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Die
Volkswagen AG, abgekürzt VW AG, ist Europas
größter Automobilhersteller mit Sitz in
Wolfsburg, Niedersachsen. Zum
Volkswagen-Konzern gehören die Marken Audi,
Bentley, Bugatti, Lamborghini, Seat, Skoda,
Volkswagen und Volkswagen Nutzfahrzeuge.
Allein in Deutschland gibt es neun
Volkswagenwerke, neben dem VW-Stammwerk in
Wolfsburg beispielsweise das Volkswagenwerk
Kassel. Gründung
Am 11. Februar 1933 forderte Adolf Hitler
auf der Berliner Automobilausstellung die
Motorisierung des deutschen Volkes. Es
schwebte ihm die Konstruktion eines Autos
vor, das 100 km/h Dauergeschwindigkeit auf
der Autobahn halten kann, das mit vier
Sitzen für Familien geeignet ist, sparsam im
Verbrauch ist und vor allem unter 1000
Reichsmark (RM) kosten soll.
Der Österreicher Ferdinand Porsche, der in
Stuttgart ein eigenes Konstruktionsbüro
betrieb und zuvor bereits für verschiedene
Unternehmen arbeitete, bekam am 22. Juni
1934 vom Reichsverband der Deutschen
Automobilindustrie den Entwicklungsauftrag
für den Bau eines Prototypen. Die um die
Beurteilung der Machbarkeit befragten
deutschen Automobilfirmen bezweifelten aber
zu Recht, dass der Volkswagen zu Hitlers
Wunschpreis von unter 1000 RM zu realisieren
sei. Schon andere Fahrzeugkonzepte zuvor,
die bereits den Begriff Volkswagen nutzten,
konnten aufgrund zu hoher Materialkosten und
– mangels rationeller Fertigungsmethoden –
zu hoher Produktionskosten nicht zu einem
"volkstümlichen" Preis angeboten werden. So
hatte auf der oben erwähnten
Automobilausstellung auch Josef Ganz einen
Volkswagen mit dem Namen Maikäfer
präsentiert.
Da die Automobilindustrie an einer
Subventionierung des Volkswagens kein
Interesse hatte, beauftragte Hitler die
Deutsche Arbeitsfront (DAF) mit dem Bau der
größten Automobilfabrik Europas. Am 28. Mai
1937 wurde unter der Aufsicht von Robert
Ley, dem Leiter der DAF, die "Gesellschaft
zur Vorbereitung des Deutschen Volkswagens
mbH" gegründet. Ihr erstes und einziges
Produkt sollte der "KdF-Wagen" (KdF = Kraft
durch Freude) werden. Sie finanzierte den
Aufbau des Volkswagenwerkes Wolfsburg vor
allem aus dem Verkauf des 1933
beschlagnahmten Gewerkschaftsvermögens. Die
spätere Produktion wurde nach einem von der
DAF entwickelten Konzept vorfinanziert,
demzufolge die künftigen Käufer des
Volkswagens Vorauszahlungen zu leisten
hatten. Der Kaufpreis von 990 RM wurde in
Raten von 5 RM angespart und mit einer
Sparmarke auf einer Sparkarte quittiert.
Allerdings betrugen die 1939 kalkulierten
Kosten eines Wagens mehr als das Doppelte.
Standort der Fabrik wurde die neu gegründete
"Stadt des KdF-Wagens". Sie entstand – auf
dem Reißbrett geplant – nach einer Bereisung
durch den Geschäftsführer Bodo Lafferentz
mehr oder weniger zufällig im ländlich
geprägten und dünn besiedelten Gebiet bei
der Gemeinde Fallersleben sowie dem Schloss
Wolfsburg mit dem dortigen Schulenburgischen
Gutshof. Dieser Standort im Urstromtal der
Aller in der geografischen Mitte des Reiches
bot verkehrsgünstige Anbindungen durch den
Mittellandkanal die Autobahn von Berlin nach
Hannover (heute Bundesautobahn 2)
die Eisenbahnstrecke Berlin-Ruhrgebiet und
die Nähe zur Industriestadt Salzgitter sowie
zur Großstadt Braunschweig.
