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Erstes Höhenflugtriebwerk der Welt

Die Mahnungen des Lehrmeisters fallen auf fruchtbaren Boden. Ab April 1916 konstruiert Karl Maybach das erste Höhenflugtriebwerk der Welt, den Motor Typ „Mb IVa“. In Bodennähe gedrosselt, entwickelt er erst in der Höhe seine volle Leistung und gleicht damit den Leistungsverlust durch den geringeren Luftdruck aus. Die Militärbehörden zeigen sich skeptisch. Da lässt Karl Maybach kurzerhand im Frühjahr 1917 auf dem 1840 Meter hohen Wendelstein in den bayerischen Alpen einen Motorenprüfstand aufbauen und beweist im praktischen Versuch die Überlegenheit seines Motors.

Das Ende des Ersten Weltkriegs beendet dennoch alle hochfliegenden Pläne: Der Versailler Vertrag verbietet es, in Deutschland Flugzeuge, Fluggerät und auch Flugmotoren zu bauen. Karl Maybach hatte dies bereits 1918 geahnt und als Firmenchef rasch gehandelt. Später erklärt er seinem Vater per Brief das Dilemma: „Wir waren gezwungen, neue Gebiete für unsere Fabrik zu erschließen, wenn man die Fabrikation in Friedrichshafen nicht ganz aufgeben wollte.“

 

Rückkehr zur Automobiltechnik

So widmet sich Karl Maybach wieder dem Automobil. Schließlich gibt es auch auf diesem Gebiet noch viel zu tun: Anfang der Zwanzigerjahre waren in Deutschland lediglich rund 200 000 Personenwagen und Nutzfahrzeuge sowie etwa 100 000 Motorräder zugelassen. Und da ein Automobilmotor seinerzeit für Maybach der Ausgangspunkt für Entwicklung eines Luftschiffmotors war, soll es diesmal auch umgekehrt funktionieren. Sein Ziel: „Die Durchbildung eines erstklassigen Benzinfahrzeugs für alle möglichen Zwecke.“

Um das erste Exemplar praktisch zu erproben, entsteht 1919 der Typ W 1 - ein Versuchswagen auf Basis eines viersitzigen Mercedes-Chassis. Nach den ersten Tests entwickelt Maybach den Fahrzeugmotor W 2 mit sechs Zylindern und 95 Millimeter Bohrung bei 135 Millimeter Hub. Er leistet 70 PS bei 2200/min.

 

Premiere auf der Automobilausstellung 1921

Gedacht und in 1000 Exemplaren bestellt wurde der Typ W 2 für das holländische Luxusmodell Spyker 30/40 der Automobil- und Flugzeugfabrik Trompenburg. Allerdings geraten die Niederländer in finanzielle Schwierigkeiten und können nur einen Teil ihrer Bestellung abnehmen.

Typ W 3
Karl Maybach (2. von rechts) vor einem Typ W 3
und der Produktionshalle der
Maybach-Motorenbau GmbH (1924/25)
Das zwingt Karl Maybach, eine andere Lösung zu suchen: Er baut eigene Automobile, um die nicht verkauften W 2-Motoren zu verwenden. Das Ergebnis ist der Typ W 3 (22/70 PS), der auf der Automobilausstellung des Jahres 1921 in Berlin Premiere feiert und viel Applaus bekommt. Er begründet den Ruf Maybachs als Luxusmarke, die alle technischen Möglichkeiten ausschöpft.

Das ist Maybachs Ziel, denn von Anfang an stellt er klar, dass er nie die Absicht hatte, einen „Volkswagen“ zu bauen. Das macht er anlässlich der Berliner Automobilausstellung deutlich: „Als vor der großen Ausstellung des Verbandes der deutschen Motorfahrzeuge-Industrie im Jahre 1921 einige Mitglieder des Vorstandes mich spöttisch fragten, ob Maybach den billigsten Wagen bringen werde, waren sie betroffen, als ich antwortete: Nein, den teuersten!“

Die Erfolge nach dem Auftritt der jungen Automarke auf der Berliner Ausstellung ermutigen das Team in Friedrichshafen: Ende 1926 präsentiert Maybach den Typ W 5 mit einem Sechszylinder-Reihenmotor, der aus 6992 Kubikzentimeter Hubraum beachtliche 120 PS Leistung entwickelt. Später liefert man diesen Wagen auch mit einem raffinierten Schnellganggetriebe (Typ W 5 SG).

