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Flach, stark und sechs Zylinder mit 845 PS im Heck
45 Jahre
Porsche 911, das heißt auch 45 Jahre
Sechszylinder-Boxer-Motor, eingebaut stets im Heck
dieses Sportwagens. Viele Jahre lang wurde das
901/01 genannte Triebwerk des ersten
911 vergrößert
und optimiert – die Basis blieb gleich. Erst
deutlich später entstanden neue Motorgenerationen,
zum Beispiel in den 90er Jahren der wassergekühlte
3,4- beziehungsweise 3,6-Liter-Sechszylinder im
aktuellen
911. Nach heute moderat erscheinenden
Anfängen entwickelten sich die PS-Leistungen der
911-Triebwerke in beeindruckende Dimensionen. 130 PS
lautete die Angabe für den ersten 911. Sie gipfelte
im Porsche 935 “Moby Dick", einem Rennsportwagen aus
dem Jahr 1978. Beeindruckende 845 PS leistete der
aufgeladene 3,2-Liter-Sechszylinder-Motor mit vier
oben liegenden Nockenwellen. Erstmals in der
Geschichte hatte der 911-Motor wassergekühlte
Zylinderköpfe erhalten. In ihnen waren pro Zylinder
vier Ventile angeordnet. Die Zylinder selbst blieben
luftgekühlt.
Für den ersten 911-Motor legte Firmenchef Professor
Ferry Porsche die Vorgaben fest. Der Motor sollte
die Fahrleistung des im 356 eingebauten
Zwei-Liter-Carrera-Triebwerks (130 PS) mit der
anerkannten Laufkultur des mit 60 PS schwächsten 356
verbinden. Der Carrera-Vierzylinder war in seiner
Konstruktion zu aufwendig und mit seinen
Königswellen zu laut. Deshalb traf Ferry Porsche die
Entscheidung zugunsten eines Sechszylinders mit oben
liegenden Nockenwellen. Sechs Zylinder sollten der
Laufkultur zugute kommen, die Anordnung der
Nockenwellen hohe Drehzahlen (Nenndrehzahl 6.100
U/min) ermöglichen. Gehäuse und auch Zylinderköpfe
bestanden aus Leichtmetall. Zwei Liter Hubraum hatte
der 901/01. Sein Motorgewicht betrug einschließlich
der Kupplung 184 Kilogramm. Die Leistung: 130 PS –
wie beim Vier-Zylinder-Carrera-Triebwerk des 356.
Diese Power aus zwei Litern Hubraum setzte 1963
Maßstäbe, und würde auch im Vergleich zu den
Datenblättern durchaus sportlicher Serienfahrzeuge
von heute nicht schlecht dastehen.
Vor 40 Jahren war das nur der Anfang. Seither wuchs
der Motor in jede Richtung: Hubraum, Leistung,
Drehmoment und Drehzahl schnellten nach oben. Schon
bei der Konstruktion war an eine Vergrößerung auf
2,7 Liter gedacht worden.
Ferry Porsche sagte dennoch später einmal: “Hätte
ich 1960 gewusst, dass man den Motor sogar bis drei
Liter und mehr vergrößern könnte, hätte ich bestimmt
gesagt, der Motor sei unnötig groß und schwer. Ich
hätte meinen Technikern angeordnet, sie sollten ihn
kleiner machen. Ich bin froh, dass ich es nicht
wusste!"
Die Motor-Leistung explodierte förmlich
| Erstes Beispiel der Expansion: eine Rennversion des
Zwei-Liter-Triebwerks. 210 zuverlässige PS leistete
dieser Rennmotor schon 1965 im Typ 904. Daraus
leiteten die Porsche-Ingenieure ab, dass auch die
Leistung des Serienmotors bedenkenlos gesteigert
werden konnte. Höhere Verdichtung, neue Nocken,
größere Ventile und Kanäle, andere Weber-Vergaser
und weiterentwickelte Wärmetauscher führten zum
Motor des ersten 911 S, der 1966 vorgestellt wurde:
Leistung 160 PS bei 6.600 U/min. 1968 ersetzte eine
Bosch-Benzineinspritzung die Vergaser, die Leistung
stieg auf 170 PS bei 6.800 U/min. Die
Zwei-Liter-Einspritzmotoren wurden nur ein Jahr lang
gebaut. Im August 1969 wurde die Zylinderbohrung
erstmals vergrößert. Der Hubraum stieg von 1.991 auf
2.195 ccm. Der 911 S leistete nun 180 PS bei 6.500
U/min. |
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4-Zylinder-Motor mit vier
obenliegenden Nockenwellen (dohc) |
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Die verschärften Abgasbestimmungen wollte Porsche
1971 ohne Leistungsverlust einhalten. Dies war nur
durch eine weitere Hubraumvergrößerung möglich.