Allerdings musste der Autobahnanschluss erst
gebaut werden und eine Verbindung zur
Eisenbahnhauptstrecke geschaffen werden.
Daneben war eine ausreichende Infrastruktur
zur Elektrizitäts- und Wasserversorgung
sowie Telekommunikation zu errichten.
Da Ferdinand Porsche seinen Volkswagen in
einer komplett neu erbauten Fabrik
produzieren konnte, war es ihm möglich, das
Produkt und seine Produktionsanlagen optimal
aufeinander abzustimmen. So wurde die Zahl
der zu pressenden Blechteile durch eine
optimierte Formgebung (möglichst große
Einzelbleche) reduziert. Die konsequente
Fließbandfertigung orientierte sich an
Beispielen von Ford in Detroit, deren
Produktionsmethoden Porsche auf einer
USA-Reise studierte.
Im Herbst 1939 war der Rohbau der
Produktionshallen fertig. Zu einer
planmäßigen Produktion des
VW Käfer
(150.000/Jahr) kam es aber nicht, denn es
fehlten Spezialwerkzeugmaschinen, weil sich
die Wirtschaft auf den Krieg vorbereitete.
Der für die Produktion benötigte Stahl
sollte größtenteils aus der "Stadt der
Hermann-Göring-Werke" (Salzgitter) geliefert
werden.
Während des Zweiten Weltkrieges wurde das
Volkswagenwerk auf die Produktion von
Rüstungsgütern, unter anderem auch die
Vergeltungswaffe V1, umgestellt. Von 1940
bis 1945 mussten dazu etwa 20.000 Menschen
im Volkswagenwerk Zwangsarbeit leisten,
darunter Kriegsgefangene und Insassen der
Konzentrationslager. 1942 wurde eigens ein
KZ Arbeitsdorf angelegt, bis im April 1945
US-Truppen das Werk befreiten.
Nachkriegszeit
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ging
die Zuständigkeit für das Volkswagenwerk
Mitte Juni 1945 auf die britische
Militärregierung über. 20 % der Werksbauten
waren zerstört, 93 % der Maschinenausrüstung
befand sich noch in verwendungsfähigem
Zustand. 1946 wurde der erste
Käfer
produziert, aber in den ersten Jahren nach
dem zweiten Weltkrieg war die Zukunft des
Werkes sowie des "Käfers"
ungewiss. Erst danach erhielten das
Unternehmen und seine Produkte offiziell die
Bezeichnung "Volkswagen". Sowohl eine
Demontage des Werkes als auch eine
Weiterführung der Käferproduktion in anderen
Ländern waren mögliche Optionen. Unter
anderem die britische Firma Humber sowie
Ford waren zunächst am VW-Werk interessiert.
Aufgrund falscher Martkeinschätzung, der
Nähe zur sowjetischen Besatzungszone sowie
einer vernichtenden technischen Bewertung
des
VW Käfers durch einen britischen
Untersuchungsbericht verloren alle
Interessenten jedoch jegliches Interesse am
VW-Werk. In besagtem Untersuchungsbericht
wurde der
Käfer als eine nicht nachahmungswürdige
Konstruktion beurteilt, die angeblich nicht
den Anforderungen genügte, die man zur
damalige Zeit an Kleinwagen stellen musste.
Aus heutiger Sicht ist dieses Urteil nicht
nachvollziehbar, da vom
VW Käfer mehr als 21 Millionen Exemplare
hergestellt wurden, die alle in ihrer
Grundkonzeption dem Vorkriegsentwurf
entsprachen.
Sehr großen Einfluss auf die Entwicklung des
Volkswagenwerkes in den ersten Jahren nach
dem 2. Weltkrieg hatte der britische
Offizier Major Ivan Hirst. Dieser sorgte
zusammen mit dem deutschen Management dafür,
dass die Produktion wieder in Gang kam. Die
deutsche Werksleitung bestand unter anderem
aus dem Berliner Industrieanwalt Hermann
Münch, der zunächst als Treuhänder mit dem
Wiederaufbau des Werkes beauftragt wurde und
nach der Ablösung von Rudolf Brörmann am 17.
