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Die Geschichte von Gottlieb Daimler & Wilhelm Maybach 

Gottlieb Daimler
Gottlieb Daimler
Reutlingen im Sommer 1865: Der Ingenieur Gottlieb Daimler,
31 Jahre alt, leitet die Werkstätten der Maschinenfabrik des „Bruderhauses“, eine soziale Einrichtung mit angeschlossener Produktion, aufgebaut und betrieben von und für Waisen und Obdachlose. Unter den jungen Erwachsenen dort fällt ihm ein 19-Jähriger auf, der mit zeichnerischem Talent glänzt und im hauseigenen Konstruktionsbüro unablässig Entwürfe ausarbeitet: Maschinen für die Papierherstellung, Waagen, nebenher die verschiedensten Ackergeräte. Sein Name: Wilhelm Maybach.

 

Die Chemie zwischen den beiden Männern stimmt: Der jüngere Maybach, seit seinem zehnten Lebensjahr durch tragische Umstände Vollwaise, sieht in dem weit gereisten und welterfahrenen Daimler einen väterlichen Förderer. Der ältere wiederum erkennt auf Anhieb Maybachs Potenzial als Konstrukteur. Dies ist der Beginn einer langjährigen Zusammenarbeit.

Wilhelm Maybach
Wilhelm Maybach
Doch Gottlieb Daimler, der beruflich weiterkommen will, hegt Abwanderungsgedanken. Ende 1868 wechselt er vom „Bruderhaus“ zur Maschinenbau-Gesellschaft nach Karlsruhe, die unter anderem schwere Lokomotiven herstellt. Maybach folgt ihm ein knappes Jahr später als technischer Zeichner. Gemeinsam denken die beiden in endlosen Nachtsitzungen über die Entwicklung von Motoren nach - Motoren für Pumpen, zur Holzbearbeitung oder zum Stanzen von Blechen. Denn beiden ist klar: Nur kräftige, ausdauernde Antriebe werden in der Lage sein, industrielle Arbeitsschritte zu beschleunigen und damit eine rationelle Fertigung zu gewährleisten.

Im Jahre 1872 kommt die Kunde aus Deutz bei Köln: Die dortige Gasmotoren-Fabrik sucht einen technischen Leiter. Gottlieb Daimler nutzt die Chance -- für sich und für Wilhelm Maybach. Beide ziehen um ins Rheinland. Einer der Firmengründer in Deutz ist Nikolaus August Otto, der mit „atmosphärischen Gasmotoren“ auf sich aufmerksam gemacht hatte und 1876 den Viertaktmotor erfindet. Maybach bekommt den Auftrag, diesen Motor konstruktiv zu verbessern und serienreif zu machen. Er hat Erfolg: Der laufruhige „Otto Silent“ erhält am 4. August 1877 das Reichspatent mit der Nummer DRP 532.

 

Ein Gartenhaus als Entwicklungslabor

Motorkutsche Gartenhaus
Innenaufnahme der Werkstatt von Daimler und
Maybach im Cannstatter Gartenhaus, die noch
heute besichtigt werden kann
Obwohl geschäftlich eigentlich alles zum Besten steht, tragen Otto und Daimler ihre Animositäten immer öfter auch öffentlich aus. 1882 kehrt Daimler nach Süddeutschland zurück. Er ist mittlerweile 48 Jahre alt, als er in Cannstatt, einer damals noch selbstständigen Gemeinde nahe Stuttgart, ein großzügiges Gelände kauft. Zum Wohnhaus gehört ein kleines Nebengebäude mit lichtdurchfluteten Glasfronten. Hier installiert er eine Werkstatt und stellt sogleich seinen langjährigen Weggefährten Wilhelm Maybach als „Chefkonstrukteur“ eines Zwei-Mann-Betriebes ein. Das Ziel ist klar: dem Viertaktmotor auf die Sprünge zu helfen. Als Kraftstoff soll Benzin dienen, das bis dato hauptsächlich als Fleckenentferner bekannt und nur in Apotheken erhältlich ist. Die beiden tüfteln Tage und Nächte.
Mit Erfolg: Ende 1883 erzielen sie den Durchbruch und bringen einen im Vergleich zu den Motoren aus Deutz weitaus leichteren Einzylinder-Viertakter mit liegendem Zylinder zum Laufen.

Er erreicht 1884 die damals sensationelle Drehzahl von 600/min.