 

Handwerkliche Maßarbeit bis ins Detail

Maybachs Überführungsfahrzeuge
Als Automobilkonstrukteur fasziniert Karl Maybach die pure Technik - vor allem die stetige Weiterentwicklung der ebenso kraftvollen wie laufruhigen und langlebigen Motoren, die Erfindung neuartiger Getriebe mit besonderem Bedienkomfort sowie die Optimierung der Fahrwerke. Das wissen die anspruchsvollen Kunden zu schätzen, wenn sie in Friedrichshafen das komplett montierte, fahrfertige Fahrgestell mit Rahmen, Fahrwerk, Motor, Getriebe, Kühler, Spritzwand und der sonstigen Aggregate ihres Maybach ordern. Für den Aufbau individueller Karosserien arbeiten Karl Maybach und seine Mitarbeiter nur mit den besten Spezialfirmen zusammen, die sich ganz den
Ansprüchen ihrer Kunden anpassen. Ausstattung und Gestaltung bestimmen dabei stets die individuellen Wünsche des Käufers und erlauben somit einen ganz persönlichen Stil des Besitzers. Technische Qualität, individuelles Design und handwerkliche Perfektion, das sind stets die herausragenden Attribute der unvergleichlichen Maybach-Automobile. Jeder der Karosseriebauer ergänzt die herausragende Technik des Fahrwerks und der Motoren durch eine äußerst hochwertige Ausstattung der in liebevoller Handarbeit gefertigten Aufbauten. Dabei hat die exklusive Kundschaft nahezu alle Möglichkeiten, ihren Wagen nach persönlichen Ansprüchen und Vorlieben „karossieren“ zu lassen - die Grenzen des Machbaren werden im Prinzip nur durch die Fantasie oder die Finanzkraft des Auftraggebers gesetzt.

So entstehen automobile Kunstwerke, Unikate von höchster Eleganz: stattliche Limousinen, majestätische Pullmans, rassige zwei- bis siebensitzige Coupés, schicke Cabriolets oder sportliche Roadster. Jeder mit einer exklusiven Interieur-Ausstattung aus edlem Leder oder feinem Tuch, mit ausgesuchten Hölzern und Lacken sowie vielen raffinierten Details. Kaum ein Wagen mit dem „MM“-Markenzeichen auf dem Kühler gleicht dem anderen.

 

Kunden aus der High-Society

Am Steuer oder im Fond der Maybach-Automobile sitzen namhafte Persönlichkeiten: Politiker und Unternehmer, Prinzessinnen und Kaiser, Stars und Idole wie Enrico Caruso oder Max Schmeling. Auch erlauchte Persönlichkeiten, die sich mit hohen Adelstiteln schmücken, lassen sich im Maybach chauffieren: Haile Selassie, der Kaiser von Äthiopien, König Paul von Griechenland sowie das niederländische Thronfolgerpaar Juliana und Prinz Bernard, Fürst Esterhazy und die indischen Maharadschas von Jaipur, Potila und Kolhapur.

 

Luxuswagen mit dem klangvollen Namen „Zeppelin“

Maybach DS 8 Zeppelin Cabriolet
Maybach DS 8 Zeppelin Cabriolet (1932)
Stets um den technischen Vorsprung seiner Marke besorgt, beginnt Karl Maybach gegen Ende der Zwanzigerjahre einen Zwölfzylindermotor für Automobile zu entwickeln. Seine Erfahrung mit den vielzylindrigen Triebwerken für Luftschiffe spornt ihn an.

1929 ist es soweit: Der Maybach „Typ 12“ mit dem 150 PS starken Sieben-Liter-Zwölfzylinder-V-Motor stellt sich vor. Ihm folgt Mitte 1930 der legendäre Maybach „Zeppelin“ Typ DS 7 mit dem gleichen Triebwerk und Doppelschnellganggetriebe. Die DS 8-Variante mit acht Litern Hubraum leistet 200 PS und ist ab 1931 lieferbar.

