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Gottlieb Daimler & Wilhelm Maybach - Erfinder des Automobils

 
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Premiere für neuen Leichtbau-Vierzylinder
Die folgenden Jahre bringen dank Maybachs Erfindungen den wirtschaftlichen Aufschwung: 1897 entwickelt er den Röhrchenkühler - eine wichtige Voraussetzung, um die Kühlung zu verbessern und damit die Leistungsausbeute der Motoren zu steigern -, konstruiert den Phönix-Wagen mit vorn eingebautem Antriebsaggregat und bringt 1898 eine neue Generation von Vierzylindermotoren in Leichtbauweise zum Laufen, die dank der von Robert Bosch erfundenen Magnet-Abreißzündung bis zu 23 PS leisten. Auch das Viergang-Zahnradgetriebe und ein 23 PS starker Rennwagen - als Topmodell des Typenprogramms - sorgen für Anerkennung. Der Umsatz der DMG verdoppelt sich zwischen 1898 und 1900 auf 1,6 Millionen Mark.

Als Gottlieb Daimler am 6. März 1900 im Alter von fast 66 Jahren stirbt, geht eine Ära zu Ende. Während einer 35-jährigen engen Zusammenarbeit hatten sich Daimler und Maybach stets ideal und fruchtbar ergänzt: Daimler war der Ideengeber, der Visionär; Maybach der geniale Konstrukteur, der Daimlers Visionen realisierte und konstruktiv ausführte.

Impulse für das erste richtige Automobil
Maybach bleibt als Chefkonstrukteur bei der DMG, deren Schicksal in den folgenden Monaten vor allem von zwei Namen entscheidend beeinflusst wird: Emil Jellinek und Mercédès.
Jellinek, der Daimler-Modelle erfolgreich an der südfranzösischen Côte d’Azur verkauft, sagt den Stuttgarter Autobauern unverblümt, was ihm an diesen Fahrzeugen missfällt: „Zu hochbeinig“ seien sie, „zu kurz der Radstand, ergo zu kippelig“. Maybach versteht - und entwickelt. Seine folgende Neukonstruktion, die den Namen von Jellineks Tochter Mercedes trägt, und welche die endgültige Abkehr vom Kutschenzeitalter bedeutet, stellt für die Automobilhistoriker das „erste richtige Auto“ dar. Fortan nennen ihn die Franzosen respektvoll „Roi des constructeurs“ - König der Konstrukteure.
Doch die Freude währt nicht lange. Die harte Arbeit, schwere seelische Belastungen wie der Tod von Gottlieb Daimler und die Intrigen innerhalb der DMG hinterlassen ihre Spuren: Im Herbst 1903 erkrankt der 57-jährige Maybach schwer und wird zur Kur nach Norditalien und in die Schweiz geschickt. Allmählich verblasst sein Einfluss in der Unternehmensführung - am 1. April 1907 verlässt er die DMG nach anhaltenden Differenzen endgültig, um gemeinsam mit seinem Sohn Karl eine neue Zukunft in der damals noch jungen Luftschifffahrt zu finden.

Am 29. Dezember 1929 stirbt Wilhelm Maybach im Alter von 83 Jahren und wird in Cannstatt beigesetzt - in unmittelbarer Nähe des Grabes seines langjährigen Weggefährten Gottlieb Daimler.

Chronik

Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach -
Visionen, Erfindungen und Patente

1865 Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach begegnen sich im „Bruderhaus“ in Reutlingen, wo Daimler die Werkstätten der Maschinenfabrik leitet. Wilhelm Maybach aus Heilbronn, 19 Jahre alt, dessen Eltern auf tragische Weise ums Leben gekommen waren, arbeitet im Konstruktionsbüro der Fabrik. Sein großes zeichnerisches Talent fällt Daimler auf.
   
1868 Daimler geht als Vorstand zur Maschinenbaugesellschaft Karlsruhe und holt Maybach ein knappes Jahr später als technischen Zeichner nach.
   
1872 Daimler übernimmt die technische Leitung der Gasmotorenfabrik Deutz, gegründet von Nikolaus Otto und Eugen Langen. Maybach wird kurz darauf, mit 27 Jahren, Chef des Deutzer Konstruktionsbüros und entwickelt später den 1876 von Otto erfundenen Viertaktmotor zur Serienreife.
   
