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Die Geschichte des BMW Motorsports

 
Das Engagement im Motorsport prägt von Anfang an das Unternehmensbild von BMW. Bereits die ersten Motorräder fahren große Erfolge bei den verschiedensten Wettbewerben ein. Mit der Übernahme der Dixi-Fahrzeugfabrik Eisenach Ende 1928 will man diese für Ansehen, Marketing und Verkauf sehr erfolgreiche Strategie auch auf Automobile übertragen. Als Newcomer hat BMW nichts zu verlieren und meldet gleich drei Teams mit dem technisch gerade überarbeiteten BMW 3/15 PS zur publikumswirksamen Alpenfahrt.

1929: Erster Start – erster Sieg
Im August 1929 starten Max Buchner, Albert Kandt und Wilhelm Wagner mit je einem BMW 3/15 PS zu dem internationalen Spektakel. Vor ihnen liegt eine Strecke von insgesamt 2 650 Kilometern. Sie haben fünf Tage Zeit, an jedem stehen vier bis fünf Alpenpässe zur Überquerung an. Von München führt die Route über Villach, Meran und Lugano nach Como, kreuz und quer über die Alpen.
 
Am Ende ist die Sensation perfekt: Das BMW-Team auf den 3/15 PS –Wagen bleibt als einzige Mannschaft der Konkurrenz bis ins Ziel strafpunkte­frei. Mit einem Schnitt von 42 km/h haben die kleinen BMW jede der fünf Einzeletappen in Bestzeit bewältigt und gewinnen somit den begehrten Alpenpokal. Die Deutsche Automobilzeitung ist von dieser Leistung überwältigt: „Die Marke verblüffte die ganze automobilisierte Welt, indem sie eine Leistung vollbrachte, die alles baff machte. Drei Gruppen, acht Klassen, Motoren von 500 ccm bis 800 ccm und die 748,5-Motoren der BMW „dermachen“ es! Mit einem Schlage hat sich der neue BMW der ganzen Welt vorgestellt.“  
BMW 3/15 PS auf der internationalen Alpenfahrt 1929
BMW 3/15 PS auf der internationalen Alpenfahrt 1929

Eine Reihe von Klassensiegen bis 750 ccm Hubraum machen die Marke schnell bekannt. Schon ein Jahr später reagiert BMW und bringt einen echten Sportwagen auf den Markt, den 3/15 Roadster Typ „Wartburg“. Sein höher verdichteter Vierzylinder leistet jetzt 18 PS und nimmt erfolgreich an zahlreichen Rennen teil. 1931 gehen zum Beispiel der einzige Mannschafts- und der Damenpreis der 10 000 km Fahrt durch vier Länder an BMW.


1933: Der erste BMW Sportwagen mit Sechszylindermotor
Mit den neuen Sechszylindermotoren stößt BMW ab 1933 in die höheren Klassen vor. Die Maschine ist wie geschaffen für den Motorsport: Leistungsfähig, drehfreudig, leicht und mit hohem Potenzial. Kurz nach Produktionsbeginn des ersten Sechszylinder-Roadsters von BMW, des 1,5 Liter Sportwagens vom Typ 315/1, folgt Ende 1934 eine weitere, noch leistungsstärkere Ausführung mit der Typenbezeichnung 319/1. Äußerlich mit dem 315/1 bis auf die Lüftungsgitter an der Motorhaube identisch, wird der 319/1 Roadster von einem durch Hubraumerweiterung und drei größere Flachstromvergaser auf 55 PS gebrachten 1,9 Liter-Motor angetrieben. Diese Maschine hat mit dem nur 780 kg leichten Zweisitzer wenig Mühe und sichert seine zahlreichen Erfolge im Motorsport.
Im August 1936 gewinnt dieses Auto unter anderem die achte Auflage der Internationalen Alpenfahrt, im September das Bergrennen im portugiesischen Bussaco und das Tschechische Bergrennen. Bis nach Südamerika dringt der Ruf der erfolgreichen BMW. In Santiago de Chile siegt Alex Hannig im Rennen des Automobil Club de Chile in der Klasse bis 2 000 cm³. Im Münchner Dreiecksrennen muss sich am 9. August 1936 Alex von Falkenhausen, später für seine Sportmotoren weltberühmt, nur knapp seinem englischen Rennfahrerkollegen Aldington geschlagen geben. Der ist auf einem neueren BMW Sportwagen gestartet – dem 328. Nur wenig mehr als 800 Kilo bringt ein serienmäßiger BMW 328 auf die Waage, das ergibt mit dem 80 PS Motor ein konkurrenzloses Leistungsgewicht, sorgt für rasante Beschleunigung und eine Spitzengeschwindigkeit von bis zu 150 km/h. Damit ist der leichte Roadster nach den mächtigen Mercedes Kompressormodellen das schnellste deutsche Auto.