Juni 1946 auch Generaldirektor sowie zum
Haupttreuhänder berufen wurde. Anfangs wurde
die Nachfrage der Besatzungsverwaltung nach
Dienstfahrzeugen gedeckt. Bald wurden die
ersten zivilen Fahrzeuge hergestellt und auf
Initiative von Hirst ein Kundendienst- und
Vertriebssystem - auch im Ausland -
aufgebaut sowie Qualität und
Produktionskapazitäten gesteigert. Hirst
empfahl schließlich den Techniker Heinrich
Nordhoff, der zuvor bei Opel tätig gewesen
war, als Nachfolger Münchs einzusetzen.
1948 wurde Heinrich Nordhoff
Generaldirektor. 1949 kam das Unternehmen
unter Treuhandschaft des Bundes und des
Landes Niedersachsen.
Das Volkswagenwerk in Wolfsburg sollte zur
größten Automobilfabrik der Welt werden. Die
Werksfläche nimmt heute eine Fläche
vergleichbar mit der von Gibraltar ein.
Allein die überdachte Hallenfläche ist
ungefähr so groß wie das Fürstentum Monaco.
1955 wird in Wolfsburg die Fertigstellung
des einmillionsten Volkswagens gefeiert.
Die Volkswagenwerk GmbH wird am 22. August
1960 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt
und teilprivatisiert und heißt mit neuem
Namen "Volkswagenwerk Aktiengesellschaft".
60 Prozent des VW-Stammkapitals werden in
Form von sogenannten Volksaktien im
Gesamtnennwert von 360 Millionen DM
ausgegeben, womit umgerechnet ca. 500
Millionen Euro erlöst wurden. Je 20 Prozent
hielten die Bundesrepublik Deutschland und
das Land Niedersachsen weiter. Mit dem
Verkaufserlös und den Gewinnansprüchen aus
den verbliebenen 40% Aktien der öffentlichen
Hand wurde nach langjährigem Tauziehen
zwischen Bund und Niedersachsen zur
Förderung der Wissenschaft 1961 als
gemeinnützige Stiftung bürgerlichen Rechts
die Stiftung Volkswagenwerk mit Sitz in
Hannover gegründet. Eine Besonderheit dabei
ist das so genannte VW-Gesetz vom 21. Juni
1960, das nicht nur die Privatisierung
regelte, sondern auch trotz
Minderheitenposition der öffentlichen Hand
deren entscheidenden Einfluss weitersichern
soll.
1962 beschäftigt der Gesamt-Konzern 69.000
Mitarbeiter und erwirtschaftet einen
Jahresumsatz von 6,4 Milliarden DM.
Im Jahre 1965 übernimmt die Volkswagen AG
die Auto Union GmbH von Daimler-Benz. Das
Unternehmen mit Sitz in Ingolstadt sichert
den Wolfsburgern neue Technologien, wie die
Wasserkühlung im Motorenbau und den
Frontantrieb. Unter dem Markennamen Audi hat
Volkswagen erstmals eine zweite Konzernmarke
im Angebot, in die 1969 das Unternehmen NSU
integriert wird.
Die 70er Jahre
Mit dem von NSU entwickelten K 70 bringt
Volkswagen erstmals ein Fahrzeug mit
Frontmotor, Frontantrieb und Wasserkühlung
auf den Markt und markiert damit einen
Umbruch in der VW-Geschichte.
1972 sind 192.100 Mitarbeiter bei Volkswagen
beschäftigt und erwirtschaften einen
Jahresumsatz von 16 Milliarden DM.
Volkswagen wird 1972 Produktionsweltmeister:
Mit 15.007.034 montierten Wagen löst der
VW Käfer den bis dato gültigen
Produktionsrekord des Anfang des 20.
Jahrhunderts von der Ford Motor Company
gebauten T-Modells ab. (Im Jahre 2002
verwies der VW Golf mit 21,5 Mio gebauten
Einheiten den
Käfer auf Platz drei in der Rangfolge
der am meisten produzierten Automobile.
Produktionsweltmeister blieb der Toyota
Corolla, gefolgt vom VW Golf. Das T-Modell
von Ford belegt Platz 4. Allerdings ist
dabei zu bedenken, dass sowohl der
VW Käfer
als auch das T-Modell nahezu unverändert
produziert wurden, während bei Corolla und
Golf mehrere Modelle unter demselben Namen
firmieren.)
