|
|
| |
|
|
| |
|
|
| |
|
|
| |
|
|
| |
|
|
| |
| |
| 1870 verlobt
sich die zwanzigjährige Cäcilie Bertha
Ringer im Pforzheimer Geselligkeitsverein
„Eintracht“ mit dem knapp fünf Jahre älteren
Karl Friedrich Benz. Sie ahnt nicht, dass
sie im Leben dieses Mannes und in der
Geschichte des noch nicht existenten
Automobils einmal eine epochale Rolle
spielen wird. Außergewöhnlich nicht nur für
die damalige Zeit war die Tatkraft und
Entscheidungsfreude dieser jungen Frau, aber
auch die Zielstrebigkeit, mit der sie sich
der Sorgen und Nöte ihres Verlobten annimmt.
Als dieser 1871 „seine“ Firma „Carl Benz und
August Ritter, Mechanische Werkstätte“ in
Mannheim wegen der Unzuverlässigkeit seines
Partners Ritter nach wenigen Monaten fast
schon wieder aufgeben muss, gibt Bertha
Ringer die von ihrem vermögenden Vater
vorzeitig erbetene Mitgift, damit Karl Benz
Ritter auszahlen kann. Die Firma heißt
fortan „Eisengießerei und mechanische
Werkstätte“. |
|

Jugendbildnis von Bertha
Benz, geb. Ringer
(1849-1944) |
|
Bertha kämpft für die Zukunft
Im Juli 1872 heiraten
Karl Benz und Bertha Ringer
und ziehen nach Mannheim. 1873 erblickt der Sohn
Eugen das Licht der Welt, 1874 Richard. 1877
verstärkt Tochter Clara die Kinderschar, 1882 folgt
Tochter Tilde.
Dass Karl Benz nicht unbedingt eine glückliche Hand
mit seinen Geschäften hat, zeigt sich erneut, als
seine „Mechanische Werkstätte“ 1877 an den Rand
einer Zwangsversteigerung gerät. Wieder ist es
Bertha, die das Schlimmste verhindert, sein
Selbstvertrauen stärkt und ihn dazu bringt, der Zeit
entsprechend, sich gezielt auf die Produktion der
sehr gefragten stationären Gasmotoren zu verlegen.
Mit diesen Motoren hat Benz endlich Erfolg, und so
kann er daran gehen, sich seinen Lebenstraum zu
erfüllen: Die Entwicklung eines selbstfahrenden
Wagens samt Motor, der allerdings ein Zweitakter
sein muss. Einem Viertakter steht das
Viertakt-Patent von Nikolaus August Otto aus dem
Jahre 1877 im Wege.
Karl Benz gesteht in seinen Erinnerungen an diese
schwere Zeit: „Nur ein Mensch harrte in diesen
Tagen, wo es dem Untergang entgegen ging, neben mir
im Lebensschifflein aus. Das war meine Frau. Tapfer
und mutig hisste sie neue Segel der Hoffnung auf.“
Der „embryonale Zweitakter“, wie ihn Karl Benz
tauft, springt, nach vielen Mühen, Enttäuschungen
und Entbehrungen, endlich in der Sylvesternacht 1879
zum wiederholten Male an – und läuft erstmals
gleichmäßig weiter. Für Bertha und Karl ein Geschenk
des Himmels: „Je länger er singt, desto mehr zaubert
er die drückend harten Sorgen vom Herzen“, so ein
Ausspruch von Carl Benz in jener schicksalhaften
Nacht. Der Zweitakter ist jedoch zu groß und zu
schwer, um in einem Fahrzeug nach den Vorstellungen
von Benz Platz zu finden.
Benz Patent-Motorwagen
Ein
Viertakter wäre – und ist letztlich
die Lösung, denn Ottos
Viertaktpatent gerät mehr und mehr
in die Kritik. Bereits 1884 macht
ein Vorbescheid des Reichsgerichtes
eine Entscheidung gegen das Patent
wahrscheinlich. Im Januar 1886 wird
es vom Reichsgericht endgültig
kassiert.
Der öffentlichen Vorstellung des
„Benz Patent-Motorwagens Modell 1“,
der bereits 1885 auf seinen drei
Rädern stand, steht nun nichts mehr
im Wege. Das berühmte Patent Nummer
37435 für das „Fahrzeug mit
Gasmotorenbetrieb“ vom 29. Januar
1886 gilt als die eigentliche
Geburtsurkunde des Automobils.
