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Lamborghini 350 GT und 400 GT

Mit seinem ersten Serienauto, dem 350 GT, schickte Lamborghini gleich eine starke Kampfansage an die Gegner auf dem Sportwagenmarkt. Der 3,5-Liter-V12 leistete imposante 270 PS, bei einer späteren Version mit vier Liter Hubraum waren es sogar 320 PS.

Lamborghini 350 GT

Der 350 GT war kein kompromissloser Sportwagen, sondern ein gediegener, souveräner Gran Turismo. Mit seiner hohen Leistung, der sensationell guten Straßenlage, seiner fortschrittlichen Technologie und dem hohen Qualitätsanspruch, besaß er bereits jene Stärken, welche die Marke heute noch auszeichnen.

Noch während die Arbeit an dem allerersten Lamborghini, dem Einzelstück 350 GTV im Gang war, entschied Ferruccio Lamborghini, den Entwurf für den späteren Serienbau stark abzuändern. Der junge Chefentwickler Gian Paolo Dallara musste drei Aufgaben zur gleichen Zeit lösen: den GT zur Reife bringen, den hochfliegenden V12-Motor von Konstrukteur Bizzarini auf den Boden zurückholen und den Aufbau des Werks in Sant’Agata Bolognese leiten.
Für die „Zivilisierung“ des ursprünglichen Rennmotors sorgten in erster Linie zivilere, seitlich angeflanschte Vergaser von Weber – mit ihnen sank die Nenndrehzahl des 3,5-Liters von 8000 auf 6500 Umdrehungen. Die Leistung ging von 347 PS auf 270 PS zurück, wobei der deutsche Importeur 280 PS nannte. Die Trockensumpfschmierung machte einem konventionellen Nasssumpf Platz – das Renntriebwerk mutierte zu einem GT-Motor, der jedoch noch immer mehr als genug Kraft besaß, um in die Topliga der Sportwagen vorzustoßen. Und er lief auf Anhieb einwandfrei standfest – auch, weil jedes Exemplar auf einem Prüfstand sorgsam eingefahren wurde.

 

Ein europäisches Gesamtkunstwerk

Über den V12 hinaus war der erste Serien-Lamborghini eine Art gesamteuropäisches Projekt. Spezialist ZF aus Friedrichshafen steuerte das Fünfganggetriebe und die mechanische Kugelumlauflenkung bei, Salisbury in England lieferte für die ersten 50 Exemplare das Sperrdifferenzial; wegen seines lauten Laufs – einer Eigenschaft, die der Perfektionist Ferruccio Lamborghini hasste –, wich es bald einer Eigenkonstruktion. Hinter den unabhängig aufgehängten 15-Zoll-Rädern saßen Scheibenbremsen von Girling (England); moderne Federbeine besorgten die Federung und die Dämpfung.

Als Chassis diente ein Rahmen aus massiven Rohren, der anfangs bei Neri & Bonacini in Mailand gefertigt wurde; später ging der Auftrag zu Marchesi in Modena über. Die Karosserie hingegen war in Design und Fertigung Sache der Carozzeria Touring. Auf Geheiß von Ferruccio Lamborghini zeichneten die Mailänder die avantgardistisch-flache Frontpartie des Prototyps radikal um; fest stehende elliptische Leuchten ersetzten die Klappscheinwerfer.

 

Karosserie in Superleggera-Bauweise

Touring besorgte auch den Bau der Karosserie. Dabei kam eine Variante der „Superleggera“-Bauweise zur Anwendung, welche die Firma 1937 entwickelt hatte: Ein leichter Rahmen aus dünnen Stahlrohren trug eine Außenhaut aus Aluminium – der 350 GT war damit ein Vorläufer des heutigen Gallardo Superleggera. Allerdings hatte Lamborghini zu spät erfahren, dass sein Karosserie-Partner in massiven finanziellen Problemen steckte; Ende 1966 musste Touring seine Tore schließen. Die Carozzeria Marazzi, von ehemaligen Touring-Beschäftigten in der Nähe von Mailand neu gegründet, führte die Fertigung weiter.

Lamborghini präsentierte den 350 GT als Serienauto im Frühjahr 1964 auf dem Genfer Salon; wenige Monate später stand noch eine zweite, endgültige Version auf der Messe in Paris. Die Fertigung kam nur langsam in Gang – 1964 verließen gerade mal 13 Exemplare die nagelneue, großzügig ausgelegte Fabrik. Ferruccio Lamborghini musste bei jedem der frühen 350 GT eine erhebliche Summe drauflegen, nahm die Anlaufverluste aber als versierter Unternehmer in Kauf. Dabei war der erste Lamborghini alles andere als ein preiswertes Auto: In Deutschland wurde das Coupé 1965 für 53.850 Mark angeboten – für diese Summe bekam man auch zwölf VW 1200.