Der BMW 328: 80 PS sind nur der Anfang
Mit 80 PS ist das Leistungspotenzial des Sechszylinders im BMW 328 freilich noch nicht ausgeschöpft. Bei Wettbewerbsmotoren gelingt es auch, die Leistung auf über 100 PS zu steigern. Die Grenze setzt dabei nicht so sehr der Motor an sich, als vielmehr der verfügbare Kraftstoff mit nur 80 Oktan. Damit ist das Verdichtungsverhältnis auf höchstens 9,5:1 begrenzt, will man keine durchgebrannten Kolben riskieren. Erst mit speziellen Rennkraftstoffen fällt diese Grenze und der 328 kommt bis auf 136 PS. Legendär: Der BMW 328 „superleggera“ gewinnt die Mille Miglia.
Und er gewinnt und gewinnt: Bereits bei seinem Debüt siegt der BMW 328 – noch als Prototyp – mit dem Motorrad-Rennfahrer Ernst Henne am Steuer beim Eifelrennen auf dem Nürburgring 1936. Über 130 Rennen zwischen 1936 und 1940 entscheidet der 328 für sich, von dem nur 464 Exemplare gebaut werden und dessen ästhetische Linienführung Sportwagenfreunde in aller Welt bis heute begeistert. Unter den zahlreichen Erfolgen ist 1938 der Klassen-Sieg bei den 1000 Meilen der italienischen Mille Miglia und 1939 bei den 24 Stunden von Le Mans.

1940 folgt als Krönung der Gesamtsieg bei den 1000 Meilen von Brescia mit einem speziellen Renn-Coupé. Dieser einzigartige 328 wird 1939 von Touring in Mailand karossiert. Der Wagen mit der Chassis-Nummer 85368 hat einen filigranen Gitterrohrrahmen, die Außenhaut besteht aus Aluminium. Diese „superleggera“ – superleichte – Karosserie macht das fahrfertige Coupé ganze 780 Kilogramm leicht. Mit dem 130 PS starken Reihensechszylinder unter der Haube erreichte der Zweisitzer eine Spitzengeschwindigkeit von 220 km/h.

Der Erfolg: Ein Start-Ziel Sieg über 1600 Kilometer
Schon beim ersten Einsatz, dem 24 Stunden Rennen von Le Mans 1939, hat das leichte Coupé als Klassenbester einen sensationellen 5. Platz in der Gesamtwertung hinter sehr viel stärkeren Wettbewerbern belegt.
Ein Jahr später, am 28. April 1940, fährt der Rennfahrer Fritz Huschke von Hanstein gemeinsam mit Walter Bäumer auf dem 1500 km langen Kurs der Mille Miglia, dem damals längsten und schwierigsten, aber auch prestigeträchtigsten Straßenrennen der Welt, unangefochten auf Platz eins. Seinen Triumph erzielt der damals 29-jährige von Hanstein mit Startnummer 70. Der „Rennbaron“ setzt sich vom Start weg an die Spitze des 87 Teil­nehmer starken Feldes und legt die Gesamtstrecke in weniger als neun Stunden mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp 170 km/h zurück. Am Ziel hat das BMW Coupé vor den bis dahin übermächtigen Alfa-Romeo-Wagen 15 Minuten Vorsprung. Abgerundet wird der  
Rennfahrer Fritz Huschke von Hanstein gewinnt 1940 die Mille Miglia
Rennfahrer Fritz Huschke von Hanstein gewinnt 1940 die Mille Miglia
Triumph durch die hervorragenden Platzierungen weiterer 328 Roadster mit offenen Stromlinien-Karosserien auf den Plätzen 3, 5 und 6. Es ist der bis dahin bedeutendste Sieg für das immer noch junge Automobilunternehmen BMW.

Nachkriegsrennen: Tourenwagen prägen das BMW Image
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges lässt der notwendige Wiederaufbau der Automobilproduktion zunächst keinen Spielraum für ein erneutes Werksengagement im Motorsport. Anfang der 50er Jahre setzen allerdings wieder zahlreiche Privatfahrer den BMW 328 ein – immer noch mit Erfolg.
So gewinnt der Vorkriegs-Sportwagen 1950 das Internationale Bergrennen im schweizerischen Sierre-Montana, die Internationale Österreich-Alpenfahrt 1951 und 1953, die Rallye International des Alpes in Frankreich 1952 oder auch die Internationale Jugoslawische Alpenfahrt 1952 und 1953.

Mit speziellen Tourenwagen tritt BMW erst 1960 wieder an und Hans Stuck, der legendäre „Bergkönig“ aus der Vorkriegszeit, gewinnt mit dem BMW 700 Coupé die deutsche Bergmeisterschaft. Schon bald nach Produktionsbeginn hatten sich die sportlichen Qualitäten des Coupés gezeigt und bei vielen Kunden entstand der Wunsch nach einem stärkeren Motor. Schon im Sommer 1961 trägt man bei BMW diesem Wunsch Rechnung.