Im Juli 1886 berichtet die
Mannheimer Zeitung sehr positiv über
eine erste öffentliche Ausfahrt des
Benz Patent Motorwagens, den der
Berichterstatter, mangels eines
anderen Ausdruckes und wohl in
Anlehnung an die filigranen
Speichenräder, noch unter
„Velociped“ einordnet, wenn auch in
weiser Voraussicht schon als ein
zukunftsträchtiges, weil
motorisiert. |
|
|
Der Anfang ist gemacht
Über die erste Ausfahrt freut sich auch
Berthas Vater, von ihr mit den Worten
kommentiert: „Der Vater hat sich so unbändig
gefreut; endlich war unser Ziel erreicht“.
Der erste Schritt ist also getan. Viel
Arbeit liegt noch zwischen diesem Beginn und
dem Aufschwung der Firma zur zeitweilig
größten Automobilfabrik der Welt.
Karl Benz arbeitet weiter an seiner
Erfindung und baut in der Folgezeit zwei
weitere Versionen seines Motorwagens,
ständig auf der Suche nach Verbesserungen.
Ausgedehnte Versuchsfahrten führen ihn bis
nach Weinheim an den Rand des Odenwaldes,
zwanzig Kilometer weit entfernt von
Mannheim. Das Publikum reagiert auf das
knatternde Gefährt mit allen Nuancen
zwischen Entsetzen und Begeisterung.
Missgünstige Zeitgenossen erstatten sogar
Anzeige, es gibt diverse
Fahreinschränkungen, und Benz selber traut
seiner Sache auch nicht so recht.
Das ereignisreiche Jahr 1888
Das Jahr 1888 geht in die deutsche
Geschichte ein als das „Drei-Kaiser-Jahr“.
Heinrich Hertz gelingt die Erzeugung und der
Nachweis elektromagnetischer Wellen,
Fridtjof Nansen durchquert Grönland auf
Skiern, die Europäische Bahnverbindung nach
Konstantinopel wird vollendet, und in
Barcelona, Melbourne, Moskau und Sydney
finden Weltausstellungen statt.
Benz zeigt sich in diesem Jahr zusehends
mutlos, denn ein kommerzieller Erfolg mit
seinen
Motorwagen will sich nicht
einstellen. Bertha Benz richtet auch in
dieser neuerlich schwierigen Phase ihres
Lebens den Blick nach vorn. Sie bestärkt
ihren Mann, unterstützt von Freunden, sich
mit dem neuesten Gefährt, dem
Patent-Motorwagen Modell 3, an der „Kraft-
und Arbeitsmaschinenausstellung“ in München
zu beteiligen.
Die „Probefahrt“
Die erste Fernfahrt der Welt mit einem
Automobil, nur zwei Jahre nach dessen
Erfindung, bereichert die Chronik
zusätzlich. Idee und Ausführung: Bertha
Benz.
Bertha will also mit einem Wagen gleichen
Typs – es gab schon mehrere Exemplare – eine
ausgedehnte Probefahrt absolvieren, um ihrem
Mann Mut zu machen, ihm die Tauglichkeit und
Zukunftsfähigkeit seiner Erfindung zu
beweisen – allerdings ohne ihn vorher
darüber zu informieren.
Das Ziel der Fahrt hat sie auch schon im
Visier: Nach Pforzheim, zu ihrer Mutter, der
sie schon seit längerem einen Besuch
versprochen hat. Außerdem war da noch die
Sache mit den schwer arbeitenden Zugpferden,
mit denen Berthas Mutter immer Mitleid
hatte, und der Bertha nun beweisen wollte,
dass die Zeit nahe ist, die armen Tiere mit
Hilfe der Motorkraft von ihren Leiden zu
erlösen.
Heimlich, still und leise
Anfang August, mit Beginn der Schulferien,
ist es soweit. Da Bertha keine Ahnung vom
Lenken und Fahren des Motorwagens hat, weiht
sie ihre Söhne Eugen und Richard - 15 und 14
Jahre alt – in den Plan ein, denn die Buben
können mit dem Wagen umgehen. Mutter und
Söhne gehen vorsichtig zu Werke. Das Gefährt
wird leise aus der Werkstatt geschoben und
erst in sicherer Entfernung vom Haus
angelassen – durch Drehen der waagerecht
liegenden Schwungscheibe.
Auf dem Küchentisch im Haus liegt ein Zettel
für den noch schlafenden
Karl mit dem
knappen Hinweis „Wir sind zur Oma nach
Pforzheim gefahren“. Daraus könnte er
immerhin entnehmen, das seine Lieben mit dem
Zug unterwegs sind. Kein Wort von der
„Probefahrt“. ...
|
|
|
|
|
|
|
| |
|
|
|
|
| |
|
|
|
|