit wirkt klar aufgeräumt und technisch-kühl gezeichnet, die meisten Tasten für die Sekundärfunktionen liegen auf dem Mitteltunnel und lassen sich intuitiv bedienen. Und das ganze Interieur ist bis zum letzten Nahtstich exzellent verarbeitet – Lamborghini gestattet sich bei seinem kompromisslosen Sportwagen auch in diesem Punkt nicht die kleinste Nachlässigkeit.

 

Der Motor

Seit dem Jahr 1963, als der elegante GTV als allererster Lamborghini auf dem Turiner Salon stand, ist der Zwölfzylinder-Motor jenes Element, das den Charakter der Autos am stärksten prägt – er hat den Rang einer Ikone. Heute, 44 Jahre später, präsentiert sich der V12 in neuer, bestechender Form, als einer der stärksten und faszinierendsten Saugmotoren der Welt.

Die Alu-Maschine ist im Murciélago LP 640 Roadster längs vor der Hinterachse eingebaut, das Getriebe liegt vor ihr unter dem Mitteltunnel. Dieses Layout sorgt dafür, dass 58 Prozent des Gesamtgewichts die hinteren Räder belasten – eine ideale Verteilung für einen starken Sportwagen.

Der leicht langhubig ausgelegte V12, mit 11,0 : 1 verdichtet, holt aus 6496 cm3 Hubraum 471 kW (640 PS) bei 8000 1/min. Ebenso martialisch wirkt seine Durchzugskraft – bei 6000 1/min beträgt sie nicht weniger als 660 Nm.

Schon auf kleinste Bewegungen des rechten Fußes spricht der Motor so gierig an wie eine Rennmaschine.
Er dreht spielerisch leicht über 8000 Touren hinaus und spielt dabei das ganze Konzert italienischer Wohlklänge – eine Musik, die fasziniert, auf der Haut kribbelt und im Magen vibriert, ein Klangerlebnis mit Suchtpotenzial.

Der V12 von Lamborghini, der den idealen Zylinderwinkel von 60 Grad besitzt, ist ein Meisterwerk italienischer Motorenbaukunst. Seine vier Nockenwellen, die zusammen 48 Ventile betätigen, werden von Ketten angetrieben. Ihre Steuerzeiten sind variabel ausgelegt – so unterstützen sie, zusammen mit dem dreistufigen Schaltsaugrohr, den Aufbau des gewaltigen Drehmoments. Die Ingenieure von Lamborghini haben die Steuerelektronik selbst entwickelt. Eine Trockensumpfschmierung versorgt das High-Tech-Aggregat auch in extremen Lagen stets sicher mit Öl. Der Entfall der Ölwanne unter dem Motor erlaubt es, den V12 extrem tief einzubauen – das kommt der überragenden Fahrdynamik unmittelbar zugute.

Der Murciélago LP 640 Roadster ist der einzige offene Sportwagen der Welt mit einem V12-Mittelmotor, und er schießt sich mit seiner
atemberaubenden Zwölfzylinder-Power in eine Umlaufbahn, in die ihm kaum ein anderes Auto folgen kann. Der offene Supersportler beschleunigt – wie das Coupé – in 3,4 Sekunden auf 100 km/h, erst bei 330 km/h endet sein Vortrieb.

Die Kraftübertragung
Die immensen Kräfte des Motors fließen beim Murciélago LP 640 auf ein Sechsganggetriebe. Serienmäßig rollt der Roadster mit einer manuellen Schaltung aus der Werkshalle – der aus dem Vollen gefräste Metallknüppel und die traditionelle offene Kulisse sind ein Genuss für das Auge, die Gangwechsel vollziehen sich geschmeidig und schnell aus dem Handgelenk.

Optional ist eine elektrohydraulische Ausführung mit der Bezeichnung e.gear zu bekommen, bei der der Pilot die Schaltvorgänge mit zwei Wippen am Lenkrad steuert; ein Display im Cockpit zeigt den eingelegten Gang an. Das System offeriert einen „Sport“-Modus und eine weitere Ebene, auf der die Gangwechsel vollautomatisch ablaufen. In diesem Automatik-Modus ist eine Zusatzfunktion namens „Thrust mode“ abgelegt; sie ermöglicht Anfahrvorgänge mit explosiver Power, wenn die Traktionskontrolle ausgeschaltet ist. Der Fahrer muss nur noch Vollgas geben, den Rest regelt e.gear.

Der Murciélago LP 640 Roadster bringt ab Werk einen Allradantrieb mit, als dessen zentrales Element eine Visco-Kupplung fungiert. Wenn die Hinterräder durchzudrehen beginnen, leitet sie über eine zusätzliche Welle bis zu 35 Prozent der Motorkräfte an die Vorderachse. Dort und an der Hinterachse arbeiten Sperrdifferenziale, sie erzielen 25 beziehungsweise 45 Prozent Wirkung.

Lamborghini hat das Allrad-Prinzip bereits beim Diablo eingeführt, damals noch in einer speziellen Modellvariante mit dem Kürzel VT (viscous traction). Der Grund leuchtete damals so klar ein wie heute: Vier angetriebene Räder finden viel mehr Traktion als zwei – und dieses physikalische Gesetz wirkt sich umso machtvoller aus, je mehr Leistung zur Verfügung steht.