Möglich wird dies durch die von Daimler und Maybach entwickelte Kurvennutensteuerung und das ebenso neuartige Zündverfahren, die so genannte Glührohrzündung.

In seiner Patentschrift 28022 vom 16. Dezember 1883 hatte Gottlieb Daimler diese Zündung so beschrieben, dass ein „metallener Zündhut, dessen Inneres in fortwährend offener Verbindung mit dem Verbrennungsraum ist“, die Entzündung des Kraftstoff-Luft-Gemischs auslöst.

Noch im Jahre 1884 folgt der erste schnelllaufende Motor mit stehendem Zylinder, der dank Maybachs Schwimmervergaser mit Benzin betrieben werden kann. Wegen seiner typischen Gestalt mit dem stehenden Zylinder geht der erste Versuchsmotor dieser Art als „Standuhr“ in die Technikgeschichte ein. Bei 600/min entwickelt er rund ein PS und ist so kompakt, dass er nach den Vorstellungen seiner Erfinder in Boote, Feuerwehrspritzen, Schlitten und Kutschen eingebaut werden kann.

 

Testfahrt auf dem „Petroleum-Reitwagen“

Doch Daimler und Maybach setzen zunächst auf zweirädrige motorisierte Fortbewegung: 1885 tuckert eine „Standuhr“ mit 0,264 Liter Hubraum erstmals in einem Zweirad mit „Anordnung eines Gas- bzw. Petroleummotors unter dem Sitz und zwischen den beiden Fahrzeugachsen eines einspurigen Fahrgestells“, wie es in der Patentschrift vom 29. August 1885 heißt.

Petroleum-Reitwagen
Petroleum-Reitwagen mit "Standuhr"
aus dem Jahre 1885
Drei Monate später probiert Maybach den so genannten „Reitwagen“ auf der drei Kilometer langen Strecke zwischen Cannstatt und Untertürkheim aus - problemlos bei einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu zwölf km/h.

Das Gartenhaus ist längst zu klein geworden, als Gottlieb Daimler 1887 in Cannstatt auf dem Seelberg ein großes Grundstück erwirbt und dort Werkstätten für die Motorenproduktion einrichtet. Die bewährte Arbeitsteilung: Maybach entwickelt, Daimler knüpft die Kontakte und verkauft. Auf dem Seelberg arbeiten 23 Fachleute für die Firma. Hier entwickelt Maybach einen wassergekühlten Zweizylinder als Nachfolger der legendären „Standuhr“, die sich als zu schwach für die geplanten Einsätze auf vier Rädern erweist. Im Jahre 1889 wird der neue V-Motor in dem von Maybach konstruierten „Stahlradwagen“ auf der Weltausstellung in Paris vorgeführt. Das Echo ist riesig. Daraufhin gehen Lizenzen zum Motorenbau nach Frankreich, wo die Antriebsaggregate erfolgreich und in rasch wachsender Anzahl in Autos eingebaut werden; ein Signal auch für Daimler und Maybach, sich verstärkt dem Automobilbau zuzuwenden.

Um Kapital für die notwendige Expansion zu beschaffen, wird - unter Beteiligung verschiedener Industrieller - am 28. November 1890 die Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG) gegründet. Aber bald zeigt sich, dass Gottlieb Daimler nicht auf Dauer mit den Finanziers, den Verwaltungsmenschen und mit den Bedenkenträgern der Firmenleitung zusammenarbeiten kann, die zudem statt Autos hauptsächlich stationäre Motoren herstellen wollen.

 

Wegweisende Erfindungen aus dem ehemaligen Kurhotel

Als sein Einfluss merklich sinkt, findet er einen Ausweg: Wilhelm Maybach, der wegen vertraglicher Probleme bereits 1891 aus der DMG ausgeschieden war, erhält den Auftrag, unter strengster Geheimhaltung in Cannstatt - im Tanzsaal des ehemaligen Hotels Hermann - weiterzuforschen. Er hat freie Hand, dazu zwölf Arbeiter und fünf Lehrlinge. Schon kurze Zeit später bringt der geniale Konstrukteur den Phönix-Motor mit zwei stehend angeordneten, zu einem Block gegossenen Zylindern hervor. Ein weiterer Meilenstein dieses Motors ist der Spritzdüsenvergaser, der Urvater aller späteren Vergaser. Schließlich konstruiert Maybach den berühmten viersitzigen „Riemenwagen“, von dem bis 1899 immerhin 150 Exemplare hergestellt werden.
Unterdessen - nach dem Ausscheiden Maybachs - gehen die Geschäfte der Daimler-Motoren-Gesellschaft schlecht. Man muss Kredite aufnehmen, die man nicht zurückzahlen kann. Der Konkurs droht. Mit einer Abfindung von 66 666 Mark verlässt Gottlieb Daimler am 10. Oktober 1894 seine Firma, kehrt jedoch bereits ein Jahr später zusammen mit Wilhelm Maybach als technischem Direktor wieder zurück. Das hatte der Engländer Frederick Richard Simms durchgesetzt, als er die Lizenzrechte des Phönix-Motors für die horrende Summe von 350 000 Mark erwarb und die DMG damit vor dem Ruin rettete.

