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Der junge Wilden aus
Kempten – so nannte man
Johann Abt oft. Mit der
Kombination aus Leidenschaft
und Köpfchen ist seine
Laufbahn eine faszinierende
Geschichte im deutschen
Motorsport.
Er hat einfach nicht
genau mitgezählt. Und er hat
einfach nicht alle Preise
aufgehoben. So ist auch
nicht bekannt, wie viele
Rennen Johann Abt in seiner
Karriere denn nun wirklich
gewonnen hat. Genau
überliefert ist aber der
erste Erfolg des Kempteners,
der im Dezember des Jahres
1935 das Licht der Welt
erblickt. 1952 startet
Johann Abt mit einem
DKW-Motorrad bei der
„Oberallgäuer Bergfahrt“ in
Sonthofen, die mehrere
hundert Kilometer über Stock
und Stein führt. Als Sieger
erhält er eine Medaille und
eine Urkunde der
ADAC-Ortsgruppe Kaufbeuren
mit der Anrede „Lieber
Sportskamerad“.
Es passt zu Johann Abt,
dass er seine Siege nicht
gezählt hat. Und man nimmt
ihm – ein bisschen untypisch
für einen Rennfahrer – sogar
ab, dass es ihm auch
eigentlich nicht so wichtig
ist. Wenn es das Klischee
vom fairen Sportsmann aus
Idealismus gibt, der seinen
Sport aus Überzeugung und
mit der gebotenen
Kombination aus Leidenschaft
und Verstand ausübt, dann
hätte der Allgäuer dafür
Modell gestanden. Und wer
sich heute manchmal fragt,
woher Christian Abt sein so
berühmtes Kämpferherz hat,
der braucht sich nur die
Geschichte seines Vaters
genau anzuschauen.
Christian, Johann und
Hans-Jürgen Abt (v. l.)
Obwohl Johann Abt die
Begeisterung für das
Automobil von seinen Eltern
Rosina und Josef bereits in
die Wiege gelegt bekommt und
schnell die Ausbildung im
heimischen Betrieb beginnt,
ist sein motorsportlicher
Weg keineswegs
vorgezeichnet, sondern mit
einigen Hürden versehen. Die
beim ersten Rennen seines
Lebens war noch leicht zu
nehmen: Weil gerade erst 15
Jahre alt, brauchte er für
die Teilnahme am
Grasbahnrennen in Kempten im
Jahr 1950 die Erlaubnis von
Militärregierung und seiner
Mutter. Abts Jungfernfahrt
im Auto mit der Startnummer
sieben endet auf dem Podium.
Wo sonst. Seine Erfolge
sprechen sich über die
Stadtgrenzen hinaus herum.
Die DKW-Chefetage wird
auf Johann Abt aufmerksam
und beruft ihn in die
Motorrad-Werksmannschaft –
als Wasserträger. Der "junge
Wilde" aus dem Allgäu soll
die altgedienten Piloten
unterstützen. Schon während
seines ersten Werkseinsatzes
lernt Abt schmerzlich die
Realität eines Neulings
kennen: Bei einer
Sechstagefahrt Ende 1954
führt er bis zur letzten
Stunde des sechsten Tages
das Feld an. Die Sensation
scheint greifbar nahe – bis
einem etablierten
Teamkollegen das Hinterrad
bricht. Abt muss anhalten
und helfen, verliert den
Sieg und wird nur Dritter.
Bis 1958 fährt Abt im DKW-Kader. Aber schon ein
Jahr zuvor ist klar, dass der Geländesport ein
Auslaufmodell ist. Zu populär ist der Automobilsport
durch die aufstrebende Formel 1 und den fünffachen
Weltmeister Juan Manuel Fangio inzwischen geworden.
Für Abt ist der Umstieg auf vier Räder freilich kein
Problem, ist er doch von Geburt an mit Autos
aufgewachsen. Als erstes eigenes Einsatzauto dient
wegen des knappen Budgets ein verunfallter DKW F91,
der beim Silberschild-Rennen auf dem Nürburgring
debütiert.
Es muss das Jahr 1962 sein,
als zum ersten Mal jemand
den Satz „Von der
Rennstrecke auf die Straße“
sagt oder zumindest denkt.
