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KAMEI Tuning - Chronik

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1985 KAMEI und die Entwicklung elastischen Lackes
Zur KAMEI-X1-Optik der achtziger Jahre gehörten Ausstellungs-Fahrzeuge, die auch farblich Trends setzten. Durch die enge Zusammenarbeit mit Becker Design in Nieder-Olm entstanden außergewöhnliche Perleffekt-Lackierungen mit mehreren Schichten Klarlack.

Bald kam KAMEI mit einem Anforderungsprofil, das für die Lackindustrie neu war. Alle Teile, die aus Sicherheitsgründen nachgeben mussten und deswegen aus PU oder ähnlich flexiblen Materialien gefertigt werden mussten, ließen sich bis dato nicht lackieren. Und wer es versuchte, wunderte sich, dass der Lack bald wieder ab war.

Zusammen mit Stefan Becker besuchte KAMEI-Geschäftsführer Uwe Meier-Andrae das Glasurit-Labor in Münster-Hiltrup. Die Bitte an die Lacktechniker bestand aus einem Satz: "Wir wollen einen Lack, den man problemlos biegen kann." Dieser Denkanstoß beschäftigte das Labor sechs Monate lang – mit Erfolg! Am Heckspoiler und den Windsplits eines Audi Quattro Coupé wurden Biegeversuche bis zum "Erbrechen" gemacht. Keine Risse im Lack, und so demonstrierte KAMEI bei der darauffolgenden IAA und anderen internationalen Messen die Haltbarkeit mit einem Gerät, auf dem ein lackierter KAMEI-PU-Spoiler stundenlang ständig um 15° nach links und rechts verdreht wurde.

In eine andere Richtung lief bei KAMEI die Entwicklung eines besonders schlagzähen und lange haltbaren ABS-Materials. So entstand DUROKAM, denn hohe Qualitätsnormen verlangen ständig nach Weiterentwicklung.

1986 KAMEI-Multicar – Denkanstöße für die Autoindustrie
Ende der achtziger Jahre stellte KAMEI auf Basis des Opel Kadett E Caravan ein vielfach verwandelbares Auto vor: Hardtop-Combi, Pick-up, Lieferwagen und Cabrio in einem Wagen. Heutige SUV sind dagegen einfallslos. Mit diesem Konzept sollte eine ganz neue Käuferschicht angesprochen werden. Rationales, Praktisches und Erschwingliches für Alltag, Beruf, Freizeit und Sport: Diese Komponenten, die KAMEI im Auftrag des Rüsselsheimer Werkes herstellen wollte, gingen nie in Serie. Es fehlte das "OK" vom Marketing.

Das Multicar-Konzept offerierte KAMEI bis 1992 in mehreren Varianten verschiedenen Autoherstellern. Stets ging großes Interesse voran, doch letztlich scheiterte es an zu hohen Entwicklungs- und Produktionskosten oder den unüberwindbaren vorbehalten der jeweiligen Marketingstrategen. 1989 hatte KAMEI das deutsch-japanische Gemeinschafts-Projekt VW Taro noch vor Markteinführung in einer Version präsentiert, die auf dem VW-Stand der Hannover-Messe, auf der IAA und dem Caravan-Salon gezeigt wurde. Zuspruch bei Handel und Publikum: Gewaltig! Der geringe Absatz des Basis-Fahrzeuges ließ es jedoch ratsam erscheinen, von größeren Werkzeug-Investitionen Abstand zu nehmen. Tatsache ist, dass Details des Multicar-Konzeptes bis über die Jahrtausendgrenze hinaus da und dort in die Serie einflossen – besonders bei den SUV und SAV der jüngsten Modell-Generationen.

1988 Neue Projekte und ein schmerzhafter Verlust
Vorbereitungen für den Genfer Salon 1988, auf dem neben dem Multicar auch ein Passat X1 präsentiert werden sollte: Mitten in diese hektische Phase, in die auch noch die Schnürung des Paketes KAIMEI France fiel, entschlief am 28. Januar Karl Meier, der 80jährige Firmengründer. Sein erfolgreiches Schaffen fortzusetzen, war für KAMEI Verpflichtung und Herausforderung zugleich.

KAMEI France führte sich mit dem Corrado X1 auf dem Auto-Salon in Paris bestens ein. Intensive Kontakte mit Chrysler führten zu der Vorstellung eine Executive-Konzeptes für die Minivans des US-Konzerns. Im Sport-Marketing-Mix konnte Kurt König mit dem KAMEI-Crew-BMW als bester Privat-Fahrer der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft überzeugen, schließlich rangierten vier der Meister der fünf vorangegangenen Jahre hinter ihm.

