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Die Geschichte von Maybach 

Maybach - ein Name als Markenzeichen. Der Inbegriff für zeitlose automobile Schönheit, für handwerkliche Präzision und technische Kompetenz. Maybach ist eine klassische Automobilmarke für Luxuswagen der 1920er und 1930er Jahre, die 2001 von der DaimlerChrysler AG neu belebt wurde und die heute die Premium-Marke der Mercedes Car Group bildet. Der Name geht zurück auf den Autokonstrukteur Wilhelm Maybach.

Wilhelm Maybach als Konstrukteur des ersten Mercedes

Gottlieb Daimler & Wilhelm Maybach

links - Gottlieb Daimler (1834 - 1900)
rechts - Wilhelm Maybach (1846 - 1929)

Mercedes-Benz und Maybach - zwei Automobilmarken mit großer Tradition und starken Gemeinsamkeiten: Wilhelm Maybach, der langjährige Weggefährte Gottlieb Daimlers, war technischer Vorstand der Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG) und konstruierte im Jahre 1901 den ersten Mercedes, der als Vorbild aller modernen Personenwagen gilt. Deshalb nannte man ihn respektvoll "König der Konstrukteure".

Gottlieb Daimler hatte den begabten Konstrukteur 1865 in Reutlingen kennen gelernt und arbeitete mit ihm auch bei der Maschinenbaufabrik Karlsruhe und der Gasmotorenfabrik Deutz zusammen.

Geschichte

August Wilhelm Maybach - der König der Konstrukteure, geboren 9. Februar 1846 in Heilbronn und gestorben 29. Dezember 1929 in Stuttgart-Cannstatt. Als Wilhelm Maybach 5 Jahre alt war, zog seine Familie aus Heilbronn (Württemberg) in das nur 30 km entfernte Stuttgart, wo seine beiden Eltern binnen drei Jahren verstarben. Als Vollwaise lebte er 13 Jahre im Bruderhaus in Reutlingen und erhielt dort auch seine Ausbildung als technischer Zeichner und Konstrukteur.

Maybach fällt durch sein hohes technisches Verständnis, hervorragende Leistungen und seinen Erfindungsreichtum auf. Als Daimler 1868 zur stark expandierenden Maschinenfabrik Karlsruhe als Vorstand der Werkstätten wechselt, die vor allem Eisenbahnmaterial herstellt, nimmt er Wilhelm Maybach mit. Das Duo wird von nun an bis zu Daimlers Tod im Jahre 1900 unzertrennlich bleiben.

 

1872: Gasmotorenfabrik Deutz

Die beiden Inhaber der Gasmotorenfabrik Deutz, der Ingenieur Gustav Langen und der Erfinder Nikolaus August Otto, erweitern nach diesem Krieg die wirtschaftliche Basis ihrer Fabrik und machen daraus eine Aktiengesellschaft. Grundlage der Tätigkeit ist eine atmosphärische Gaskraftmaschine Ottos. Langen wünscht für die Werkstätten und das Zeichenbüro einen erfahrenen Betriebsleiter, eben Gottlieb Daimler. Maybach wird Leiter der Konstruktionsabteilung und tritt seinen Dienst am 1. Juli 1872 an, Daimler folgt einen Monat später. Maybach gelingt es im Laufe der Zeit, den Gasmotor zu verbessern, aber dessen Leistungsfähigkeit ist begrenzt: Er ist zu hoch und zu schwer. Otto nimmt daher seine Versuche mit dem Viertaktprinzip wieder auf, was 1876 auch zum Erfolg führt: Die Viertakt-Kompressionsmaschine entsteht. Doch der Motor ist selbstverständlich noch nicht völlig serienreif. Ihn so weit zu bringen, ist die Aufgabe von Daimler und Maybach. Sie optimieren den Motor und machen aus ihm einen Verkaufsschlager.
Daimler hat schon damals die Vision von einem kleinen, universell einsetzbaren Motor, doch diese Vision lässt sich auf der Basis des bestehenden Motors und in Verbindung mit der Gasmotorenfabrik Deutz nicht realisieren, zumal auch starke Spannungen zwischen den beiden Erfindern Daimler und Otto bestehen.