Auf dem Nürburgring wird im August der BMW 700 Sport vorgestellt. Durch auf 9:1 erhöhte Verdichtung, eine schärfere Nockenwelle und eine Solex-Zweivergaseranlage leistet der Motor nun 40 PS. Das reicht für einen Spurt aus dem Stand auf 100 km/h in knapp 20 Sekunden und eine Spitzengeschwindigkeit von 135 km/h. In der Tat deklassiert das 640 Kilo-Fliegengewicht die Konkurrenz in seiner Motorsport-Klasse von Anfang an. Unter den Fans wird diese „heiße“ Variante des BMW 700 zur Legende der frühen sechziger Jahre. Er liefert sich spannende Duelle mit Konkurrenten von Steyr-Puch oder Abarth bekommt deshalb schnell den Spitznamen „der kleine Zornige“. Im Jahr 1961 gehen die Deutsche Rundstreckenmeisterschaft, die Rallye- und Tourenwagen-Meisterschaft an BMW. 1963 gewinnt Hubert Hahne mit dem BMW 700 sogar den Europapokal der Tourenwagen.

Die „Neue Klasse“ wird zur Erfolgsbasis
Im Jahr darauf steht den BMW Sportfahrern mit dem BMW 1800 TI ein ganz anderes Kaliber von Tourenwagen zur Verfügung. Die viertürige Limousine aus der Modellpalette der 1962 eingeführten „Neuen Klasse“ von BMW brilliert schon im Serienzustand mit hervorragenden Fahreigenschaften und einem leistungsfähigen Vierzylindermotor. Die BMW Fahrer fahren nun gegen stärkste internationale Konkurrenz bei allen europäischen Rennen und Rallyes um den Gesamtsieg. 1964 wird Hubert Hahne deutscher Rundstrecken­meister und gewinnt 1966 erneut den Europapokal der Tourenwagen, nun mit dem hubraumstärkeren BMW 2000 TI.

Im Jahr darauf gewinnt Helmut Bein auf BMW 1600 acht von zehn Läufen zur Deutschen Automobil-Rallyemeisterschaft und wird damit Meister aller Klassen. Bereits seit 1967 engagiert sich BMW auch in der Formel 2. An den leistungsstarken BMW Motoren kommt in den Folgejahren kaum ein Team vorbei. Zahllose BMW Siege und Europameisterschaften bestimmen die Szene.

Ein noch sportlicheres Automobil folgt mit der zweitürigen Sport-Limousine BMW 2002, mit der Werks- und Privatfahrer ihre Siegesserie ab 1968 fortsetzen. Dieter Quester wird 1968 und 1969 Tourenwagen-Europameister. Privatfahrer in ganz Europa fahren in den folgenden Jahren zahlreiche Landesmeisterschaften ein. Das Markenimage von BMW ist geprägt vom Nimbus eines Herstellers besonders sportlicher Automobile.
 
Hubert Hahne im BMW 1800 Ti 1964
Hubert Hahne im BMW 1800 Ti 1964

BMW 2002 am Nürburgring 1968
BMW 2002 am Nürburgring 1968

1972: Die BMW Motorsport GmbH formiert sich
Am 1. Mai 1972 nimmt deshalb die BMW Motorsport GmbH die Fäden in die Hand. Chris Amon, Toine Hezemans, Hans-Joachim Stuck und Dieter Quester verpflichtet BMW als Werksfahrer. Für die Rallyes werden Björn Waldegaard und Achim Warmbold gewonnen. Für die Rallyeeinsätze 1973 entsteht ein 950 Kilogramm leichter 2002 mit einem zwei Liter großen Vierventil-Vierzylinder. Leistung 240 PS. Und ein neues Tourenwagen-Coupé von dem Motorsport-Chef Jochen Neerpasch anfangs sagt: „Da 1973 für uns als Entwicklungsjahr gilt, können wir nicht damit rechnen, diese Europameisterschaft auch zu gewinnen.“ Der Wagen trägt die Bezeichnung 3.0  
BMW 3.0 CSL 1973
BMW 3.0 CSL 1973
CSL, CS stammt vom serienmäßigen Basis-Coupé, das L bedeutet Leichtbau. Türen und Hauben sind aus Aluminium, das Fünfganggetriebe hat ein Magnesiumgehäuse. 1092 Kilo bringt das Auto auf die Waage. Der Solitär aber steckt unter der Haube: Ein 3340 Kubikzentimeter großer Reihensechszylinder mit zwölf Ventilen, Einspritzung und einer Verdichtung von 11:1. Die Leistung: 360 PS.

Es ist der letzte Zweiventilmotor, den BMW für Renneinsätze baut. Die CSL-Coupés in den neuen BMW Rennfarben blau-violett-rot, die schnell die gesamte Rennsportwelt kennt, sind unschlagbar. Der große Preis der Tourenwagen auf dem Nürburgring geht an Hans-Joachim Stuck und Chris Amon. Der Gesamtsieger der Tourenwagen-Klasse des 24 Stunden-Rennens von Le Mans heißt BMW.

Foto © BMW AG

 
 
 
 
 

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