VW war anfang der 70er Jahre in schweres
Fahrwasser geraten: Die Käfer-Produktion
brach langsam ein, die glücklosen
abgeleiteten Heckmotormodelle konnten keinen
Ausgleich bieten. Als Retter in der Not
erwies sich die 1964 zugekaufte Audi NSU
Auto Union AG: Mit Rückgriff auf
Audi-Komponenten gelang es in kürzester
Zeit, ein modernes, attraktives
Modellprogramm auf die Beine zu stellen. Der
erste Vertreter dieser neuen wassergekühlten
Modelle war der Passat. Er geht im Mai 1973
in Produktion, im Januar 1974 folgt der
Golf, der sich danach schnell zum
Verkaufsschlager entwickelt. Gefertigt wird
nach dem Baukastenprinzip, bei dem durch in
verschiedenen Modellen einsetzbare Bauteile
erhebliche Einsparpotenziale freigesetzt
werden. Der Nachteil war jedoch, dass sich
von nun an VW- und Audi-Modelle sehr ähnlich
sahen. Bald darauf wurde die Produktion des
Erfolgsmodells "Käfer"
aus Kostengründen nach Mexiko verlagert, wo
das Symbol des westdeutschen
"Wirtschaftswunders" bis 2003 gebaut wurde.
Der Übergang vom
VW Käfer zum VW Golf ist ein
Standardbeispiel für nicht durchgeführtes
Lebenszyklusmanagement
(Lifecycle-Management) eines Produktes und
die daraus resultierenden Folgen für ein
Unternehmen.
Im Jahre 1978 wurde unter dem Begriff V.A.G
eine gemeinsame Vetriebsplattform für Audi
und Volkswagen eingeführt. Die Händler
bekamen in Form eines umlaufenden blauen
Bandes ein einheitliches Erscheinungsbild.
Der mit Millionenaufwand eingeführte Name
V.A.G stand für "Volkswagen AG" und nicht -
wie vielleicht vermutet - für "VW Audi -
Gruppe". Die Begrifflichkeit "V.A.G -
Partner" setzt sich in der Öffentlichkeit
nicht durch und verschwand um 1992 leise
wieder.
Die 80er Jahre
Ab 1982 leitet Carl H. Hahn, Sohn eines
Mitbegründers der Auto-Union, die
Gesellschaft. Er wechselt 1993 in den
Aufsichtsrat des Unternehmens.
Im Jahre 1982 wird mit der chinesischen
SAIC-Gruppe ein Vertrag über die Produktion
des VW Santana in der Volksrepublik China
unterzeichnet. Die Produktion läuft 1988 an.
Die Einführung des VW Golf II bringt auch
den Beginn neuer Fertigungsmethoden mit sich
(z.B. Verwendung von Robotern).
Die Hauptversammlung beschließt 1985, das
Unternehmen von "Volkswagenwerk AG" in
"VOLKSWAGEN AG" umzubenennen.
Die 1990er Jahre
Im Jahre 1992 trennt sich VW von der
Bezeichnung V.A.G; die beiden Marken sollen
stattdessen ein profilierteres und
eigenständigeres Image bekommen.
Ferdinand Piëch - ein Porsche-Enkel -
übernimmt zum 1. Januar 1993 den Vorsitz im
Vorstand der Volkswagen AG.
Der 1995 vorgestellte VW Sharan ist der
erste erfolgreiche Versuch von VW, sich auch
im Markt der Nischenfahrzeuge zu etablieren
und am damals boomenden Markt der Vans zu
partizipieren. Dazu wird eine strategische
Allianz mit Ford geschlossen, die den Wagen
als Ford Galaxy anbieten. Der Sharan wird
ebenfalls bei Seat gefertigt, dort unter dem
Namen Alhambra. Produziert werden die
Fahrzeuge in Portugal.
Im Jahre 1998 präsentiert VW in den USA
den VW New Beetle. Das als sogenanntes
"Fun-Car" positionierte Fahrzeug wird mit
seiner markanten Karosserie im Retrodesign
auf dem US-Markt ein Erfolg.