 

Das Fahrwerk

Die extreme Power, die der V12 aufbietet, verlangt nach starker Kontrolle – der Murciélago LP 640 realisiert sie mit einem Fahrwerk von höchster Performance.
Pro Rad sind wie bei einem reinen Rennwagen doppelte Dreieckslenker am Werk, an der Vorderachse ist je ein Federbein aktiv, hinten sind es zwei pro Rad.
Dank elektronischer Steuerung arbeiten die Stoßdämpfer variabel – der Fahrer kann sie, je nach Belieben und Straßenzustand, per Tastendruck in einem von vier Kennfeldern einstellen. Mit einer weiteren Taste lässt sich der Vorderwagen um 45 mm anheben, das schont den Boden unter dem Bug auf holprigen Strecken oder tiefen Garageneinfahrten.

Der Murciélago LP 640 Roadster rollt auf 18 Zoll-Rädern. Seine vorderen Reifen weisen die Größe 245/35 auf, die hinteren das imposante Maß 335/30. Für die Liebhaber einer konsequent sportlichen Gangart stehen Semi-Slicks vom Typ Pirelli P Zero Corsa zur Wahl – sie bauen im Trockenen unerbittliche Haftung auf und bieten auch bei Nässe noch gute Eigenschaften.

Auch mit seiner Bremsleistung fährt der Roadster aus Sant’Agata Bolognese an der Spitze des Wettbewerbs. Seine vier Radbremsen werden durch eigene Luftkanäle in der Karosserie gekühlt. Serienmäßig montiert Lamborghini Bremsscheiben aus Stahl, die vorderen weisen 380 mm, die hinteren 355 mm Durchmesser auf. Acht- beziehungsweise Vierkolbensättel, per ABS gesteuert, nehmen sie mit gnadenloser Gewalt in die Zange. Auf Wunsch sind Scheiben aus Kohlefaser-Keramik zu haben – sie bauen extrem leicht, erreichen höchste Laufleistungen und arbeiten praktisch fadingfrei. Die Keramik-Scheiben haben einheitlich 380 mm Durchmesser, Sechskolbensättel greifen auf sie zu.

Eine prägende Eigenschaft aller Sportwagen von Lamborghini ist der sichere, ruhige Geradeauslauf auch bei höchster Geschwindigkeit – eine Stärke, die schnelle Autobahnetappen zu einem souveränen
Vergnügen macht. Neben der Formgebung von Karosserie und Unterboden ist ein kleiner Heckspoiler für sie verantwortlich – er fährt bei 130 km/h aus der Abrisskante aus und nimmt bei 220 km/h eine noch steilere Stellung ein; so erhöht er den Abtrieb weiter.

Lamborghini Murcielago LP 640 Roadster

Das eigentliche Jagdrevier des Murciélago LP 640 Roadster aber ist die Landstraße. Die Wildheit, mit der der Supersportler aus Italien über die Kurven herfällt und die extremen Geschwindigkeiten, mit denen er sie absolviert, faszinieren ebenso wie der Grip und der Speed, mit dem es wieder hinaus auf die Gerade geht. Der offene Murciélago ist, wie jeder Lamborghini, ein Sportwagen für Männer, er will von energischen Händen geführt sein. Und er belohnt entschlossenes Zupacken durch präzise Bedienkräfte und sensible, innige Rückmeldung von der Straße. Dabei verhält er sich stets stabil und frei von Überraschungen.

 

Die Ausstattung

Der Murciélago LP 640 Roadster von Haus aus reich ausgestattet. Eine Klimaautomatik ist bei ihm ebenso Serie wie eine Audioanlage, die ein DVD-Laufwerk und einen großen Monitor für die Bedienung per Touchscreen zu bieten hat. Die beiden Airbags entfalten sich je nach Aufprallschwere in zwei Stufen. Ein Bordcomputer gehört ebenso zum Standard wie elektrische Fensterheber, elektrisch anklapp- und beheizbare Außenspiel sowie Bi-Xenon-Scheinwerfer.

Standardmäßig sind die hochwertigen Lederbezüge im asymmetrischen, fahrer-orientierten Look gehalten. Optional stellt Lamborghini zwei andere Dessins sowie ein Interieur in Leder und Alcantara zur Wahl. Unter den weiteren Extras finden sich ein Navigationssystem, eine Bluetooth-Anbindung für das Handy, eine iPod-Vorbereitung und ein Premium-Soundsystem. Ein Lamborghini ist immer ein Auto von höchster Exklusivität – mit dem vielseitigen Programm „ad personam“ kann ihn der Kunde noch individueller konfigurieren, bis er so unverwechselbar ist wie sein eigener Fingerabdruck.

 

Technische Daten des Lamborghini Murciélago LP 640 Roadster

Motor:

Typ: 12 Zylinder V-Motor
Hubraum: 6496 ccm
Getriebe: 6 Gang- Halbautomatik
Kraftübertragung: permanenter Allradantrieb
Leistung: 471 kw/ 640 PS bei 8000 1/min
Drehmoment: 660 Nm bei 6000 1/min

Fahrleistungen:

Vmax: 330 km/h
Beschleunigung von 0-100 km/h: 3.4 Sekunden

Kraftstoffverbrauch:

Verbrauch innerorts: 32,3 l/100 km
Verbrauch außerorts: 15,0 l/100 km
Verbrauch kombiniert: 21,3 l/100 km
CO2 -Emission: 495 g/km

Außenmaße:

Radstand: 2665 mm
Länge:
4.610 mm
Breite: 2.058 mm
Höhe: 1.135 mm (mit Verdeck) / 1.132 mm (ohne Verdeck)
Gewicht: 1.690 kg

Baujahr: 2007

Der damalige Preis eines Lamborghini Murciélago LP 640 Roadster betrug 282.030 Euro.


Bilder von Lamborghini Murciélago LP 640 Roadster

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Fotos: Copyright © Lamborghini


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