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Cadillac - Eine amerikanische Geschichte

CadillacAls im August 1902 Henry Leland die Firma Cadillac aus den insolventen Restbeständen der Detroit Automobile Company schuf, stand ihm bei der Namensgebung kein geringerer als der des französischen Kapitäns Antoine de la Mothe Cadillac Pate.
Leland verzichtete bewusst auf eine Verbindung des neuen Unternehmens mit seinem Namen, vielleicht war er sich hinsichtlich des Erfolges selbst nicht so ganz sicher. Immerhin hatte er gerade eine herbe berufliche Enttäuschung hinter sich. Im Auftrag der Firma Oldsmobile hatte er einen Motor gebaut, und er hatte seine Arbeit zu gut gemacht. Oldsmobile wollte von Leland einen leistungsfähigeren Motor als der ihnen zur Verfügung stehende beziehungsweise ein parallel in Auftrag gegebener Motor bei Dodge. Als Leland seine Arbeit ablieferte, stellten die Verantwortlichen bei Oldsmobile fest, dass Lelands 10,25 PS Motor zu stark für das angedachte Fahrzeug war und entschied sich vor dem Hintergrund der Umrüstungskosten für den nur 3 PS starken Dodge Motor. Somit hatte Leland zwar einen perfekten Motor gebaut, aber niemand wollt ihn haben.

Da kam ihm die marode Detroit Automobile Company gerade recht. Er überzeugte Banken und Direktoren, es mit einem neuen Auto mit seinem Motor zu probieren, das Resultat war der erste Cadillac A im Jahre 1902. Bis zum Jahr 1905 entwickelte Leland seine Fahrzeuge kontinuierlich weiter und präsentierte das Modell D mit immerhin schon 30 PS. Das D Modell war ein Unikum, bei gut 2 m Länge und 1,3 m Breite war das geschlossene Fahrzeug knapp 2,30 m hoch, konnte also quasi gehend bestiegen werden. Leland arbeitete hauptsächlich an der Idee der Standardisierung von Motorteilen. Damit sollte gewährleistet werden, dass Einzelteile des Motors problemlos ausgetauscht werden konnten, ein zur Pionierzeit des Automobilbau nicht selbstverständlicher Umstand. Oft musste bei Fahrzeugen bei einem Defekt am Motor gleich das ganze Aggregat ausgetauscht werden, da die Herstellung nicht präzise genug war, um einfach ein defektes Teil durch ein Neues zu ersetzen.

Den Nimbus als selbständiges Unternehmen verlor Cadillac dennoch bereits 1909. General Motors übernahm das Unternehmen, obwohl GM selbst vor dem Aus stand. Der gute Ruf Cadillacs und nicht zuletzt das Engagement von Henry Leland rettete nicht nur Cadillac, sondern auch den Mutterkonzern vor dem Ende. Lelands Perfektionismus kommt den Fahrzeugen zu Gute, immer wieder setzt er neue Maßstäbe bei den Ausstattungskriterien eines Automobils. Den ersten serienmäßig geschlossenen Karosserien folgten der elektrische Anlasser, elektrisches Licht und im Jahr 1915 der erste wassergekühlte V8 Motor. Die Innovative Entwicklung bei Cadillac setzte sich fort und das Image der Fahrzeuge war blendend. Der Komfort eines Automobils aus dem Hause Cadillac war kaum zu übertreffen. So gehörte das synchronisierte Getriebe ebenso wie verwendetes Sicherheitsglas zu Technologien, die Cadillac im Automobilbau einführte.

1930 wurde mit dem Modell 452 der erste 16 Zylinder Motor in einem Auto verbaut. Damit setzte sich Cadillac vom Wettbewerb, der ebenfalls die Oberklasse anvisierte, deutlich ab. Zudem konnte der 452 in 80 verschiedenen Modellvarianten geordert werden - da bot definitiv kein anderer Hersteller der Welt. Eine abgespeckte Variante, der 370, ergänzte das Modellangebot. Mit der Einführung der Lenkradschaltung im Jahre 1938 verbaute Cadillac durchgehende Sitzbänke vorn, was drei Mitfahrern komfortabel viel Platz bot. Ebenfalls erstmals in Amerika konnte ab dem Baujahr 1938 ein Schiebedach im Cadillac geordert werden. Diese Entwicklung erlebte der 1932 verstorbene Leland allerdings ebenso wenig mit wie die Produktion eines Cadillac Panzers in den 40er Jahren. Nach dem Krieg verdankte Cadillac seine Beliebtheit vor allem dem Chefdesigner Harly Earl, dem Erfinder der Heckflosse am Auto. Bis 1960 sollte die Flosse das optisch markanteste Markenzeichen bei Cadillac bleiben. Zum 50. Firmenjubiläum schenkten die Ingenieure den Cadillacs diverse Überarbeitungen und Sonderausstattungen. Neben stärkeren Bremsen und der schon in den 30er Jahren entwickelten, aus Kostengründen aber zurückgestellten Servolenkung auch so wegweisende Extras wie die Prismalinse, die das Licht entgegenkommender Autos auffing und im Cadillac automatisch das Fernlicht auf Abblendlicht umstellte, bis das entgegenkommende Fahrzeug den Cadillac passiert hatte.

Spätestens 1953 stand mit dem Eldorado fest, wer in Punkto Ausstattung auf dem Automarkt den Ton angab. Extras, die auch heute noch nicht bei allen Autos serienmäßig sind wie elektrische Fensterheber, Radio mit automatischem Suchlauf, elektrisch verstellbare Vordersitze und vieles mehr machten das Auto für den verwöhnten und zahlungskräftigen Amerikaner liebenswert.

Genau diese Zielgruppe sorgte auch unfeiwillig für zusätzliche Werbung für die Cadillacs. Kaum ein Filmklassiker der 50er Jahre, in denen die Hauptfiguren nicht im Cadillac fahren. Den Höhepunkt des Flossenbaus markierte 1959 der das Modell Series 75. Ab dann gingen die Flossen wieder zurück und verschwanden 1964 ganz. Dafür wuchs der Hubraum kontinuierlich. Auf 7 Liter brachte es der 1964, der den 345 PS starken Wagen auf mehr als 200 Stundenkilometer beschleunigte. Die Entwicklung sollte bis zum 1970er Modell anhalten, als sage und schreibe 8,2 Liter Hubraum erreicht wurden.
Bereits 1974 verfügten Cadillacs über ein Luftkissenrückhaltesystem, heute als Airbag bekannt und vorgeschrieben. Komfort über alles, das ist Cadillacs Maxime. Ungewöhnliche Produktionswege nahm Cadillac 1987 in Kauf, als der bei Pininfarina in Italien designte Allante vorgestellt wird. Cadillac ließ die Karosserie bei Pininfarina vormontieren und verfrachtete die halbfertigen Autos mit Boing 747 Frachtmaschinen zur Endmontage nach Detroit. Durch die ständige Perfektionierung der Motoren setzt Cadillac 1992 beim Seville einen völlig neuen Wartungsmaßstab. Die erste Motorinspektion eines Seville steht bei 100000 Meilen an.

Nach wie vor hat der Cadillac ein sehr hohes Image in Amerika, wenngleich inzwischen viele Hersteller nachgezogen haben und die Alleinstellungsmerkmale eines Cadillac längst ausgeglichen sind.
 
 
 
 
 
 
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