Mit Einführung der Vier-Tage-Woche für
die Beschäftigten vom Volkswagen beschreiten
Vorstand (u.a. Peter Hartz), Betriebsrat und
IG Metall 1994 einen neuen Weg zur Standort-
und Beschäftigungssicherung.
Nach dem Übernahmepoker zwischen der
Volkswagen AG und
BMW um den britischen
Luxuswagenhersteller Rolls-Royce entscheiden
sich die Aktionäre des Mutterkonzern Vickers
am 5. Juni 1998 für das Angebot des
VW-Konzerns in Höhe von 1,3 Milliarden DM.
Am 28. Juli 1998 gibt VW die Namensrechte an
Rolls-Royce ab dem Jahr 2002 an
BMW ab, um
sich dann auf die Produktion des Luxuswagens
Bentley zu konzentrieren.
Im Jahre 1999 bringt VW mit dem Lupo 3L TDI
das erste Dreiliterauto auf den Markt. Dafür
erhält VW von den Umweltverbänden viel
Anerkennung. In Dresden legt Volkswagen im
gleichen Jahr den Grundstein für die
"Gläserne Manufaktur", in der heute der
Phaeton endmontiert wird.
Die 2000er Jahre
Der Volkswagen-Konzern eröffnet 2000 die in
Wolfsburg erbaute "Autostadt", ein
Dienstleistungs- und Kompetenzzentrum
kombiniert mit einem Freizeitpark. In der
AutoStadt können Kunden ihren Neuwagen
abholen, ein Automobilmuseum besuchen und
sich über die Produktpalette des Konzerns in
verschiedenen Markenpavillons informieren.
Das 2002 vorgestellte "Ein-Liter-Auto" erhob
Anspruch auf die Technologieführerschaft der
Volkswagen AG bei sparsamen Fahrzeugen. Aus
wirtschaftlichen Gründen konnte die
Konzeptstudie aber in der vorgestellten Form
nicht umgesetzt werden.
2004 geriet Volkswagen unter
wirtschaftlichen Druck. Der Konzern erlitt
im Geschäftsjahr 2003 einen Gewinneinbruch
von über 50 Prozent. Der Vorstand kündigte
eine umfassende Restrukturierung des
Unternehmens an, um in Zusammenarbeit mit
der Belegschaft die Kosten zu senken und die
deutschen Produktionsstandorte
wettbewerbsfähiger zu machen.
Als Gründe für die Unternehmenskrise gelten
vor allem die hohen Löhne und
Produktionskosten bei VW. Nach eigenen
Angaben hat VW elf Prozent höhere
Personalkosten als der Durchschnitt der
anderen deutschen Automobilproduzenten. Dies
führt zu vergleichsweise hohen
Fahrzeugpreisen. Zudem werden von Kritikern
die hohen Dividendenausschüttungen von ca.
336 Millionen Euro jährlich (durch 320,3
Mio. Stammaktien zu je einer Dividende von
1,05 Euro) an die Stammaktionäre, zu hohe
Managergehälter und Abfindungen für die
ihrer Meinung nach zu hohen Preise mit
verantwortlich gemacht. So würde allein die
Dividendenzahlung derzeit ca. 933 Euro
jährlichem Lohnverzicht für jeden der
343.000 Beschäftigten entsprechen oder
alternativ z. B. einer Preissenkung für
jedes der 5,1 Millionen im Jahr 2004
gefertigten Automobile von 65 ¤.
Die 2003 vorgestellte fünfte Generation des
Golf hatte 2004 mit Absatzschwierigkeiten zu
kämpfen. Der im Vergleich zum Golf IV
identische Einstiegspreis passte nicht zur
schlechten Konjunktursituation und der damit
verbundenen Kaufzurückhaltung der Menschen
in Deutschland. Zudem verstärkte sich 2004
der Preiskampf in der Automobilbranche
weiter. Um den Absatz steigern, entschied
sich der Konzern für eine in der
VW-Modellgeschichte einzigartige
Rabattaktion, die "Jubiläumsaktion 30 Jahre
Golf" genannt wurde. Alle Golf V-Käufer
erhielten die Klimaanlage bis zum September
2004 gratis dazu. Versteckte Rabatte durch
Überbewertung eines in Zahlung genommenen
Gebrauchtwagens sind hingegen bei Volkswagen
bis heute nicht üblich.
