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Wo bitte geht’s nach Pforzheim?
Als die
Drei mit dem Wagen endlich ins
Rollen kommen, wird ihnen klar, dass
sie den direkten Weg nach Pforzheim
gar nicht kennen. So wird
beschlossen, sich an bekannte Orte
und Straßen zu halten, und alsbald
geht es zunächst in Richtung
Weinheim. Eugen lenkt mit fester
Hand.
In Weinheim wendet sich die Fahrt
nach Süden, nach Wiesloch. Große
Sorge bereitet der Vorrat an
„Ligroin“, wie Benzin seinerzeit
hieß, denn die 4,5 Liter im Vergaser
gehen bedenklich zur Neige – einen
Tank gibt es noch nicht.
„Lieferanten“ für Ligroin sind
Apotheken. In Wiesloch ist es die
Stadt-Apotheke, die übrigens noch
heute existiert und nicht ohne Stolz
darauf hinweist, „Erste Tankstelle
der Welt“ gewesen zu sein. In
Langenbrücken und Bruchsal kaufen
sie vorsichtshalber weitere Vorräte
Ligroin.
Eine ebenso große Sorge wie die
Beschaffung des Treibstoffes macht
die Motorkühlung, die auf einfacher
Verdampfung des Wassers beruht, der
so genannten
Thermosyphon-Verdampfungskühlung.
(Ein geschlossenes Kühlsystem wie
heute noch üblich erfindet
Wilhelm
Maybach erst 1901). So wird bei
jeder Gelegenheit Wasser
nachgefüllt, in Gaststätten, aus
Brunnen oder, wenn es gar nicht
anders geht, auch aus dem
Straßengraben. (Der Wasserverbrauch
betrug nach späteren Messungen ca.
150 Liter auf 100 Kilometer!) Nur
Reifenpannen gibt es nicht, denn die
hinteren Räder haben Eisenreifen,
das Vorderrad trägt Vollgummi. |
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Von der Schwierigkeit, Berge zu
erklimmen
Von Wiesloch geht es weiter über Bruchsal
und nach Durlach, wo sich die Richtung gen
Osten wendet, aus der Rheinebene hinauf in
die „Berge“ – und in neue Probleme. Die
Leistung des Einzylinders von rund 2,5 PS
bei 500 Umdrehungen und die fehlende, besser
abgestufte Übersetzung – das Riemengetriebe
hat nur zwei Gänge – reicht bei weitem nicht
aus, um größere Steigungen zu bewältigen.
Für die wagemutige kleine Truppe bedeutet
das schlicht Schieben.
Geht es bergauf schweißtreibend, führen die
Abfahrten zu erhöhtem Adrenalinspiegel. Die
einzige Klotzbremse, über einen Hebel an der
Lenkkurbel von Hand bedient und auf ein
Hinterrad wirkend, kann das immerhin rund
360 Kilogramm wiegende Gefährt nur mit
äußerster Mühe verzögern. Der Lederbeschlag
des Bremsklotzes verschleißt ungemein
schnell und muss daher des öfteren bei einem
Schuster erneuert werden.
Außerdem muss so manche „Kleinigkeit“ von
Frau Bertha mit dem ihr eigenen Geschick
wieder in Ordnung gebracht werden. Sei es
die Reinigung der verstopften Benzinleitung
mit der Hutnadel, oder die Isolierung des
durchgescheuerten Zündkabels mit Hilfe eines
Strumpfbandes. Sie lässt sich durch die
kleinen Misshelligkeiten einfach nicht von
ihrem Ziel abbringen.
Nachrichten an Karl Benz
In Bruchsal beschließen die „Fernfahrer“,
den zu Hause sicher schon voller Unruhe
wartenden Vater nicht mehr im Ungewissen zu
lassen und schicken ein Telegramm: „Sind mit
dem Wagen fortgefahren und gut in Bruchsal
angekommen.“
Die
Fahrt geht weiter. In der Nähe der
Ortschaft Wilferdingen, mit ihren
starken Steigungen, geht nicht nur
dem Modell 3 die Puste aus, sondern
auch dem Dreigespann. Zwei
Bauernburschen, die zunächst dem
Ganzen nicht so recht trauen, helfen
schließlich doch – gegen einen
kleinen Obulus, versteht sich. So
wird auch diese letzte große
Anstrengung gemeistert, denn von nun
an geht es wieder richtig flott über
Brötzingen dem Ziel Pforzheim
entgegen, das sie in der
Abenddämmerung erreichen. Der erste
Teil der abenteuerlichen Reise mit
einem Automobil ist vollbracht.
