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Mit
seinem ersten Serienauto, dem 350
GT, schickte Lamborghini gleich eine
starke Kampfansage an die Gegner auf
dem Sportwagenmarkt. Der
3,5-Liter-V12 leistete imposante 270
PS, bei einer späteren Version mit
vier Liter Hubraum waren es sogar
320 PS.
Der 350 GT war kein kompromissloser
Sportwagen, sondern ein gediegener,
souveräner Gran Turismo. Mit seiner
hohen Leistung und der sensationell
guten Straßenlage, mit seiner
fortschrittlichen Technologie und
dem hohen Qualitätsanspruch besaß er
bereits jene Stärken, welche die
Marke heute noch auszeichnen. |
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Lamborghini 350 GT, Bj. 1964 |
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Noch während die Arbeit an dem allerersten
Lamborghini, dem
Einzelstück 350 GTV im Gang war,
entschied
Ferruccio Lamborghini, den Entwurf
für den späteren Serienbau stark abzuändern.
Der junge Chefentwickler Gian Paolo Dallara
musste drei Aufgaben zur gleichen Zeit
lösen: den GT zur Reife bringen, den
hochfliegenden V12-Motor von Konstrukteur
Bizzarini auf den Boden zurückholen und den
Aufbau des Werks in Sant’Agata Bolognese
leiten.
Für die „Zivilisierung“ des ursprünglichen
Rennmotors sorgten in erster Linie zivilere,
seitlich angeflanschte Vergaser von Weber –
mit ihnen sank die Nenndrehzahl des
3,5-Liters von 8000 auf 6500 Umdrehungen.
Die Leistung ging von 347 PS auf 270 PS
zurück, wobei der deutsche Importeur 280 PS
nannte. Die Trockensumpfschmierung machte
einem konventionellen Nasssumpf Platz – das
Renntriebwerk mutierte zu einem GT-Motor,
der jedoch noch immer mehr als genug Kraft
besaß, um in die Topliga der Sportwagen
vorzustoßen. Und er lief auf Anhieb
einwandfrei standfest – auch, weil jedes
Exemplar auf einem Prüfstand sorgsam
eingefahren wurde.
Ein europäisches Gesamtkunstwerk
Über den V12 hinaus war der erste
Serien-Lamborghini eine Art
gesamteuropäisches Projekt. Spezialist ZF
aus Friedrichshafen steuerte das
Fünfganggetriebe und die mechanische
Kugelumlauflenkung bei, Salisbury in England
lieferte für die ersten 50 Exemplare das
Sperrdifferenzial; wegen seines lauten Laufs
– einer Eigenschaft, die der Perfektionist
Ferruccio Lamborghini hasste –, wich es bald
einer Eigenkonstruktion. Hinter den
unabhängig aufgehängten 15-Zoll-Rädern saßen
Scheibenbremsen von Girling (England);
moderne Federbeine besorgten die Federung
und die Dämpfung.
Als Chassis diente ein Rahmen aus massiven
Rohren, der anfangs bei Neri & Bonacini in
Mailand gefertigt wurde; später ging der
Auftrag zu Marchesi in Modena über. Die
Karosserie hingegen war in Design und
Fertigung Sache der Carozzeria Touring. Auf
Geheiß von
Ferruccio Lamborghini zeichneten
die Mailänder die avantgardistisch-flache
Frontpartie des Prototyps radikal um; fest
stehende elliptische Leuchten ersetzten die
Klappscheinwerfer.
Karosserie in Superleggera-Bauweise
Touring besorgte auch den Bau der
Karosserie. Dabei kam eine Variante der
„Superleggera“-Bauweise zur Anwendung,
welche die Firma 1937 entwickelt hatte: Ein
leichter Rahmen aus dünnen Stahlrohren trug
eine Außenhaut aus Aluminium – der 350 GT
war damit ein Vorläufer des heutigen
Gallardo Superleggera. Allerdings hatte
Lamborghini zu spät erfahren, dass sein
Karosserie-Partner in massiven finanziellen
Problemen steckte; Ende 1966 musste Touring
seine Tore schließen. Die Carozzeria
Marazzi, von ehemaligen
Touring-Beschäftigten in der Nähe von
Mailand neu gegründet, führte die Fertigung
weiter.
Lamborghini präsentierte den 350 GT als
Serienauto im Frühjahr 1964 auf dem Genfer
Salon; wenige Monate später stand noch eine
zweite, endgültige Version auf der Messe in
Paris. Die Fertigung kam nur langsam in Gang
– 1964 verließen gerade mal 13 Exemplare die
nagelneue, großzügig ausgelegte Fabrik.