Ein Projekt-Auftrag von Karmann, in weniger als 90 Tagen einen Roadster auf Basis des Golf-Cabrio zu entwickeln, wurde mit einer termingerechten Präsentation erfolgreich abgeschlossen. Das Konzept eines VW-Bus-Executive stieß bei VW auf Neugier. 1990 präsentierte KAMEI auf der Trans 2000, Hannover, die exklusive Innenausstattung für den damals neuen Caravelle. KAMEI wurde offizieller Ausstatter und bekam den "besten Testfahrer": den VW-Vorstandsvorsitzenden Dr. Carl Hahn. Eine Sonderserie des Audi 80 strahlte KAMEI- Design-Komponenten aus. Weitere Highlights 1988: Musical "Cats" auf dem KAMEI-Stand der Automechanika und viele neue Produkte. Das erfolgreich begonnene Dachboxen-Programm wurde um die Sportbox erweitert. Aufgrund des günstigen Preis-Leistungs-Verhältnisses und des aerodynamisch gelungenen Designs erntete sie in einem großen Auto-Zeitung-Vergleichstest die Bewertung "sehr empfehlenswert", Ansporn für KAMEI, weitere Boxenmodelle folgen zu lassen.

1989 Jahre des Umbruchs
1989 deutet sich ein Wandel im Verbraucher-Verhalten beim optischen Tuning an. Aerodynamisch hatten die Serienfahrzeuge keine Schwachstellen mehr. Spoiler und X1-Bausätze zum Nachrüsten wichen einem neuen Zeitgeist mit verlagerten Wünschen. In den Drang zur Individualisierung mischten sich auch umweltorientiertes Denken und praktische Aspekte, die dem KAMEI-Dachkoffer-Programm so viele Impulse gaben, dass es trotz des Zusammenschlusses von Jetbag und Thule 1991 auch heute noch floriert.

Fröhliche Urständ feierten die Avus-Lenkradhüllen in den USA. Mitte 1990 kamen sie unter dem Motto "Go Hollywood" in sechs Popfarben auf den US-Markt und sorgten für eine Reaktivierung dieses traditionellen Umsatzträgers. Turbulent ging es auch in Willy Bogners Film "Fire, Ice & Dynamite" zu. Das Ausstattungs-Paket des von KAMEI gestellte Dynamite-Golf in diesem Action-Streifen wurde in einer Kleinserie von 82 Bausätzen nachbestellt.

1992 erfolgte die Konzentration der Produktion auf den Standort Wolfsburg, zusätzliche Handelsprodukte wurden ins Programm aufgenommen, und mit der Space-Box erschien kurz vor Weihnachten ein Produkt, das "Auto-Bild" als vorbildlich beurteilte.

1994 Generationswechsel, neue Verwaltung und Modernisierung
1994 erfolgte der Übertrag von Geschäftsanteilen von Klaus Meier auf seinen Sohn Thomas Meier, der Mitte des Jahres Mitgesellschafter des Unternehmens wurde und die Position seines Vater in Wolfsburg sukzessive bis zum Oktober 1998 übernahm. 1994 zog die zentrale Verwaltung innerhalb Wiesbadens um. KAMEI hatte ein dreistöckiges Geschäftshaus in der Stiftsstraße gekauft. Auch im Export tat sich etwas: In Argentinien, Brasilien, Mexiko, Hong Kong, Korea und Südafrika wurden neue Partner gefunden. 1995 dehnte sich das Fernost-Geschäft auf China aus.

Mit einer neuen vollautomatischen Vacuum-Tiefziehmaschine wurde 1996 die Produktion in Wolfsburg weiter modernisiert und rationalisiert. Für das wachsende Boxengeschäft entstand eine neue Lagerhalle, die für die neue Boxen-Serie "Delphin" dringend benötigt wurde. Bereits 1998 hatte sie 74 Prozent des gesamten Boxenumsatzes erzielt und wurde sogar auf der Auto-Show in Moskau präsentiert. Die bei KAMEI von Anfang an gesetzten Qualitätsmaßstäbe rückten 1998 mit der Zertifizierung nach DIN EN ISO 9001 in eine neue Dimension.

1998 KAMEI-New Beetle und KAMEI-Beetster
Bereits auf der Automechanika 1998 hatte KAMEI unter dem Motto "Tradition mit Zukunft" am Beispiel des New Beetle Car-Styling im Retrodesign demonstriert, nur ein kleiner Vorgeschmack auf den Beetster, der auf der IAA 1999 und der Essener Motorshow vom Publikum und den Medien regelrecht umringt war.

Dieser sportliche, fahrfähige Prototyp eines Fun-Cars mit Überrollbügeln, Anbauteilen aus durchgefärbten DUROKAM, Lederschalensitzen und spiegelglanz-veredelten BBS-Alurädern, erfuhr noch eine Steigerungsform.

Dass der Fahrspaß auch mit diesem aus Mexiko stammenden VW bei KAMEI keine Grenzen kennt, zeigte man 2001 in Essen mit dem Beetster II. Dieser zweisitzige Roadster besitzt eine neuartige, von der Dekra statisch und dynamisch getestete seitliche Bügelkonstruktion, die gleichzeitig als Schienen für die Persenning dient. Ein "feuerrotes Spielmobil" zum Verlieben, wie so manchen weiblichen Kommentaren zu entnehmen war!