Im gleichen Jahr musste der Konzern einen
weiteren Fehler in seiner Produktpolitik
indirekt eingestehen. Es wurde angekündigt,
die freien Kapazitäten der Gläsernen Fabrik
künftig mit der Produktion des britischen
Bentley Continental Flying Spur auslasten zu
wollen. Der mit hohen Entwicklungskosten
verbundene Versuch, die Marke VW mit einem
Modell in der Oberklasse zu positionieren,
scheint gescheitert. Ob das Modell eine
Weiterentwicklung erfährt, ist noch offen.
Anfang des Jahres 2005 erwarb die Porsche AG
als größter Aktionär einen Anteil von ca. 21
% der Stammaktien der Volkswagen AG sowie
eine Option auf weitere 4 % der Anteile.
Im Frühjahr 2005 wurde die neue Generation
des Passat, dem zweitwichtigsten Modell der
Marke VW, vorgestellt. Die zweite wichtige
Neuerscheinung in diesem Jahr war der VW
Fox, der den Lupo ablöste und in Brasilien
gebaut wird. Die Verkaufszahlen des Passat
entsprachen den Erwartungen. Bei einigen
Modellen zeigten sich Qualitätsprobleme,
ausgelöst auch durch den weit verbreiteten
Einbau empfindlicher Elektronik.
Im Sommer 2005 erschütterte eine
Korruptionsaffäre den Konzern. Interne
Verfehlungen einzelner Mitarbeiter
(Luxusreisen und Bordellbesuche der
Betriebsräte auf Firmenkosten etc.) machen
Schlagzeilen. Das Modell des Zusammenwirkens
von Betriebsrat, Gewerkschaften, Vorstand
und Landesregierung im Aufsichtsrat des
Konzerns gerät daraufhin in öffentliche
Kritik. Das Rücktrittsgesuch des
VW-Personalchefs Dr. Peter Hartz, auch als
Namensgeber der Arbeitsmarktreform der
rot-grünen Bundesregierung bekannt, in
dessen Verantwortungsbereich die
Verfehlungen fallen, wird durch das
VW-Management angenommen.
Im September 2005 sind die Angestellten des
Volkswagenwerkes im brasilianischen Sao
Bernardo do Campo in einem unbefristeten
Streik getreten. Wie der Streikführer Valdir
Freire Dias mitteilte, fordern die
Angestellten eine höhere Gewinnbeteiligung
als bisher. In einer Vollversammlung hätten
sie daher für einen unbefristeten Ausstand
gestimmt. Rund 9000 der insgesamt 12.000
Beschäftigten des VW-Werkes im Großraum Sao
Paulo hätten sich an der Vollversammlung
beteiligt. Laut Dias verlangen die
Streikenden die Zahlung von 5.500 Real (rund
2.070 Euro) als Gewinnbeteiligung. Das
Unternehmen schlägt hingegen eine Summe von
4.700 Real (rund 1.770 Euro) vor. Das Werk
in Sao Bernardo do Campo ist das größte des
Volkswagenkonzerns in Brasilien.
Im Oktober 2006 legte Volkswagen den
Grundstein für ein neues Automobilwerk
Russland, in dem ein auf den russischen
Markt zugeschnittenes Modell gefertigt
werden soll.
Im November 2006 wurde überraschend ein
Wechsel an der Konzernspitze angekündigt.
Martin Winterkorn, bisheriger Chef von Audi,
wird zum Jahreswechsel 2006/07 den Posten
des Vorstandsvorsitzenden im
Volkswagen-Konzern vom bisherigen CEO Bernd
Pischetsrieder übernehmen, der den Konzern
verlässt. Winterkorn hat die VW-Tochter Audi
in wenigen Jahren zum dritterfolgreichsten
deutschen Automobilunternehmen gemacht, das
zwölf Quartale in Folge Rekordverkäufe und
-umsätze erreichte. Winterkorn steht vor der
Aufgabe die Kernmarke VW wieder profitabel
zu machen und sie insbesondere auf dem
Heimatmarkt Europa wieder in die Gewinnzone
zurückzuführen sowie den gesamten Konzern im
globalen Wettbewerb zu stärken. Die Gründe
für die Ablösung von Pischetsrieder liegen
bisher im Dunkeln. Als treibende Kraft wird
jedoch der Aufsichtsratsvorsitzende und
ehemalige CEO Ferdinand Piëch vermutet,
dessen Verhältnis zu Pischetsrieder sich in
der Vergangenheit merklich abgekühlt hatte,
weil dieser sich in seinen Entscheidungen
von Piëchs Vorstellungen mehr und mehr
emanzipierte. Der Zeitpunkt des Wechsels an
der Spitze gilt als unglücklich gewählt, da
sich die Volkswagen AG gerade in einer von
Pischetsrieder eingeleiteten Sanierungsphase
befindet.
