| 1909 ist ein
besonderes Jahr in der Geschichte von Benz &
Cie.: Das Unternehmen baut einen
Rekordwagen, der eins der faszinierendsten
Fahrzeuge der Automobilgeschichte werden
wird. Der „Blitzen-Benz“ durchbricht dank
seines gewaltigen Motors mit 200 PS aus 21,5
Liter Hubraum erstmals die damals magische
200-km/h-Marke. Damit ist er schneller als
jedes Flugzeug und die Eisenbahn und setzt
einen Rekord für Landfahrzeuge, der acht
Jahre ungeschlagen bleiben wird. Von
insgesamt sechs Wagen gibt es heute noch
zwei: Mercedes-Benz besitzt den einen
Blitzen-Benz, der andere ist in Händen eines
Sammlers in den USA. Dort hat im Jahr 2004
ein anderer Enthusiast der Marke als
Privatprojekt einen Nachbau fertig gestellt,
der mehrere Originalteile hat und in enger
Zusammenarbeit mit Mercedes-Benz Classic
entstand. |
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Blitzen-Benz von 1909 |
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Ein Auto verschiebt
Grenzen
Bereits die ersten Rekordfahrten des
modifizierten Benz 200 PS zeigen,
dass das Auto alle bis dahin
bekannten Grenzen verschieben wird.
Eine davon: Sämtliche europäischen
Rennstrecken sind für die mit dem
überstarken Wagen angepeilten
Geschwindigkeiten nicht geeignet.
Benz & Cie. weiß, dass es passende
Strecken auf der anderen Seite des
Atlantiks in den USA gibt, und rasch
steht fest, dass die Reise dorthin
gehen wird. Dem Geschäft wird es
nicht abträglich sein, wenn man dort
mit dem Rekordwagen reüssiert, denn
die Vereinigten Staaten sind ein
wichtiger Markt.
So wird der neu karossierte Wagen
nach einigen Probefahrten rund um
Mannheim im Januar 1910 nach Amerika
verschifft. Geplant ist, dass George
Robertson mit dem Auto gegen Ralph
de Palma antritt, der auf vielen
amerikanischen Rennstrecken Rekorde
hält. Doch es soll anders kommen.
Der Veranstaltungsmanager Ernie
Moross erfährt von der Ankunft des
Fahrzeugs beim Benz-Importeur Jesse
Froehlich in New York und handelt
mit ihm ein Tauschgeschäft aus: Er
gibt er seinen Grand-Prix Benz 150
PS in Zahlung, legt noch 6000 Dollar
drauf und wird Besitzer des
Rekordwagens. Dem geschickten
Geschäftsmann fällt auch gleich ein
werbewirksamer Name ein: Weil das
Auto schnell wie der Blitz
(Englisch: Lighthing) zu sein
scheint, nennt er ihn „Lightning
Benz“. Dieser Name wird auch
auflackiert.
| Sein Fahrer
Barney Oldfield tritt ohne spezielle
Vorbereitung am 17. März 1910 am Strand von
Daytona, Florida, USA zur Rekordjagd an, und
überliefert ist eine neue Spitzenmarke von
211,97 km/h. Doch die A.I.A.C.R.
(Association Internationale des Automobile
Clubs Reconnus), das höchste
Aufsichtsgremium des Automobilsports und
Vorläuferorganisation der heutigen
Fédération Internationale de l’Automobile
(FIA) erkennt den Rekord nicht an, weil der
Benz nicht – wie in den
Wettbewerbsbestimmungen festgelegt – die
Distanz auch in Gegenrichtung durchfährt und
das Mittel aus beiden Läufen den gültigen
Wert ergibt. |
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Blitzen-Benz von 1909 |
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Danach organisiert der rege
Moross in einer Art Wanderzirkus
zahlreiche Showveranstaltungen mit
dem „Lightning Benz“. Doch der Name
ist ihm schon bald nicht mehr
markant genug, und er ändert ihn um
in „Blitzen-Benz“ – vermutlich, weil
das den Auftritt des Autos deutscher
Provenienz noch verstärkt.
Zusätzlich wird auf die rechte Seite
der Motorhaube ein kleiner
Reichsadler lackiert.