Weil es schon spät ist, und außerdem
der Wagen kein Licht hat, mochten
Bertha und die Jungen nicht mehr bei
der Oma auftreten, verstaubt und
derangiert wie sie sind, und steigen
im Hotel „Zur Post“ ab. |
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Bertha Benz mit ihren Söhnen
Eugen und Richard während
der Fernfahrt von Mannheim
nach Pforzheim mit dem
Benz-Patent-Motorwagen im
Jahre 1888. Nachgestellte
Szene (Anschieben)
»
mehr lesen über den Benz
Patent Motorwagen |
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An den Vater freilich geht noch ein
Telegramm ab, mit dem beruhigenden Hinweis:
„Sind glücklich und ohne Schaden
angekommen.“ Über die Reaktion von
Karl Benz
auf die geglückte erste Fernfahrt der
Automobilgeschichte ist nichts überliefert.
Es steht zu vermuten, dass er erleichtert
war.
Seine drängende Sorge gilt nämlich den auf
dem „Ferngefährt“ montierten Ketten, die
eigentlich für den Münchner
Ausstellungswagen vorgesehen sind. Bertha
lässt sie demontieren und schickt sie
umgehend nach Mannheim.
Mit einem Paar Ersatzketten treten die Drei
wenige Tage später frohgemut die Rückfahrt
nach Mannheim an, im Gepäck die Zeitungen
mit dem Bericht ihrer Pioniertat. Der Weg
ist diesmal kürzer und führt in fast gerader
Linie über Bretten, Bruchsal, Hockenheim und
Schwetzingen heim nach Mannheim. Auch diese
Fahrt verläuft für die mittlerweile
routinierten Automobilisten ohne Schaden an
Leib, Seele und Fahrzeug.
Bertha Benz bewies mit der ersten Fernfahrt
der Automobilgeschichte nicht nur ihrem
Mann, wie sie es beabsichtigt hatte, sondern
auch den vielen Skeptikern, dass dem
Automobil eine große Zukunft bevorsteht. Mit
dieser insgesamt
180 Kilometer langen Fahrt
hat sie die Gebrauchstüchtigkeit des
Motorwagens demonstriert. Ohne ihren Wagemut
– und dem ihrer Söhne – sowie den
entscheidenden Impulsen daraus wäre der
Aufstieg der späteren Firma Benz & Cie.,
Mannheim, zur zeitweilig größten
Automobilfabrik der Welt nicht denkbar.
Die Benz Patent-Motorwagen Modell 3
erhielten übrigens auf Grund der
Erkenntnisse der „Probefahrt“ einen weiteren
Gang und eine wirkungsvollere Bremse. Womit
erstmals sinnfällig wurde, dass auf das
Testen und Erproben von neuen
Automobil-Modellen auch unter schwierigen
Bedingungen keinesfalls verzichtet werden
darf.
Zwischen 1886 und 1894 entstanden von diesem
Modell insgesamt 25 Exemplare, deren
Motorleistungen zwischen 1,5 und 3 PS lagen.
Sie waren mit Halbverdeck sowie mit Not-
oder Kindersitzbank lieferbar.
Nachzutragen bleibt, dass 1890 Tochter Ellen
geboren wird, womit Berthas Familie dann
komplett ist. 1903 bezieht die Familie das
endgültige Domizil in Ladenburg.
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Bilder: |
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Weblinks zum Thema: |
» Bertha Benz Memorial Route
http://www.bertha-benz.de/
» Berta Benz
http://de.wikipedia.org/wiki/Bertha_Benz
» Bertha Benz Vorlesung
http://www.daimler-benz-stiftung.de/home/events/de/start.html |
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