Maybach Zeppelin Coupé-Limousine DS 8
Maybach Zeppelin Coupé-Limousine DS 8
Baujahr 1938
Ob als Limousine, Sportcabriolet oder offener Tourenwagen, in seinem Innenraum bietet der „Zeppelin“ unendlich viel Platz zum Wohlfühlen auf bequemen Ledersitzen, die mit ihrer weichen Polsterung eher dem Charakter von Clubsesseln entsprechen. Ebenso begeistern die Fahreigenschaften des Spitzenautomobils. Der lange Radstand von 3735 Millimetern und das hohe Gewicht lassen den Wagen mit den an langen Halbelliptikfedern aufgehängten Starrachsen geradezu leichtfüßig dahingleiten.

Für zusätzlichen Komfort sorgen hydraulische, doppelt wirkende Stoßdämpfer. Zum Anfahren wird zwar noch die Kupplung benötigt, ansonsten bedient der Fahrer aber nur zwei kleine Hebel in der Lenkradmitte, um die vier Gänge des Planetenradgetriebes zu schalten - ohne zu kuppeln.
Leerlauf, 1a-Gang oder Rückwärtsgang werden mit dem Vorwahl-Handhebel in der Wagenmitte eingelegt.

Die Schraubenlenkung - ohne Servohilfe - ist im Verhältnis zu den reichlich drei Tonnen Lebendgewicht dieses herrschaftlichen Automobils erstaunlich leichtgängig, und die via Seilzug betätigten riesigen Trommelbremsen verzögern dank eines ausgeklügelten Hebelsystems gleichmäßig und gut. Eine Unterdruck-Servounterstützung hält den Kraftaufwand für die Bremsenbetätigung in Grenzen. Kurzum: Der „Zeppelin“ markiert die neue Luxusklasse auf Rädern. Das gilt freilich auch für den Preis, denn mit bis zu 36 000 Mark kostet die Limousine Anfang der Dreißigerjahre so viel wie drei Einfamilienhäuser.

Maybach Zeppelin
Maybach Zeppelin: Vor den Luftschiffhallen in
Friedrichshafen (1933/1934)
Wilhelm Maybach hatte die Entstehung des legendären Spitzenmodells noch verfolgen können, seine Markteinführung erlebt er allerdings nicht mehr. Er stirbt im Dezember 1929. Vom legendären „Zeppelin“ in der DS 7- und in der DS 8-Ausführung werden insgesamt nur 183 Exemplare verkauft.
Schwingachswagen mit perfektem Fahrkomfort und sicherer Straßenlage.
Wirtschaftliche Überlegungen stehen bei Karl Maybach zwar selten im Vordergrund, aber er weiß, dass er neben dem großen Zwölfzylinder auch einen kleineren Typ anbieten muss. Deshalb rückt 1931 der gegenüber dem W 5 verlängerte W 6 ins Programm, der ab 1934 ein Doppelschnellganggetriebe (W 6 DSG) erhält. Beide Modelle nutzen den Sechszylinder des W 5.
Neben den Motoren und den Getrieben kümmert sich Maybach auch um die Verbesserung der Straßenlage und des Fahrkomforts - und legt dabei ebenso strenge Maßstäbe zugrunde wie bei der Antriebstechnik. Das Ergebnis dieser konstruktiven Bemühungen sind die sogenannten Schwingachswagen des Typs SW 35 (1935), SW 38 (1936) und SW 42 (1939 bis 1941). Diese modernen Maybach-Modelle verfügen über Sechszylinder-Reihenmotoren und leisten einheitlich 140 PS - sie gelten ebenfalls als großer und viel bewunderter Wurf des Friedrichshafener Unternehmens.

 

Maybach-Motoren für die Schiene

Maybach Motorenbau Friedrichshafen
LZ 127 über dem Portal des Maybach-Motorenbaus
in Friedrichshafen (1935)
Der emsige Konstrukteur Karl Maybach gibt sich mit der Entwicklung von Automobiltriebwerken allerdings nie ganz zufrieden. Bereits 1924 konstruiert er den ersten schnelllaufenden Dieselmotor samt Getriebe für Triebwagen (mit 150 PS bei 1300/min) und schafft damit in Deutschland die Voraussetzungen für den Bau spezieller Schnelltriebwagenstrecken, die auf der ganzen Welt als vorbildlich gelten. Der mit zwei Maybach-Dieselmotoren ausgerüstete „Fliegende Hamburger“ verkehrt ab 1933 zwischen Hamburg und Berlin mit bis zu 160 km/h. Am 17. Februar 1936 stellt er mit 205 km/h sogar den Weltrekord für serienmäßige Schienenfahrzeuge auf.
Auch beim ersten Luftschiff, das nach dem Ersten Weltkrieg in Friedrichshafen entsteht, ist Maybach wieder mit von der Partie. Er liefert die fünf Zwölfzylindermotoren für LZ 126, die zusammen 2850 PS leisten. Der gigantische „Zeppelin“ wird als Reparationsleistung im Oktober 1924 in die USA geflogen.