1965 waren alle Kinderkrankheiten überwunden, und der 350 GT konnte sein Potenzial ausspielen. Er erwies sich als harmonischer, souverän zu fahrender Gran Turismo – er war genau jener gepflegte Reisesportwagen, den sich Ferruccio Lamborghini immer gewünscht hatte. Nur 1,3 Tonnen schwer, beschleunigte das Coupé in 6,8 Sekunden auf 100 km/h und weiter bis 250 km/h Spitze. Der 60-Grad-V12 mit seinem Aluminium-Block produzierte satte 325 Nm Drehmoment bei 4500 Umdrehungen und lief klangvoll und kultiviert.
Dank des weit hinten montierten Motors zeichnete sich der 4,64 Meter lange Lamborghini 350 GT durch exzellente Balance und ausgewogenes Handling aus. Sein dreisitziger Innenraum – in der Mitte des Fonds lag noch ein Notsitz oder auch eine Gepäckablage – wirkte ungewöhnlich geräumig und licht. Zudem ließ er sich komfortabel beheizen und belüften, eine Ausnahme bei den Sportwagen der 60er Jahre. Das Finish des Interieurs fand ebenso hohes Lob wie die Qualität der Karosserie. „Selbst bei Geschwindigkeiten über 200 km/h kommt man sich vor wie in einem Flugzeug“, schrieb ein Tester.

Noch eine Spur souveräner wirkte das Interimsmodell mit der Bezeichnung 400 GT; Lamborghini legte es 1966 parallel zum 350 GT auf, von dem bis 1967 noch einige Exemplare produziert wurden. Auf 3929 cm3 Hubraum aufgebohrt, produzierte der V12 jetzt 320 PS bei 6500 Umdrehungen und 375 Nm bei 4500 Touren. Leistungsmäßig zog er mit der Sportversion des 3,5-Liters gleich, die auf spezielle Nachfrage gebaut worden war.

 

Erfolgsmodell 400 GT

Der schwierige Anlauf des 350 GT hatte Lamborghini dazu bewogen, rasch ein verbessertes Modell nachzuschieben – es wurde von 1966 an als 400 GT 2+2 gebaut. Auch hier war der vergrößerte Motor am Werk, und im Fond trug der Neue eine Notsitzbank für zwei Personen.
Für sie überarbeiteten die Designer die Karosserie – die Dachlinie wurde um fünf Zentimeter angehoben, und das mächtige, flach liegende Heckfenster schrumpfte zugunsten des Kofferraumdeckels. Auch die Bodenwanne, die Hinterachse und die Tankanlage erfuhren Änderungen.

Lamborghini 400 GT Bei der Außenhaut musste Lamborghini nach der Pleite von Touring großteils auf Stahlblech umstellen, an der Front leuchteten neue Doppelscheinwerfer von Hella. Als Getriebe diente jetzt eine Eigenkonstruktion. Der 400 GT 2+2 lief bis Frühjahr 1968 und war mit 250 Exemplaren das erfolgreichste Mitglied der Familie. Ein Teilkontingent wurde auch in den USA verkauft, wo die junge Marke von 1966 an über zwei Importeure vertreten war. Vom 350 GT entstanden 135 Stück, vom 400 GT nur 23 Exemplare.

Schon die erste Modellreihe von Lamborghini diente zwei Designern als Inspiration für kreative Einzelstücke. Zagato fertigte 1965 den 350 GTZ, der indes sein einziges Lamborghini-Projekt blieb. Touring baute im selben Jahr das Cabriolet GTS und 1966 noch einen zweitürigen Sportkombi namens Flying Star.

 

Technische Daten des Lamborghini 350 GT

Motor: V12
Hubraum: 3464 ccm
Leistung: 206 kW / 280 PS bei 6500 U/min
Drehmoment: 325 Nm bei 4500 U/min
Getriebe: Fünfganggetriebe (Handschaltung)
Antrieb: Heckantrieb
Vmax: 258 km/h
Beschleunigung von 0-100 km/h: 6,7 s
Leergewicht: 1210 kg
Radstand: 2550 mm
Länge: 4460 mm
Breite: 1730 mm
Höhe: 1280 mm

Bauzeit: 1964 - 1967

1964 lag der Neupreis eines Lamborghini 350 GT bei 53.850 D-Mark

 

Technische Daten des Lamborghini 400 GT

Motor: V12
Hubraum:
 3929 ccm
Leistung: 235 kW / 320 PS bei 6500 U/min
Drehmoment: 355 Nm bei 4700 U/min
Getriebe: Fünfganggetriebe (Handschaltung)
Antrieb: Heckantrieb
Vmax: 270 km/h
Beschleunigung von 0-100 km/h: 6,4 s
Leergewicht: 1300 kg
Radstand: 2550 mm
Länge: 4460 mm
Breite: 1730 mm
Höhe: 1280 mm

Bauzeit: 1966 - 1968

1967 lag der Neupreis eines Lamborghini 400 GT bei 58.000 D-Mark

 


Bilder von Lamborghini 350 GT und 400 GT

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Fotos: Copyright © Lamborghini


Video von Lamborghini 350 GT 


 

 

 

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