1878 Wilhelm Maybach heiratet Bertha Habermaas, eine Freundin von Emma Daimler, seit 1867 die Frau von Gottlieb Daimler.
   
1882 Nach anhaltenden persönlichen und konzeptionellen Querelen mit Nikolaus Otto verlässt Gottlieb Daimler die Deutzer Gasmotorenfabrik. In Cannstatt bei Stuttgart kauft er ein weitläufiges Grundstück mit Villa und lässt das dazugehörige Gartenhaus zur Werkstatt umbauen. Wilhelm Maybach folgt ihm. Ziel der beiden: die Entwicklung eines schnelllaufenden Viertaktmotors für universelle Einsätze.
   
1883 Daimler und Maybach entwickeln im Gartenhaus die Glührohrzündung und andere Verbesserungen am Verbrennungsmotor. Die Patente darauf legen den rechtlichen Grundstein für den späteren Erfolg.
   
1884 Der Versuchsmotor läuft erstmals mit 600/min. Noch im gleichen Jahr folgt die „Standuhr“, ein aufrecht stehender Einzylinder-Benzinmotor für Boote, Feuerwehrspritzen und andere Geräte.
   
1885 Fahrversuche mit dem „Reitwagen“, einer Vorform des Motorrades. Als Antrieb dient die „Standuhr“
   
1886 Der Motor wird erstmals in eine Kutsche eingebaut, folglich spricht man von „Motorkutsche“. Damit eröffnen Daimler und Maybach das riesige Potenzial der individuellen, motorisierten Fortbewegung.
   
1887 Umzug auf ein größeres Fabrikationsgelände in Cannstatt, wo vor allem Motoren, aber auch Versuchsfahrzeuge gefertigt werden.
   
1889 Auf der Pariser Weltausstellung wird Daimlers „Stahlradwagen“ präsentiert, ein leichtes Vierradautomobil mit Zweizylinder-V-Motor und Zahnradgetriebe.
   
1890 Gründung der Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG). Gottlieb Daimler wird stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender, Maybach Vorstandsmitglied.
   
1891 Maybach scheidet aus der Firma aus und leitet ein von Daimler finanziertes Entwicklungszentrum in Cannstatt, im Tanzsaal eines ehemaligen Hotels.
   
1894 Der DMG droht der Konkurs. Auch Gottlieb Daimler verlässt die Firma.
   
1895 Der britische Ingenieur Frederick R. Simms erwirbt für 350 000 Mark die Lizenzrechte am Phönix-Motor und verlangt im Gegenzug, dass Daimler und Maybach ihre alten Posten in der DMG zurückbekommen. Ende des Jahres wird der 1000. Motor fertig gestellt.
   
1897 Maybach bringt Phönix-Wagen mit dem über der Vorderachse angeordneten Motor zur Serienreife.
   
1900 Gottlieb Daimler stirbt am 6. März in Stuttgart. Wilhelm Maybach beginnt auf Anregung des Kaufmanns Emil Jellinek, die Automobilkonstruktion grundlegend zu überarbeiten. Er konstruiert den Mercedes 35 PS, der als erstes modernes Automobil in die Geschichte eingeht.
   
1901- 1906 Wilhelm Maybach entwickelt in rascher Folge Motoren und Chassis für die fortan so bezeichneten Mercedes-Modelle.
   
1902 Das Produktionsgelände in Cannstatt wird bei einem Großbrand vollständig vernichtet. Die Neubauten der DMG entstehen in Stuttgart-Untertürkheim.
   
1907 Maybach verlässt die DMG nach anhaltenden Differenzen mit der Firmenleitung. Er berät seinen Sohn Karl Maybach, der Motoren für die Luftschiffe des Grafen Zeppelin konstruiert.
   
1916 Die Technische Hochschule Stuttgart verleiht Wilhelm Maybach die Ehrendoktorwürde.
   
1929 Wilhelm Maybach stirbt am 29. Dezember in Stuttgart.
   
1996 Wilhelm Maybach wird in die „Automotive Hall of Fame“ aufgenommen.
 
 

Bilder:

     
Gottlieb Daimler
Gottlieb Daimler
Wilhelm Maybach
Wilhelm Maybach
Motorkutsche - Gartenhaus
Innenaufnahme der Werkstatt von Daimler und Maybach im Cannstatter Gartenhaus
     
Petroleum-Reitwagen
Petroleum-Reitwagen mit "Standuhr" aus dem Jahre 1885.
   

(c) by www.mercedes-benz.de

     
 
 
 
 
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