Ein Umdenken beginnt. Endlich erkennen auch die anderen Mitglieder der Firmenleitung die großen Zukunftschancen des Automobils. „Die Fabrikation der Straßenfahrzeuge ist mit allen Mitteln zu fördern, da aufgrund der neuerlichen Erfolge ... die Nachfrage immer mehr zunimmt“, heißt es im Geschäftsbericht des Jahres 1895, der damit eindeutig die Handschrift des Firmengründers Gottlieb Daimler trägt. ....

 

Premiere für neuen Leichtbau-Vierzylinder

Die folgenden Jahre bringen dank Maybachs Erfindungen den wirtschaftlichen Aufschwung: 1897 entwickelt er den Röhrchenkühler - eine wichtige Voraussetzung, um die Kühlung zu verbessern und damit die Leistungsausbeute der Motoren zu steigern -, konstruiert den Phönix-Wagen mit vorn eingebautem Antriebsaggregat und bringt 1898 eine neue Generation von Vierzylindermotoren in Leichtbauweise zum Laufen, die dank der von Robert Bosch erfundenen Magnet-Abreißzündung bis zu 23 PS leisten. Auch das Viergang-Zahnradgetriebe und ein 23 PS starker Rennwagen - als Topmodell des Typenprogramms - sorgen für Anerkennung. Der Umsatz der DMG verdoppelt sich zwischen 1898 und 1900 auf 1,6 Millionen Mark.

Als Gottlieb Daimler am 6. März 1900 im Alter von fast 66 Jahren stirbt, geht eine Ära zu Ende. Während einer 35-jährigen engen Zusammenarbeit hatten sich Daimler und Maybach stets ideal und fruchtbar ergänzt: Daimler war der Ideengeber, der Visionär; Maybach der geniale Konstrukteur, der Daimlers Visionen realisierte und konstruktiv ausführte.

 

Impulse für das erste richtige Automobil

Maybach bleibt als Chefkonstrukteur bei der DMG, deren Schicksal in den folgenden Monaten vor allem von zwei Namen entscheidend beeinflusst wird: Emil Jellinek und Mercédès.
Jellinek, der Daimler-Modelle erfolgreich an der südfranzösischen Côte d’Azur verkauft, sagt den Stuttgarter Autobauern unverblümt, was ihm an diesen Fahrzeugen missfällt: „Zu hochbeinig“ seien sie, „zu kurz der Radstand, ergo zu kippelig“. Maybach versteht - und entwickelt. Seine folgende Neukonstruktion, die den Namen von Jellineks Tochter Mercedes trägt, und welche die endgültige Abkehr vom Kutschenzeitalter bedeutet, stellt für die Automobilhistoriker das „erste richtige Auto“ dar. Fortan nennen ihn die Franzosen respektvoll „Roi des constructeurs“ - König der Konstrukteure.
Doch die Freude währt nicht lange. Die harte Arbeit, schwere seelische Belastungen wie der Tod von Gottlieb Daimler und die Intrigen innerhalb der DMG hinterlassen ihre Spuren: Im Herbst 1903 erkrankt der 57-jährige Maybach schwer und wird zur Kur nach Norditalien und in die Schweiz geschickt. Allmählich verblasst sein Einfluss in der Unternehmensführung - am 1. April 1907 verlässt er die DMG nach anhaltenden Differenzen endgültig, um gemeinsam mit seinem Sohn Karl eine neue Zukunft in der damals noch jungen Luftschifffahrt zu finden.

Am 29. Dezember 1929 stirbt Wilhelm Maybach im Alter von 83 Jahren und wird in Cannstatt beigesetzt - in unmittelbarer Nähe des Grabes seines langjährigen Weggefährten Gottlieb Daimler.

 

Fotos: © Daimler

 

 

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