40 Jahre später wird dieser
Slogan das Motto des
Weltunternehmens Abt
Sportsline sein. Die gleiche
Bedeutung hat der Satz aber
schon damals, denn immer
mehr Kunden kommen in das
Autohaus Abt an der
Kemptener Burgstraße und
wollen „einen DKW, aber er
muss so schnell sein wie der
vom Abt“. Johann Abt
reagiert auf den Wunsch
seiner Kunden: Er gründet
Abt Tuning, integriert die
Abteilung für die
Extraportion Leistung in das
Autohaus und übernimmt als
Geschäftsführer
Verantwortung für die zehn
Mitarbeiter. Auch privat ist
1962 ein ereignisreiches
Jahr: Nach der Hochzeit mit
Thea kommt am Heiligen Abend
der erste Garant für die
Fortsetzung der
Firmengeschichte auf die
Welt. Hans-Jürgen Abt wird
am 24. Dezember geboren.
Nach einigen Jahren, in
denen sich Johann Abt seinem
Tuningbetrieb widmet und
zudem bei der Auto Union in
Ingolstadt arbeitet, steht
1966 die nächste große
Herausforderung ins Haus.
Wie für jeden Rennfahrer und
Tuner ist Carlo Abarth das
Maß der Dinge, für ihn
Rennen zu bestreiten,
gleicht einem Traum. Johann
Abt will ihn sich erfüllen.
Doch vor dem Platz im
Cockpit steht die Reise zum
Firmensitz in Turin, wo der
Österreicher seine
Kandidaten schon mal einen
oder zwei Tage auf einer
grünen Couch auf die Audienz
warten lässt. Johann Abt
wartet vier. Und reist nach
einem 30 Sekunden dauernden
Gespräch doch ohne
Fahrerplatz heim nach
Kempten.
Kein Geld, kein Auto –
dieser Spruch gilt im
Motorsport damals wie heute.
Doch es gilt ebenso nach wie
vor, dass auch Leistung
zählt. Und so überzeugt auch
Johann Abt: Vier Wochen
später erhält er nach einer
Sichtung, an der übrigens
auch ein gewisser Jochen
Rindt teilnimmt, den
ersehnten
Abarth-Werksvertrag. Mit
einer brisanten Klausel:
„Wenn sie alle Rennen
gewinnen, müssen sie nix
zahlen“, gibt Carlo Abarth
seinem neuen Schützling mit
auf den Weg. Und der schafft
das Unglaubliche sogar fast:
Von 30 Rennen gewinnt Johann
Abt 29 und wird einmal
Zweiter. Abarth ist
glücklich, und aus dem
Österreicher und dem
Allgäuer werden nicht nur
Partner, sondern auch
Freunde, die allein im
nächsten Jahr bei 17
weiteren Rennen siegen.
1970 kündigt Abt seinen
Werksvertrag: Er will sich
mehr auf seinen Betrieb
konzentrieren, bleibt Abarth
aber weiterhin treu. Abt
kauft den Sportwagen Abarth
1000 – das ideale Fahrzeug
für Bergrennen überhaupt.
Auch wenn heimische
Verpflichtungen immer mehr
in den Vordergrund rücken,
dreht Johann Abt mit dem
Abarth 1000 und seinem
Nachfolger, dem 290 PS
starken Modell 2000, zum
Finale seiner aktiven
Karriere noch einmal mächtig
auf. Und egal, welche großen
Namen und Marken auch
antreten – an dem Doppel
Abt-Abarth beißen sich alle
die Zähne aus. Die Fans
danken es mit den
ungewöhnlichsten
Sympathie-Beweisen: Wer
heute den Mendelpass
hochfährt, kann vielleicht
immer noch den Namen Abt auf
der Straße lesen.
Nach Erfolgen auf dem
Motorrad, im Touren- und
Sportwagen wagt sich Johann
Abt Mitte der 70er Jahre auf
absolutes Neuland. „Was ein
Abarth kann, das kann ein
Abt auch“, sagt er sich.
Prompt assoziiert man mit
dem Namen Abt nicht nur den
erfolgreichen Rennfahrer,
sondern bald auch das
Einsatzteam aus Kempten.
Rennautos mit den drei
Buchstaben sind fortan immer
häufiger im Motorsport zu
sehen, beispielsweise im
deutschen Rallyesport und
der anerkannten
Tourenwagenserie „Trophé de
l’Avenier“, die Abt gleich
zweimal gewinnt.
Erst 1975 widmet sich
Johann Abt endgültig seiner
Firma, in der er das
Programm auf alle VW- und
Audi Modelle ausgeweitet
hat. Endgültig? Noch bis zu
seinem Tod ist der „junge
Wilde“ dem Motorsport als
Mentor des VW Lupo Cup
verbunden.
bei Abt gibt's
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