1882 wird Daimler schließlich gekündigt. Daraufhin veranlasst er Maybach, von sich aus die Firma zu verlassen, um mit ihm zusammen an der Entwicklung eines leichten, schnell laufenden Motors zu arbeiten, von der beide ahnen, dass es die „Kapitalerfindung“ sein wird.

 

1883: Im Gartenhaus entsteht der Erste Motor

Das Gartenhaus in Daimlers Garten wird umgebaut und erweitert. Der Vorraum beherbergt Schreibtisch und Kommode und wird als Büro genutzt. Der anschließende helle und lichte Raum wird durch den Einbau von Werkzeugbank und Schmiede das Refugium der beiden Ingenieure.
Das Konstruktionsbüro befindet sich zunächst in Maybachs Cannstatter Wohnung in der Pragstraße 34, wo Maybach mit seiner Frau Bertha seit Oktober 1882 wohnt.

Bald regt sich handwerkliches Leben im Gartenhaus. Beide Männer Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach beginnen den leichten und schnell laufenden Benzinmotor zu entwickeln und zu bauen, der sich für den Einbau in Kutschen, Lastkarren, Booten, Schiffen, Eisenbahn- und Straßenbahnwagen, landwirtschaftlichen Arbeitsgeräten, Feuerwehrpumpen und sogar in Luftschiffen eignen soll.

Daimler und Maybach versuchen zunächst das alte Problem der Zündung in den Griff zu bekommen. Maybach arbeitet sich durch zahllose Patentschriften und findet schließlich den Hinweis auf die Möglichkeit einer ungesteuerten Glührohrzündung in der Patentschrift des Engländers Watson, die sich für die angestrebten hohen Drehzahlen als geeignet erweist. Nach Überwindung dieser Hürde geht es um das Arbeitsverfahren. Aus der Tätigkeit in Deutz ist beiden das Viertaktprinzip bestens vertraut. Sie wählen es, wohl wissend, dass Ottos Viertaktpatent DRP 532 noch gültig ist, gekoppelt allerdings an die von Otto angenommene schichtenförmige Ladung des Zylinders und langsame Verbrennung des Gasgemisches. Daimler begründet daher seinen Patentanspruch in der Patentschrift zum DRP 28022 unter anderem mit einer Explosion und rascher Verbrennung. 1883 läuft der Motor! Mit einem Hubraum von rund 100 Kubikzentimetern leistet er 0,25 PS bei sensationellen 600 Umdrehungen, dreimal so viel wie die Deutzer Gasmotoren, und er ist leicht. Mit ihm sind erste wesentliche Konstruktionsziele erreicht.

 

1885: Deutsches Reichspatent DRP 34926 für die „Standuhr“

Einzylindermotor Standuhr
Konstruktionszeichnung des Daimler-Einzylinder-Motors
Eine weitere Erfindung von Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach: ein Motor mit den eigenartigen Namen "Standuhr", weil er in seiner Form den damals gebräuchlichen Standuhren gleicht.

Die folgende verbesserte Ausführung verwandelt den zunächst liegend gebauten Motor in einen stehenden. Er bildet die Basis der Patentanmeldung, die schließlich unter dem Datum des 3. April 1885 und der DRP-Nummer 34926 Daimlers Vision öffentlich macht.

Die „Standuhr“ hat ein geschlossenes Kurbelgehäuse, auf dem der luftgekühlte Zylinder steht. Das Einlassventil öffnet und schließt automatisch, das Auslassventil wird durch die von Daimler erfundene Kurvennutensteuerung betätigt, die gleichzeitig auch die Drehzahl im Zaum hält. Ein Schwimmervergaser und ein später wieder eliminiertes Kolbenbodenventil zur zusätzlichen Ladung sind weitere Merkmale des Motors. Der Einzylinder wiegt nur 60 Kilogramm, hat einen Hubraum von 264 Kubikzentimetern und leistet 0,5 PS bei jetzt schon 700 Umdrehungen pro Minute.