Ebenfalls im November 2006 erhöhte die
Porsche AG ihren Anteil an VW auf 27,4 % und
hat diesen Anteil am 26. März 2007 auf 30,9%
ausgebaut. Damit ist Porsche mit Abstand
größter Anteilseigner vor dem Land
Niedersachsen mit 20,8 %. Porsche spricht
sich zudem gegen das VW-Gesetz aus und
beansprucht entsprechend seiner Anteile
Sitze im Aufsichtsrat.
Historische und soziale Verantwortung
Durch die Gründung im Dritten Reich, die
Beschäftigung von Zwangsarbeitern im Zweiten
Weltkrieg und durch den Großaktionär
Niedersachsen nimmt das Unternehmen
Volkswagen eine gewisse Sonderstellung im
deutschen Automobilbau ein, die sich vor
allem im Umgang mit der eigenen
Vergangenheit und im sozialen Engagement
niederschlägt.
Entschädigungsfonds
Da bei Volkswagen während des Naziregimes
auch Zwangsarbeiter eingesetzt wurden,
richtete Volkswagen am 7. Juli 1998 einen
privaten humanitären Fonds in Höhe von 20
Millionen DM ein, aus dem bis Ende 2001 über
2.000 Menschen in 26 Staaten eine
Entschädigung erhielten. Volkswagen war
damit einer der Vorreiter in der deutschen
Wirtschaft.
Im Werk Wolfsburg entsteht eine
"Erinnerungsstätte an die Zwangsarbeit auf
dem Gelände des Volkswagenwerkes".
Wolfsburg AG
Als 1998 die Arbeitslosigkeit rapide zu
wachsen begann, legte VW der Stadt Wolfsburg
ein Konzept vor, das eine
Zukunftsperspektive für den
Wirtschaftsstandort Wolfsburg aufzeigte.
1999 gründeten Stadt und VW das
Gemeinschaftsunternehmen Wolfsburg AG, eine
Public Private Partnership, die das Konzept
umsetzen sollte. Ihr Ziel ist es, die
Arbeitslosigkeit von etwa 18 % in der Region
zu halbieren und neue Wirtschaftsfelder zu
erschließen. Viele der späteren
Hartz-Reformen wurden in diesem Zusammenhang
entwickelt: Zeitarbeit, die PSA und der
Innovationscampus zur Neugründung von
Unternehmen.
Auto 5000 GmbH
Die Auto 5000 GmbH wurde im August 2001
gegründet und baut als Gesellschaft der
Volkswagen AG den erfolgreichen Kompakt-Van
Touran. Das Projekt wurde gegründet, um den
Standort Deutschland als Produktionsstätte
zu erhalten und Arbeitsplätze in der Region
zu schaffen. Heute sind 3500 direkte
Mitarbeiter bei der Auto 5000 GmbH
beschäftigt.
Volkswagen und die Politik
Als Konzern kann VW die Interessen seiner
Aktionäre und Gläubiger nicht direkt
politisch vertreten. Hohe Managergehälter,
Subventionen, Abschreibungen und sinkende
Kapitalsteuern werden, wie bei anderen
Großunternehmen, hin und wieder kritisiert.