Dank ihrer hohen Leistung eignen sich die Maybach-Motoren auch für Nutzfahrzeuge, Omnibusse und Heeresfahrzeuge. Der Hochleistungscharakter beeindruckt die Militärs so sehr, dass sie schließlich auch Antriebsaggregate für Kettenfahrzeuge in Friedrichshafen in Auftrag geben. Karl Maybach fühlt sich zwar nicht wohl bei dem Gedanken Militärfahrzeuge zu motorisieren, aber er ist kein politischer Mensch; er sieht sich „nur“ als Konstrukteur und registriert kaum, was politisch um ihn herum vorgeht.

 

Vertrag mit der französischen Regierung

Zu dieser Einschätzung gelangen nach dem Zweiten Weltkrieg auch die Franzosen rasch. Sie schätzen sein technisches Können und bieten ihm an, für Frankreich Hochleistungstriebwerke zu entwickeln. Karl Maybach willigt ein - allerdings nur unter der Bedingung, dass in Friedrichshafen weiter Motoren gebaut werden können. Am 12. September 1946 unterzeichnet er einen Vertrag mit der französischen Regierung über Studien und Verwirklichung eines Benzinmotors mit 1000 PS und eines Dieseltriebwerks. Da er arbeiten kann, zieht er auch ohne Murren ins französische Vernon in der Nähe von Paris, wo er am 6. Juli 1949 seinen 70. Geburtstag feiert.

Ab Mitte 1951 bleibt Karl Maybach in Deutschland. Er lebt und arbeitet in seinem Haus in Garmisch und scheidet am 19. Dezember 1952 auf eigenen Wunsch aus der Firma aus. Dennoch sind Besuche am Firmensitz regelmäßig - bei einem dieser Besuche stirbt der geniale Konstrukteur am 6. Februar 1960.

 

MTU Friedrichshafen GmbH

Maybach Motorenbau GmbH
Fabrik des Maybach-Motorenbaus in Friedrichshafen
im Jahre 1917
Europas Spezialist für Großmotoren - Nach dem Zweiten Weltkrieg konzentrierte sich die Maybach-Motorenbau GmbH vor allem auf die Herstellung von Motoren für Dieselloks und Nutzfahrzeuge. Im Jahre 1960 erwarb Daimler-Benz die Mehrheit an dem Unternehmen und sechs Jahre später wurde der Maybach-Motorenbau mit dem Großmotorenbau von Daimler-Benz unter dem Namen Maybach Mercedes-Benz Motorenbau GmbH vereinigt. Seit 1969 steht schließlich ein ganz neuer Name über dem Werk in Friedrichshafen: MTU Friedrichshafen GmbH.

Seither ist die MTU weltweiter Technologieführer bei Antriebssystemen für Schiffe, Bahnen, Schwerfahrzeuge und dezentrale Energieanlagen. Das Produktprogramm mit Dieselmotoren von bis zu 9000 kW/12 250 PS Leistung, Gasmotoren, Gasturbinen und Brennstoffzellen ist das modernste und umfassendste der Branche. Das Unternehmen liefert nicht nur Motoren, sondern komplette Antriebsanlagen mit integraler Steuerung und Überwachung. Bekannt sind die MTU-Antriebe für ihre hohe Leistung bei gleichzeitig geringem Gewicht und sehr kompakten Abmessungen.

Mit weltweit mehr als 6000 Mitarbeitern zählt MTU einen Umsatz von über einer Milliarde Euro, der zu 80 Prozent durch den Export erwirtschaftet wird. Die MTU Friedrichshafen GmbH ist ein Unternehmen der DaimlerChrysler AG.

 

Fotos: © Daimler

 

 

 

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