Diesmal wurde der Motor nicht aufgebohrt, sondern
der Kolbenhub vergrößert. Heraus kamen 2,4 Liter
Hubraum mit derart verringerter Verdichtung, dass
selbst der 911 S mit nun 190 PS bei 6.500 U/min mit
Normalbenzin gefahren werden konnte. Sehr zur
Verwunderung mancher Tankwarte.
Schon Ende 1972 wurde ein Fahrzeug präsentiert, bei
dem Porsches Ingenieure in erster Linie an den
Rennsport dachten: der Carrera RS 2.7 – ein
Sportwagen mit einem Heckspoiler, dem “Entenbürzel".
Das besaß kein anderes Auto jener Zeit. Bis dahin
durften auch die Rennmotoren des
911 nicht über die
Hubraumgrenze von 2.500 ccm hinaus anwachsen. Der
Motor wurde wieder einmal aufgebohrt, nun lag der
Hubraum bei 2.687 ccm, als Leistung fielen 210 PS
bei nun noch 6.300 U/min an. Mit Beginn der so genannten “G-Serie" im August 1973 besaßen alle
Elfer einen Motor dieses Hubraums, allerdings beim
911 (150 PS) und 911 S (175 PS) mit weniger
Leistung. Der Carrera-Motor wurde unverändert weiter
produziert.
1975 leistete der Dreiliter-Motor des Carrera 3,0
zunächst 200 PS. Alle 911-Motoren wurden mit einer
K-Jetronic ausgerüstet. Ein damals modernes
Einspritzsystem, das Wirtschaftlichkeit, mehr
Elastizität und reinere Abgase mit sich brachte. Ein
größerer Sprung folgte 1983 mit der Einführung des
Carrera 3.2 mit 231 PS bei 5.900 U/min. Die Leistung
sank allerdings wegen der Einführung des
Katalysators auf 207 PS. Ab dem Modelljahr 1987
waren es 217 PS.
Einen drastischen Einschnitt gab es 1988 beim Motor
des neuen Typs “964". Zahlreiche Änderungen wie die
Verwendung einer Doppelzündung und eine neue
Kurbelwelle gehörten dazu. Auch eine Vergrößerung
von Bohrung und Hub führten die Techniker durch. Aus
nunmehr 3.600 ccm schöpfte der klassische
Sechszylinder (der Zylinderabstand war mit dem des
Zweiliter identisch) stattliche 250 PS bei 6.100
U/min. Im 911 Carrera (“993") stieg die Leistung
dieses Motors auf zunächst 272 PS und schließlich
sogar auf 285 PS. Im Modell RS 3.8 waren es 300 PS.
Damit war das Ende einer Motorengeneration erreicht,
die 1963 mit 130 PS begonnen hatte.
Der Turbo überraschte mit 260 PS
| Dass sich Porsche zuvor über Jahre hinweg bei
911-Motoren mehr um Wirtschaftlichkeit denn um
Leistung kümmerte, hat einen simplen Grund. Es gab
bereits mehr Power im Programm. 1974 debütierte der
911 Turbo 3.0 – während der Energiekrise. Dessen
aufgeladener Motor lieferte eine – für die damalige
Zeit – unglaubliche Leistung von 260 PS bei
lediglich 5.500 U/min. Selten war der positive
Einfluss des Rennsports in die Serie so klar
erkennbar wie bei dieser Entwicklung des
Turbomotors. Erfahrungen hatte Porsche mit
aufgeladenen Zwölfzylinder-Motoren im 917/10 und
917/30 bereits gesammelt. 1972 und 1973 beherrschten
diese über 1.000 PS starken Porsche-Prototypen die
amerikanisch-kanadische CanAm-Serie. Der
911 Turbo 3.0 war das erste Serienfahrzeug, bei dem die
Leistungssteigerung mit Hilfe des Abgasturboladers
erzielt wurde. 1977 wurde Turbo-Technologie um die
Ladeluftkühlung ergänzt. Dies erhöht bei
gleich |
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bleibendem Druck die Dichte der Luft. Somit wird
bei gleichem Luftvolumen mehr Sauerstoff zugeführt.
