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Von der Benzinkutsche zum Hightech
Utility |
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Der erste Schlüssel steckt schon - eine ungewohnte
Situation und ich erinnere mich an die Zeit zurück, in
der man zu seinem Auto mehrere Schlüssel bekam. Einer
passte in die Türen, einer für den Kofferraum und ein
kleiner dritter war für den abschließbaren
Tankverschluss zuständig. Heute hat man sich daran
gewöhnt, auf den kleinen Sender am Schlüssel zu drücken,
um jeglichen
Zugang
zu seinem Fahrzeug zu erhalten. Und nun das - ein
zweiter Schlüssel. Aber immerhin sitze ich auch nicht in
irgendeinem Auto - es ist das Auto dieses Jahrtausends -
ein
Bugatti, und die Sache mit dem zweiten Schlüssel hat
schon seine Berechtigung. Er ist zugleich der Schlüssel
zu einer völlig neuen Dimension im Automobilbau.
Noch nie hat jemand ein Serienauto vorgestellt, das
die unglaubliche Geschwindigkeit von 400 km/h
überschreiten kann. 1001 PS sorgen im
Veyron
für die nötige Kraft, um das zu bewerkstelligen. Und das
in einem
Volkswagen. Heute werde ich es erfahren, ob die 400
km/h ein Schritt in eine neue mobile Welt oder nur eine
technische Spielerei ist, um zu zeigen, was im
Automobilbau technisch möglich ist. 14 Sekunden trennen
mich nun noch von dem, was noch vor 10 Jahren im
Serienautobau als absolut höchst erreichbar galt - die
300 km/h Marke.
Ferrari und
Porsche lieferten sich mit Supersportwagen wie dem
Porsche 959 und dem
Ferrari F 40
immer wieder gegenseitig den Ansporn, noch ein wenig
schneller zu werden - und nun heute der
Bugatti Veyron.
Viel Platz braucht es, um diesen Wagen auszufahren. Bei
400 km/h rast man nicht durch die Welt, die Welt rast an
einem vorbei, mit mehr als 100 Metern in der Sekunde.
Das ist rund zehn mal schneller als der freie Fall. Was
ist das Geheimnis dieses Wunsches des Menschen, immer
noch ein wenig schneller zu werden - nun, ich werde es
heute erfahren.
Der Tritt aufs Gaspedal kommt dem Abschuss einer Rakete
gleich. 100 ... 200 ... 300 ... 350 ... 400... 410 km/h
- was, wenn man jetzt wohl den zweiten Schlüssel
herauszieht, denke ich, und es ist wie die Sache mit der
heißen Herdplatte aus Kindheitserinnerungen. Man weiß,
es wird nicht gut gehen, aber man probiert es trotzdem
aus. Meine Finger versuchen den Schlüssel ein wenig zu
bewegen und dann passiert es ...
Irgendetwas ist anders. Das ich nicht mehr im
Veyron
sitze und mit mehr als 400 km/h über die leere Autobahn
rase, ist mir schon klar. Ich sitze im Gras, es riecht
nach frischem Heu und die Sonne scheint. Aber irgend
etwas stimmt hier nicht. Es ist still - zu still. Das
einzige, das ich höre, ist ein gleichmäßiges Klatschen,
untermalt von einem monotonen Ruf, den ich noch nicht
genau zuordnen kann. Ich schaue mich um - ein Bauer auf
einem Feld - ein Pferd zieht eine Maschine, deren Sinn
mir noch nicht ganz klar ist. Eine Peitsche bringt das
Pferd immer dann wieder in die richtige Spur, wenn es
meint, seines Herren Lenkzügel nicht gehorchen zu
müssen. Hüh! Da ist es wieder, das Wort. Hüh, der Mann
treibt sein Pferd mit Worten an.
Ansonsten - Stille. Kein fernes Rauschen von Lkws, die
sich aneinander gereiht eine Autobahn entlang quälen.
Kein sonores Grollen vom Himmel, der mitteilt, dass
wieder ein Heer von Urlaubern in irgendein
Sonnenparadies verflogen werden. Überhaupt - ein Himmel
ohne Kondensstreifen. Langsam stehe ich auf und gehe auf
den Mann mit dem Pferd zu.
Der schaut mich ähnlich verwirrt an wie ich
wahrscheinlich ihn. Zum Glück habe ich den Helm nicht
mehr auf - meine Jeans und mein T-Shirt müssen auf ihn
schon unheimlich genug erscheinen. |
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