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1966 Ein Laden in Berlin
und ein Werk in Wittlich
In bester City-Lage direkt
am Kurfürstendamm eröffnete
KAMEI 1966 einen Laden für
die Auto-Komfort-Produkte
aus eigener Fertigung und
weitere Accessoires rund ums
Automobil. Dieser frühe
Tuning-Shop war seinerzeit
eine Attraktion. Um der
großen Nachfrage nach der
Avus-Lenkradhülle gerecht zu
werden, errichtete KAMEI
1971 ein Zweigwerk in
Wittlich an der Mosel. Waren
in Wolfsburg bereits 130
Arbeitskräfte beschäftigt,
kamen jetzt 50 neue
Arbeitsplätze hinzu. Außer
den Lenkradhüllen war in
Wittlich auch die Fertigung
von Nackenstützen und
Schalensitzen vorgesehen.
Beim Sitzkomfort hatte Karl
Meier einmal mehr
Pionierarbeit geleistet.
Der Nackenstütze folgte die
Sicherheitskopfstütze SK
2000 mit längerem Rückenteil
und stufenlosen
Verstellmöglichkeiten durch
starke Gurtbänder. Im
November 1973 wurde sie in
Holland an der TNO (Instituut
voor Wegtransport-middelen),
Delft, ausgiebigen
dynamischen Tests
unterzogen. Ein
entscheidender Beitrag für
die Sicherheit von
Fahrzeuginsassen.
Die Söhne Klaus und Uwe
waren inzwischen in die
Firmenleitung fest
integriert, wobei sich Klaus
um die Produktion kümmerte,
und Uwe den Vertrieb in die
Hand genommen hatte. KAMEI
florierte derart, dass die
Avus in den USA in Lizenz
gefertigt wurde. Bald zierte
die Avus sogar
Platten-Cover, Beispiel:
Donna Summers "bad girls".
Good News für KAMEI! Bis
1980 stieg der AVUS-Absatz
auf 20 Millionen verkaufter
Exemplare, ein Hit.
1972 Vom Interieur zum
Exterieur – Spoiler gehen in
Serie
Rund 20 Jahre nach der
persönlichen Präsentation
des ersten Käfer-Spoilers
durch Karl Meier in Genf
1953 führte die Verwendung
von aerodynamischen
Hilfsmitteln im Motorport
auch zu einer Nachfrage für
Straßen-Fahrzeuge. Diese kam
zunächst aus dem
motorsportbegeistertem
Freundeskreis, und so wurde
ein Kunststoff-Derivat in
Serie genommen. 1972
überraschte KAMEI mit einem
gelungenen Frontspoiler für
den VW Käfer. Bald darauf
folgten weitere Modelle,
beispielsweise für den Opel
Ascona A, den VW Passat und
natürlich für den Golf I.
Auch wenn man bei den Marken
diversifizierte, genoss der
VW-Konzern in der
KAMEI-Produktpalette stets
Priorität. Der Schritt vom
Interieur auch zum Exterieur
vollzog sich derart
vehement, dass KAMEI aus
allen Nähten platzte.
1975 Keke, Kern und KAMEI
1975 sorgte ein
Doppeldecker-Bus in den
Fahrerlagern für Aufsehen.
Er diente dem
Formel-V-1600-Team von Uwe´s
Moden, Kern und Kamei als
mobiles Hauptquartier. Zu
den Fahrern gehörten "Poldi"
von Bayern und ein gewisser
Keke Rosberg. Der
"fliegende" Finne fuhr die
Konkurrenz in Grund und
Boden, gewann die
ONS-Meisterschaft und
sicherte sich auch die
Castrol-GTX-Trophy. Der
Bayern-Prinz hielt KAMEI
viele Jahre die Treue, und
in Kekes Weltmeister-Jahr
1982 prangten beim Großen
Preis von Deutschland auf
Helm und Overall ebenfalls
die "beschwingten"
KAMEI-Schriftzüge.
1982 war wohl die
sportlichste KAMEI-Saison.
Zu den insgesamt 127 von
KAMEI unterstützten
Fahrern/Fahrzeugen gehörten
der damalige
Senkrechtstarter Stefan
Bellof, die Schnitzer-BMW M1
von Hans Stuck und "Poldi"
und mehrere Tourenwagen in
deutschen Meisterschaften,
der Tourenwagen-EM, diversen
Ostblock-Meisterschaften und
auch auf harten
Rallye-Pfaden.
Auch am Overall des
amerikanischen TV- und
Filmstars Kent McCord
prangte die KAMEI-Schwinge,
denn schließlich waren alle
Wagen des
Bilstein-Bosch-Rabbit-Cups
der USA mit KAMEI-Spoilern
ausgerüstet – wie übrigens
auch der Schweizer Golf-Cup.