 

November 1885: Erste Ausfahrt mit dem „Reitrad“

Daimler Reitrad
Die Aufnahme zeigt die Gottlieb-Daimler-Gedächtnisstätte
in Bad Cannstatt mit dem Daimler-Reitwagen,
welcher heute als das erste Motorrad der Welt gilt
Daimler und Maybach bauen ihren universell in beliebigen Fahrzeugen zu verwendenden Motor in ein Zweirad ein, einem höchst kostengünstigen Versuchsträger um die Tauglichkeit der Gas- bzw. Petroleumkraftmaschine unter Beweis zu stellen. Im November 1885 legt Gottlieb Daimlers Sohn Adolf mit diesem Fahrzeug die drei Kilometer lange Strecke zwischen Cannstatt und Untertürkheim ohne Probleme zurück.

 

1889: Zweizylinder und Stahlradwagen

Stahlradwagen
Daimler "Stahlradwagen" mit Zweizylinder-V-Motor und
dem ersten Zahnrad-Schaltgetriebe samt
Differentialausgleich; Am Steuer Wilhelm Maybach, 1889
Es zeigt sich, dass der Einzylinder für etliche Einsatzgebiete zu schwach ist. Maybach entwirft einen Zweizylinder auf Basis der „Standuhr“. Der neue Motor in V-Form mit einem Zylinderwinkel von 17 Grad leistet zwei PS bei knapp über 600 Umdrehungen und erschließt neue Einsatzmöglichkeiten. Er wird in dem von Wilhelm Maybach 1889 konstruierten „Stahlradwagen“ eingesetzt. Es ist eine Automobilkonstruktion, die maßgeblich, vor allem in Frankreich, die Weiterentwicklung des Automobils prägt. Dort wird der Wagen anlässlich der Weltausstellung in Paris 1889 präsentiert.

 

 

Daimler-Motoren-Gesellschaft

phoenixmotor
Phoenix-Motor, erstmals eingesetzt
1895 im Riemenwagen
Max Duttenhofer, Generaldirektor der Köln-Rottweiler Pulverfabriken, und Wilhelm Lorenz, Vorstand einer Patronenfabrik in Karlsruhe, beschwören Daimler immer wieder, er müsse eine breitere finanzielle Grundlage für seine epochemachende Erfindung schaffen.

Nach einem Vorvertrag vom 14. März 1890, der Daimlers Erfindungen in der projektierten Gesellschaft bestmöglich absichern soll, wird schließlich am 28. November 1890 eine neue Firma ins Leben gerufen, die "Daimler-Motoren-Gesellschaft" (DMG).

Nun hält Daimler – wie Duttenhofer und Lorenz auch – 200 Aktien, die ein Drittel des Grundkapitals von insgesamt 600 000 Mark repräsentieren. Außerdem wird ihm zugesichert, dass seine engsten Mitarbeiter, Wilhelm Maybach und der Buchhalter Karl Linck, in den Vorstand berufen würden. Doch diese Zusage wird nicht eingehalten. Verärgert verlässt Maybach am 11. Februar 1891 die Gesellschaft, Linck folgt ihm ein halbes Jahr später.

Maybachs Vierzylindermotor
Der von Wilhelm Maybach konstruierte Motor des
Mercedes 35 PS mit gesteuerten Ein- und
Auslassventilen (1900)
Mit Wilhelm Maybach verlässt der technisch fähigste Kopf die Gesellschaft. Sein Nachfolger, Max Schrödter, versteht von Verbrennungsmotoren nur wenig, die Firma gerät zunehmend in unruhiges Fahrwasser. Die bereits im Gründungsjahr von 22 auf 163 Mitarbeiter vergrößerte Belegschaft erweist sich für den komplizierten Maschinenbau als wenig qualifiziert. Die Produktivität sinkt, die Zahl der Reklamationen steigt.