1999 Produktvielfalt & Diversifizierung
Sportgrills und Scheinwerferblenden waren bereits 1999 Renner im KAMEI-Programm. Bis 2003 steigerte sich das Angebot von 29 Typen Sportgrills auf 36, und das Blenden-Sortiment wuchs von 71 Typen auf 92. Nicht minder beliebt sind Heckscheiben- und Auspuff-Blenden. Heckflügel mit integrierter Bremsleuchte für Stufenheck-Fahrzeuge – KAMEI offeriert diese für 30 Automarken – sind wieder im Kommen. Nur die großen Frontspoiler mussten dezenteren Lösungen wie kleinen Front-Flaps und Spoiler-Ecken weichen.

Griffmuscheln, Decor-Leisten und Spiegelkappen sind ebenso gefragt wie individuelle Schaltknäufe. Auto-Extras aller Art, vom Windschott für Cabrios über Sitzkissen, Mittelkonsolen, Türschalen gehören traditionell zu KAMEI. Dazu kommt noch der Vertrieb des umfangreichen Innenraum-Programms von Fischer. Kleine Reminiszenz an den Ur-Käfer Karl Meiers: Die Auto-Blumenvase, jetzt aus bruchfestem Acrylglas. Die Rose ist Bestandteil des Lieferumfangs.

Das Dachboxen-Programm mit Dachträger-Systemen und Fahrradhaltern wird ergänzt von Maßtaschen-Sets, Skihalter-Einsätzen und Wandhalterungen für die Garage. KAMEI Automotive steht für Kleinserien und Sonderanfertigungen wie Stauboxen für Nutzfahrzeuge, Transport-, Produktions- und Aufbewahrungshilfen, Werkstückträger sowie Zusatzausstattungen für Notarztwagen und Polizeifahrzeuge. Durchdacht bis in kleinste Details wie Pistolentaschen oder Gasflaschenbehälter ist auch der Dachaufsatz für Blaulicht-Blitzbalken. Nicht für die Automobilindustrie, aber gefragt von Kommunen und Wasserwerken sind die stabilen Hydrantenkappen-Einsätze von KAMEI.

2004 Premium-Tuning für Touareg, Golf V und Co. und die Rückkehr nach Wolfsburg
Die zunehmende automobile Konformität veranlasste KAMEI, sich strategisch neu auszurichten und noch mehr Individualismus Rechnung zu tragen. Neben den traditionellen Produktionsfeldern gründete man bereits 2003 in Wolfsburg den Bereich KAMEI X1, der sich die Komplett-Veredelung von VW und Audi Automobilen auf die Fahnen geschrieben hat und so an das erfolgreiche Tuning-Programm aus den 80er Jahren anknüpft. Als erster Spross dieser neuen Sparte entstand der KAMEI Touareg DAKAR, der als V10 TDI mit seinen auf 355 PS (230kW) und 860 Nm Drehmoment quasi das Zugpferd der neuen KAMEI X1-Linie darstellt. Auf der Essen Motor Show zeigte KAMEI noch im gleichen Jahr die viel beachteten X1-Version des Golf V und des Audi A3. Im Marketing war 2003 zudem ein Generationssprung zu verzeichnen: Mitgesellschafter Uwe Meier-Andrae übergab diesen Aufgaben-Bereich dem ältesten Sohn Marian.

Die Bedeutung des Standortes Wolfsburg unterstreicht die Tatsache, dass ab 2004 auch die Zentrale Verwaltung, die von 1976 bis zum 2003 in Wiesbaden residiert hatte, in der Auto-Stadt arbeitet. Vom einstigen "Zonengrenz-Randgebiet" war Wolfsburg nach der Wiedervereinigung in die Mitte Deutschlands gerückt: Anbindung an die Ost-West-Achse A2 und das ICE-Netz. Der Standort des größten Automobilwerkes Europas und des KAMEI-Werkes gewinnt zunehmend an Attraktivität. KAMEI zog daraus die logische Konsequenz, die alle Aktivitäten in "WOB" zu bündeln.

Das Gebäude der ehemaligen Wiesbadener Zentrale bleibt in Firmenbesitz. Ein "Kontakt-Büro Rhein-Main" sowie der Werksverkauf von Produkten aus der Wolfsburger Produktion werden weiterhin in den Räumlichkeiten der Wiesbadener Stiftstrasse zu finden sein. Denkbar ist mittelfristig auch die Errichtung eines weiteren Tuning-Centers.
Die dritte Generation der Firmenleitung, Thomas Meier und Marian Meier-Andrae, gewichtet zwar Tradition und Innovation gleichermaßen, gibt sich aber generell äußerst zukunftsorientiert. Für sie ist gibt es auf automobiles Einerlei nur eine passende Antwort: Vielfalt im Tuning-Sektor.
 
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