Unverwechselbar wie Ende der
70er Jahre der
KAMEI-Renn-Golf waren 1983
die von KAMEI und Gilden
Kölsch gesponserten
Eichberg-Capri. "Capriolen"
für KAMEI machten neben den
Stammfahrern Helmut Döring
und Dieter Gartmann auch
Rallye-Weltmeister Ari
Vatanen, Klaus Ludwig, Klaus
Niedzwiedz, Harald Grohs und
beim 24-Stunden-Rennen der
unvergessene Manfred
Winkelhock zusammen mit
Norbert Haug, heute
Mercedes-Sportchef.
Warum betrieb KAMEI derart
aktiv Motorsport: Kaum eine
andere Sportart ist Medium
für Werbe-Botschaften so gut
geeignet, und außerdem wird
der Motorsport assoziiert
mit Begriffen wie Dynamik,
Technik, Sportlichkeit,
Jugendlichkeit, Präzision
und Zuverlässigkeit. Diese
Begriffe passten damals auf
KAMEI als einer der
führenden Spoiler-Hersteller
der Welt. Dass KAMEI auch
heute noch – wenngleich in
bescheidenerem Umfang – im
Motorsport präsent ist, ist
also kein Zufall.
1976 Neues Werk in WOB
und zentrale Verwaltung in
WI
Das 1976 die zentrale
Verwaltung des
expandierenden Unternehmens
nach Wiesbaden übersiedelte,
lag an der verkehrsgünstigen
Lage, besonders hinsichtlich
des Frankfurter Flughafens
als Tor zur Welt.
Schließlich wurden
KAMEI-Produkte mittlerweile
in 40 Länder exportiert.
Aber auch die Produktion
orientierte sich am
Auftragsvolumen, und so
entstand 1977 ein neues
KAMEI-Werk im Gewerbegebiet
von Wolfsburg-Vorsfelde.
Dieser Neubau auf damals
noch "grüner Wiese"
beherbergte von Anfang an
modernste, größtenteils
computergesteuerte
Fertigungsanlagen. Weil auch
in den USA die "Spoileritis"
ausgebrochen war, wuchs in
North Haven, Connecticut
eine KAMEI-Produktionsstätte
für die Bedürfnisse des
nordamerikanischen Marktes
heran. Gut eine Dekade
später wurde die
US-Fertigung aber wieder
eingestellt. Viele
KAMEI-Nachrüst-Produkte zum
Wohle des Autofahrers
flossen in die
Serien-Produktion ein.
Anatomisch geformte Sitze
mit Kopfstützen finden wir
heute in jedem Auto: Damit
wurde dann auch das
Wittlicher Werk – als
Erstausrüster viel zu klein
– überflüssig.
1981 Aerodynamik ist
stets Trumpf
Ende der 70er Jahre des
letzten Jahrhunderts hatte
KAMEI sein Front- und
Heckspoiler-Programm auf
viele Marken ausgedehnt.
Alle KAMEI-Spoiler wurden
eingehenden
Windkanal-Versuchen bei VW –
und teilweise auch bei
Daimler-Benz – unterzogen.
Sportlichkeit und
Energiebewusstsein prägten
die Entwicklung. Hatte man
bislang den Motorsport nur
als Werbeträger benutzt, so
wurden 1981 auch
Renn-Tourenwagen optimiert.
Bei den von KAMEI
unterstützten Audi-Coupés
konnte der
Luftwiderstands-Beiwert um
sieben Prozent gesenkt und
der Auftrieb an der
Vorderachse um 38 Prozent
verringert werden. Die
gewonnenen Erfahrungen
flossen auch in das
Straßen-Spoiler-Tuning ein.
Dieses Beispiel
dokumentiert, wie in jenen
Jahren die Serie noch von
intensivem
Motorsport-Engagement
befruchtet wurde.
1982 X1-Programm findet
weltweites Interesse
Früh hatte sich KAMEI
auf der IAA in Frankfurt
etabliert, den Schritt auf
den noblen Genfer Salon
wagte man 1982. Das neue
X1-Programm, basierend auf
Scirocco, Golf und Polo, in
Perleffekt-Weiss auf einem
weissen Teppich präsentiert,
stieß auf große
internationale Resonanz.
Auch in den Jahren danach
fanden die X1-Bausätze für
das Audi-Coupé, den 3er-BMW,
den Ford Escort und den Opel
Kadett großen Anklang. Die
Serienfahrzeuge ließen
damals noch genügend Nischen
für so intensives optisches
und aerodynamisches Tuning.
Die erste und zweite
Golf-Generation waren
besonders dankbar für das
X1-Programm, das natürlich
auch Motoren- und
Fahrwerksspezialisten
animierte. Für den Senior
Karl Meier, der im ersten
X1-Jahr seinen 75.
Geburtstag feierte, war es
eine Freude, denn Spaß am
Auto war sein Lebensinhalt. |
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