Und dies lässt eine größere Benzinmenge zu.
Hierdurch und durch eine Hubraumerhöhung auf 3,3
Liter stieg die Leistung des nun 911 Turbo 3.3
genannten Porsche auf 300 PS bei 5.500 U/min.
1990 wurde der Ladeluftkühler vergrößert und die
Leistung auf 320 PS bei 5.750 U/min angehoben. Zum
Modelljahr 1993 erschien in der Karosserie des
intern “964" genannten Porsche der Turbo 3.6 mit 360
PS bei 5.500 U/min. Der Sechszylinder-Boxermotor des
911 Turbo des “993" basierte wie immer auf dem
luftgekühlten 3,6-Liter-Triebwerk des 911 Carrera
und leistete mit nun zwei Turboladern bei 5.750
U/min 408 PS.
Für den Porsche Carrera des Jahrgangs 1998 mit der
internen Typenbezeichnung “996" entwickelte Porsche
einen neuen Motor; nur das Prinzip des
Sechszylinder-Boxers blieb gleich. Auffallender
Unterschied: Dieses zunächst 300 PS (bei 6.800
U/min.) starke 3,4-Liter-Triebwerk ist
wassergekühlt. Das Lüfterrad fehlt, das schafft
Platz für eine Ablage beziehungsweise das
Cabrio-Verdeck hinter den Rücksitzen. Grund für die
Wasserkühlung war eine optimale Kühlung für die vier
Ventile jedes Zylinders, eine bessere
Leistungsausbeute und die Erfüllung der weltweit
gültigen Abgasgrenzwerte in der Zukunft. Technisch
interessante Details sind die in Abhängigkeit von
der Drehzahl verstellbaren Einlassnockenwellen,
genannt Variocam, später optimiert als Variocam-Plus.
Bei niedrigen Drehzahlen verringern veränderte
Ventilsteuerzeiten die Abgaswerte und stabilisieren
den Leerlauf. Bei mittleren Drehzahlen wählt
Variocam eine Einstellung, die das Drehmoment
steigert. Bei höheren Drehzahlen hilft das System,
die Maximalleistung zu erreichen. Für das Modelljahr
2002 wurde dieser Motor nochmals tiefgreifend
überarbeitet und auf 3,6 Liter vergrößert, was durch
einen veränderten Kolbenhub erreicht wurde.
Die aktuellen Triebwerke des
Porsche Turbo (420 PS),
GT 3 (381 PS) und GT2 (462 PS) mit jeweils 3.600 ccm
basieren nicht ausschließlich auf dem Triebwerk des
Carrera. Ihr Ausgangspunkt ist das ebenso
wassergekühlte Triebwerk des Porsche 911 GT1, der
1998 die 24 Stunden von Le Mans gewann. Der
GT3-Motor verfügt über separate Zylinder- und
Kurbelgehäuse sowie Zylinderköpfe aus einer
hochtemperaturfesten Leichtmetall-Legierung. Auch
die Titanpleuel stammen aus dem GT1-Motor.
40 Jahre Rennmotoren auf Basis der
911-Triebwerke
40 Jahre
911 heißt auch 40 Jahre Rennmotoren auf
Basis der 911-Sechszylinder. Für sehr viele
Reglements wurden die Sechszylinder modifiziert –
mit einer Bandbreite vom 210-PS-Zweiliter-Aggregat
von 1965 bis zum 845-PS-Turbo des 935 “Moby Dick" im
Jahr 1978.
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Die
Rennsport-Geschichte des ElfersPhotos:
www.porsche.com |
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