Ferruccio Lamborghini musste bei jedem der
frühen 350 GT eine erhebliche Summe
drauflegen, nahm die Anlaufverluste aber als
versierter Unternehmer in Kauf. Dabei war
der erste Lamborghini alles andere als ein
preiswertes Auto: In Deutschland wurde das
Coupé 1965 für 53.850 Mark angeboten – für
diese Summe bekam man auch zwölf VW 1200.
1965 waren alle Kinderkrankheiten
überwunden, und der 350 GT konnte sein
Potenzial ausspielen. Er erwies sich als
harmonischer, souverän zu fahrender Gran
Turismo – er war genau jener gepflegte
Reisesportwagen, den sich
Ferruccio Lamborghini immer gewünscht hatte. Nur 1,3
Tonnen schwer, beschleunigte das Coupé in
6,8 Sekunden auf 100 km/h und weiter bis 250
km/h Spitze. Der 60-Grad-V12 mit seinem
Aluminium-Block produzierte satte 325 Nm
Drehmoment bei 4500 Umdrehungen und lief
klangvoll und kultiviert.
Dank des weit hinten montierten Motors
zeichnete sich der 4,64 Meter lange
Lamborghini 350 GT durch exzellente Balance
und ausgewogenes Handling aus. Sein
dreisitziger Innenraum – in der Mitte des
Fonds lag noch ein Notsitz oder auch eine
Gepäckablage – wirkte ungewöhnlich geräumig
und licht. Zudem ließ er sich komfortabel
beheizen und belüften, eine Ausnahme bei den
Sportwagen der 60er Jahre. Das Finish des
Interieurs fand ebenso hohes Lob wie die
Qualität der Karosserie. „Selbst bei
Geschwindigkeiten über 200 km/h kommt man
sich vor wie in einem Flugzeug“, schrieb ein
Tester.
Noch eine Spur souveräner wirkte das
Interimsmodell mit der Bezeichnung 400 GT;
Lamborghini legte es 1966 parallel zum 350
GT auf, von dem bis 1967 noch einige
Exemplare produziert wurden. Auf 3929 cm3
Hubraum aufgebohrt, produzierte der V12
jetzt 320 PS bei 6500 Umdrehungen und 375 Nm
bei 4500 Touren. Leistungsmäßig zog er mit
der Sportversion des 3,5-Liters gleich, die
auf spezielle Nachfrage gebaut worden war.
Erfolgsmodell 400 GT
Der schwierige Anlauf des 350 GT
hatte Lamborghini dazu bewogen,
rasch ein verbessertes Modell
nachzuschieben – es wurde von 1966
an als 400 GT 2+2 gebaut. Auch hier
war der vergrößerte Motor am Werk,
und im Fond trug der Neue eine
Notsitzbank für zwei Personen.
Für sie überarbeiteten die Designer
die Karosserie – die Dachlinie wurde
um fünf Zentimeter angehoben, und
das mächtige, flach liegende
Heckfenster schrumpfte zugunsten des
Kofferraumdeckels. Auch die
Bodenwanne, die Hinterachse und die
Tankanlage erfuhren Änderungen. |
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Lamborghini 400 GT 2+2, Bj.
1966 |
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Bei der Außenhaut musste Lamborghini nach
der Pleite von Touring großteils auf
Stahlblech umstellen, an der Front
leuchteten neue Doppelscheinwerfer von
Hella. Als Getriebe diente jetzt eine
Eigenkonstruktion. Der 400 GT 2+2 lief bis
Frühjahr 1968 und war mit 250 Exemplaren das
erfolgreichste Mitglied der Familie. Ein
Teilkontingent wurde auch in den USA
verkauft, wo die junge Marke von 1966 an
über zwei Importeure vertreten war. Vom 350
GT entstanden 135 Stück, vom 400 GT nur 23
Exemplare.
Schon die erste Modellreihe von Lamborghini
diente zwei Designern als Inspiration für
kreative Einzelstücke. Zagato fertigte 1965
den 350 GTZ, der indes sein einziges
Lamborghini-Projekt blieb. Touring baute im
selben Jahr das Cabriolet GTS und 1966 noch
einen zweitürigen Sportkombi namens Flying
Star.
Technische Daten:
350 GT
Baujahr: 1964 – 1966
Motor: V 12 – 3,5 Liter Hubraum
Leistung: 320 PS
Vmax: 250 km/h
Stückzahl: 120 / 23 mit 400 GT-Motor
400 GT 2+2
Baujahr: 1966 – 1968
Motor: V 12 – 4 Liter Hubraum
Leistung: 320 PS
Vmax: 270 km/h
Stückzahl: 250 |
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Lamborghini-Bilder:
Lamborghini 350 GT & 400 GT |
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