Zur Wahrung seiner Interessen führte VW
daher angeblich bis zu 100 Politiker auf
seinen Gehaltslisten, darunter bis zu ein
Dutzend deutsche Bundes- und Landespolitiker
aller Parteien. Dies berichteten
Konzernkreise unter zunehmendem Druck der
Presse und der Medien im Zusammenhang mit
den RWE-Gehaltsaffären des Vorsitzenden der
CDU-Arbeitnehmerorganisation CDA,
Hermann-Josef Arentz und des ehemaligen
CDU-Generalsekretärs Laurenz Meyer. Der
Ex-VW-Vorstandsvorsitzende Bernd
Pischetsrieder hatte angekündigt, dass der
Automobil-Konzern im Januar 2005 eine Liste
von Mandatsträgern vorlegen will, die
europaweit für Volkswagen tätig geworden
sind. Der SPD-Bundestagsabgeordnete
Hans-Jürgen Uhl, sowie zwei niedersächsische
SPD-Landtagsabgeordnete, haben daraufhin
bereits freiwillig ihre verdeckte
Lobbyarbeit zugegeben, darunter der damalige
Wolfsburger Bürgermeister Ingolf Viereck.
Die Koalition will die Vorteilsannahme durch
Abgeordnete und Anspruchnahme selbiger unter
Strafe stellen. Der Grünen-Politiker
Hans-Christian Ströbele setzt sich dafür
ein, die Vorteilsannahme nicht daran zu
binden, ob der Abgeordnete Geld für eine
konkrete Entscheidung bekommen hat. Die
Bundesrepublik ist zu der Neuregelung
verpflichtet, weil sie zu den
Unterzeichnerstaaten der UN-Konvention gegen
Korruption gehört.
Situation heute
Nicht unumstritten ist die unter dem
ehemaligen Vorstandsvorsitzenden und
jetzigen Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand
Piëch Ende der 1990er Jahre begonnene
Neuausrichtung der Marke VW. Die Übernahme
und Integration der Luxusmarken Bentley,
Lamborghini und Bugatti belastete das
Konzernergebnis langfristig. Gleichzeitig
wurde auch VW selbst mehr in Richtung der
Nobelmarken
BMW und Mercedes-Benz
ausgerichtet. Die Fahrzeugklasse bis 10.000
¤ kann von VW wieder bedient werden, das
Einstiegsmodell Fox liegt unter dieser
psychologischen Preisschwelle.
Bei den wichtigen Volumenmodellen Golf und
Passat waren die Produktzyklen derart
ungeschickt geplant, dass diese in den
Jahren 2003 bis 2005 - im Rahmen eines
Modellfeuerwerks - durch ihre Nachfolger
ersetzt wurden. Auch der relativ späte
Einstieg in die boomenden Bereiche der
Kompaktvans und Sports Utility Vehicles
kostete VW Umsatz und Marktanteile.
Inzwischen ist VW mit den Modellen Golf
Plus, Caddy Life und Touran -MA/VAN 20 %(1)-
sowie dem Touareg -MA/Geländewagen 10 %(1)-
auch in diesen Segmenten sehr erfolgreich
vertreten. Mit dem in Brasilien produzierten
Fox -MA/Mini 13 %(1)- steht inzwischen auch
ein für ca. 9.000 ¤ erhältliches
Einstiegsmodell bereit. (1) KBA Januar-Juli
2005, Neuzulassungen nach Segmenten
Geschäftszahlen
Im Geschäftsjahr 2004 lieferte Volkswagen
0,9 Millionen Fahrzeuge in Deutschland aus,
was einem Marktanteil von 30,5% entspricht.
Auf dem Weltmarkt konnte sich VW 2004 mit
einem Anteil von 9,3 % behaupten.
Die Volkswagen AG beschäftigt über 8.000
Auszubildende - an 47 Fertigungsstätten in
11 Ländern Europas und in weiteren 7 Ländern
Amerikas, Asiens und Afrikas. Am Tag werden
mehr als 21.500 Fahrzeuge gebaut. In mehr
als 150 Staaten bietet Volkswagen seine
Fahrzeuge an.
Struktur, Marken, Tochtergesellschaften
Der Volkswagen-Konzern teilt sich in die
Bereiche PKW, Nutzfahrzeuge und
Finanzdienstleistungen auf. Folgende Firmen
und Marken sind in diesen Gruppen gebündelt:
PKW
- Audi
- Bentley
- Bugatti
- Lamborghini
- Seat
- ¦koda
- Volkswagen PKW
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Entstehungsgeschichten verschiedener
Automobilhersteller |
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