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Bentley - britisch Noblesse ohne Doppel R

 
BentleyBentley Motors Ltd. wurde 1919 von Walter Owen Bentley gegründet, der damals erst 31-jährig bereits umfangreiche Erfahrungen mit Maschinen und Motoren aller Art gesammelt hatte. Aus einer wohlhabenden Londoner Familie stammend, verschrieb er sich in seiner Jugend dem Motorrad, machte eine Ausbildung in einem Lokomotivenwerk und gründete mit seinem Bruder einen Handel für französische Automobile.
Nach dem 1. Weltkrieg erneut die Selbständigkeit mit dem Traum, den ersten echten Sportwagen des Empires zu bauen. Noch im selben Jahr stellte er zusammen mit F.T. Burgess und Harry Varley den Bentley 3L fertig und auf der Londoner Automobilausstellung vor. Bentleys Ziel war klar: Geschwindigkeit. So gelang es ihm gleich mit dem ersten Wagen, die für die damalige Zeit magische Geschwindigkeit von 100 Meilen pro Stunde zu erreichen. 1926 folgte mit dem Bentley 6 1/2l ein Sechszylinder, der in seiner Sportversion als Speed Six berühmt wurde.

Doch das Verlangen nach immer größeren und schnelleren Prestige-Autos wurde Bentley zum Verhängnis, weil eben diese auch immer teurer wurden. So passierte es Bentley, der mitten in der Weltwirtschaftskrise mit dem Bentley 8l seinen bis dahin wohl elegantsten Wagen vorstellte, dass er nicht bemerkte, dass es für seine Luxuskarossen keine Käufer mehr gab. Obwohl er dennoch zum finanziell erfolgreichsten Bentley bis zu diesem Zeitpunkt wurde, musste Bentley 1931 Konkurs anmelden, als sein Investor auf Grund der Weltwirtschaftskrise absprang.

Wie zum Beweis des Spruchs „schlimmer geht´s immer“ fiel die Marke Bentley nun auch noch in die Hände des direkten Konkurrenten Rolls Royce, die verhindern wollten, das Bentley sonst von dem Flugmotorenhersteller Napier & Son übernommen worden und ein ernstzunehmender Wettbewerber geblieben wäre.
Somit wurde die Fertigung nach Derby verlegt, wo zwei neue auf Rolls Royce-Technik basierende Modelle entstanden. Der Bentley 3 1/2l und der Bentley 4 1/4l setzten nun also die Geschichte der eleganten Sportwagen fort, allerdings ohne ihren Ziehvater. Walter Owen Bentley brachte es nicht über´s Herz, für seinen ehemaligen Erzfeind zu arbeiten und entschied sich stattdessen, für Lagonda Autos zu konstruieren und somit seiner eigenen Marke Konkurrenz zu machen. Kurz vor dem 2. Weltkrieg begann man darauf in der Bentley-Schmiede mit der Entwicklung des Mark V, der jedoch nie serienmäßig produziert und von dem es nur 19 Prototypen gibt.

Nach dem Krieg zogen Rolls Royce und Bentley nach Crewe um, wo zuerst die in vielen Bereichen baugleichen Modelle Rolls-Royce Silver Wraith und Bentley Mark VI entstanden. An dem Nachfolger, dem Bentley R-Type, hätte der gute W.O. Bentley seine Freude gehabt, wäre er 1952 bei dessen Einführung nicht längst unfreiwillig aus seinem Unternehmen ausgeschieden. Der Coupé-Ableger des normalen Serienfahrzeugs, die Continental-Variante, die ihren Namen den höheren auf den kontinentaleuropäische Autobahnen erlaubten Geschwindigkeiten verdankt, machte als schnellster viersitziger Sportwagen seinem Namen alle Ehre. Von diesem Modell wurden allerdings nur 208 Exemplare verkauft, so dass er zum echten Sammlerstück wurde. Ab 1955 löste der S-Type den R-Type ab, der ab 1959 als S2 genannte Weiterentwicklung mit V8-Motor und ab 1962 als S3 mit Doppelscheinwerfern verkauft wurde.

Die Ähnlichkeiten der Schwestermodelle von Rolls Royce und Bentley nahmen weiter zu, worunter die Verkaufszahlen der Bentley-Varianten litten. Bentley verlor trotz technischer und optischer Neuerungen an Marktanteilen. Lediglich 7% der Nobelwagen wurden noch als Bentley verkauf und als Walter Owen Bentley 1971 starb, hätte er seine alte Marke fast mit ins Grab nehmen können. In den 80er Jahren erholte sich Bentley. Die Konstrukteure der Traditionsmarke besannen sich auf den sportlichen Charakter der Ur-Bentleys zurück und brachten 1982 mit dem Bentley Mulsanne Turbo und 1985 mit dem Bentley Turbo R zwei Modelle auf den Markt, die wieder das Interesse jüngerer Käufer weckten. Die Wende war geschafft und 1990 übertraf Bentley wieder die Verkaufszahlen von Rolls Royce.

1998 gelang es VW dann, den Doppelkonzern Rolls Royce/ Bentley vom Mutterkonzern Vickers zu kaufen, hatte dabei aber leider übersehen, dass die Namensrechte an Rolls Royce dem eigenständigen Flugzeugtriebwerkhersteller Rolls-Royce plc. gehörten, der diese an BMW verkaufte. Somit gehörte zwar Bentley und das Werk in Crewe zu VW, nicht aber Rolls Royce. Es kam zu einem Deal zwischen VW und BMW, der besagte, dass VW bis Ende 2002 auch Rolls Royce mit BMW-Motoren herstellen durfte, und BMW sich danach ein eigenes Werk aufbaut. Für Bentley hatte das den positiven Effekt, dass, nun nicht mehr von Rolls-Royce abhängig, wieder im Motorsport aktiv werden konnten. Bereits 2003 gelang es Bentley wieder mit Unterstützung des VW-Partners Audi die 24-Stunden von Le Mans nach den Erfolgen in den 30er Jahren zum sechsten Mal zu gewinnen.

Die momentane Produktpalette umfasst mit den Modellen Armage und Continental Flying Spur zwei Limousinen, sowie die Cabrios Azure II und GTC und das Coupé Continental GT. Dabei ist der Bentley Continental Flying Spur, eine Neuentwicklung unter VW, ein neuer Meilenstein in der Autohistorie der Briten und hätte mit seinen 300km/h sicher auch seinen Namensgeber W. O. Bentley entzückt.
 
 
 
 
 
 
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