Es schmerzt Daimler sehr, zusehen zu müssen, dass die Firma ihr Potenzial nicht für die Vervollkommnung seines Motors einsetzt, sondern sich mit der Entwicklung anderer Produkte verzettelt. Die Verluste im dritten Geschäftsjahr in Höhe von 140 000 Mark eliminieren die Gewinne der ersten beiden Jahre völlig.

Daimler will diesen Tendenzen entgegensteuern und schließt bereits 1891 im Geheimen einen Vertrag mit Maybach ab, um die Entwicklungsarbeiten in seinem Sinne fortzuführen.

Zunächst benutzt Maybach seine Wohnung als Konstruktionsbüro, wo er die Grundlagenforschung für ein neues Automobil betreibt. Es sollte der sogenannte Riemenwagen werden.

Mercedes Simplex
Den Mercedes 35 PS stellt die Daimler-Motoren-
Gesellschaft 1901 vor. Darin arbeitet ein von
Maybach entwickelter Vierzylindermotor.
Als Produktionsstätte mietet Daimler den stillgelegten Gartensaal des Hotels Hermann in Cannstatt. Mit zwölf Arbeitern und fünf Lehrlingen stürzt sich Maybach auf neue Aufgaben, die nur wenige Jahre später letztlich auch der Daimler-Motoren-Gesellschaft zugute kommen werden.

In jener Zeit entstehen der Spritzdüsenvergaser, der Urahn aller heutigen Vergaser, und auch einige Neuerungen am Kühlsystem, denn immer noch ist die unzureichende Motorkühlung eines des größten Probleme, das es zu lösen gilt.

Die bedeutendste Schöpfung Maybachs ist aber ein Motor, den Levassor in seiner Begeisterung „Phoenix“ nennt. Motoren dieser Bauart – die Zylinder sind stehend nebeneinander angeordnet und in einem Block gegossen – sollten später zum „motorischen“ Rückgrat der Daimler-Motoren-Gesellschaft werden.

Karl Maybach
Karl Maybach (1879 - 1960)
Wilhelm Maybach, Mitarbeiter und Freund Gottlieb Daimlers und unvergessener Konstrukteur des „Mercedes“, dem ersten „richtigen“ Auto, verlässt 1907 die Daimler-Motoren-Gesellschaft, der er bis dato als technischer Direktor gedient hatte. Zusammen mit seinem Sohn Karl entwickelt er eigene Motoren, die sich seiner Meinung nach exzellent für den Antrieb der eben am Himmel erscheinenden Luftschiffe eignen. Er nimmt Verbindung mit dem Grafen Zeppelin auf, überzeugt ihn von seinen Motoren und gründet zusammen mit ihm 1909 die „Luftfahrzeug-Motorenbau GmbH“ in Bissingen bei Stuttgart, deren technischer Direktor sein Sohn Karl wird.

Damit ist das Kapitel Automobile für Wilhelm und Karl Maybach erledigt - vorläufig zumindest. Man konstruiert Triebwerke, die sich durch höchste Sicherheit und vorbildliche Zuverlässigkeit auszeichnen. Und man hegt sogar noch größere Pläne - zum Beispiel für ein Riesenflugzeug zur Atlantiküberquerung, das zusammen mit Hellmuth Hirth und Gustav Klein von der Firma Bosch realisiert werden soll. Wegen des Ersten Weltkriegs wird es jedoch Jahre später ad acta gelegt.

Von den Kriegswirren lässt sich Karl Maybach allerdings nicht beeindrucken. 1916 beginnt er in Friedrichshafen ein Haus zu bauen - in der Zeppelinstraße 21. Dort empfängt und schreibt er über 150 Briefe, die er mit seinem Vater austauscht. Der Inhalt: Detaillierte Erörterungen von Konstruktionen, Skizzen, Zeichnungen, Motorenproblemen. Nur selten geht es um Familiäres. Gelegentlich bemängelt Wilhelm Maybach dafür Ungenauigkeiten und Flüchtigkeitsfehler: „o.g. Getriebe ist zu schnell gezeichnet und nicht gründlich durchkonstruiert “, merkt er beispielsweise an. Und: „So eine ernste Sache wie ein Getriebe, darf nicht notleiden.“

 

 

 

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